Grand Slam am Donnerstag 10/2020

Fast wäre es diese Woche ein Grand Slam am Donnerstag geworden, in dem es nur um Krankheiten und Verletzungen geht. Doch die Milwaukee Brewers und Christian Yelich haben uns mit einer Blockbuster-Vertragsverlängerung vor der Depressivität eines solchen Artikels gerettet.

Christian Yelich – für immer ein Brewer?
Die Milwaukee Brewers und ihr Superstar Christian Yelich haben sich diversen Berichten zufolge geeinigt, ihre Zusammenarbeit langfristig festzuschreiben. Der Deal soll dem 28-jährigen Outfielder in den nächsten neun Jahren bis zu 215 Millionen Dollar einbringen und noch eine beidseitige Option für ein zehntes Jahr enthalten. Das ist mehr Geld als man normalerweise ausgeben kann und doch im Vergleich mit dem, was andere Stars in den letzten Jahren erhalten haben, ein relativ günstiger Vertrag. Yelich ist nach seinen bisherigen Leistungen für das Team jedenfalls jeden Cent davon wert. Seiner MVP-Saison 2018, in der eine Slashline von .326/.402/.598 produzierte, ließ er eine noch bessere Saison 2019 (.329/.429/.671) folgen. Der zweite MVP-Award blieb ihm wohl nur deshalb verwehrt, weil er den letzten Monat durch eine Knieverletzung verpasste.
Die Brewers sind ein Small-Market-Team und rangieren traditionell im hinteren Drittel der Gehaltsrangliste. Der Vertrag für Yelich ist mit großem Abstand die höchste Investition, die sie je in einen Spieler getätigt haben. Vor dem Hintergrund des jetzt vereinbarten Deals erklärt sich, warum keine größeren Anstrengungen unternommen wurden, Free Agents wie Mike Moustakas und Yasmani Grandal zu halten oder gleichwertig zu ersetzen – es ging wohl schlicht darum zu sparen, damit man sich den Langzeitvertrag mit Yelich leisten kann.

Garrett Whitley übel verletzt durch Foulball
Auf keinen Fall Verletzungen zu riskieren ist die oberste Devise im Spring Training, aber das ist leider oft leichter gesagt als getan. Garrett Whitley, Outfield-Prospect der Tampa Bay Rays, hat es am Montag während des Spiels gegen die Baltimore Orioles auf besonders hinterhältige Weise erwischt: Whitley hielt sich im Dugout seines Teams auf, als ein Foulball von Renato Nunez von den Stufen des Dugouts abprallte und ihm von dort ins Gesicht prallte. Der 22-Jährige erlitt mehrere Frakturen, blieb aber die ganze Zeit über bei Bewusstsein und konnte nach einigen Stunden aus dem Krankenhaus entlassen werden. Das nennt man wohl Glück im Unglück.

Saisonstart ohne Judge und Stanton
Die New York Yankees sind schon wieder das Lazarett der Liga: Dass die Starting-Rotation zu Saisonbeginn auf James Paxton und das ganze Jahr über auf Luis Severino verzichten muss, stand schon länger fest. Inzwischen wurden auch die Befürchtungen bestätigt, dass die beiden Top-Slugger Aaron Judge und Giancarlo Stanton nicht rechtzeitig zum Opening Day fit werden. Stanton laboriert an einer Wadenverletzung, Judge hat Probleme mit der Schulter, die bis in den Brustbereich ausstrahlen. Für beide Spieler gibt es noch keinen Zeitplan für eine mögliche Rückkehr; als grober Anhaltswert ist die Rede von Mitte bis Ende April.

Sorgen um Sale und Canning
Die Boston Red Sox können sich über das Verletzungspech des Erzrivalen nicht mal klammheimlich freuen, denn sie haben ihre eigenen Probleme. Ihr Top-Pitcher Chris Sale wird den Saisonbeginn verpassen und es ist völlig unklar, wie schlecht es um seinen Ellenbogen tatsächlich steht. Anfang der Woche ließ er seine Befunde von Dr. James Andrews untersuchen – eine Nachricht, die unter Baseballfans die Alarmglocken schrillen lässt, denn Dr. Andrews ist ein führender Spezialist für die berüchtigte Tommy-John-Surgery (TJS). Immerhin scheint es bei Sale laut verschiedenen Quellen nicht auf eine TJS hinauszulaufen, aber die Unklarheit über die Verletzung ist immer noch so groß, dass derzeit eine dritte Meinung eingeholt wird.
In einer ähnlichen Lage befindet sich Griffin Canning von den Los Angeles Angels. Der junge Starter musste schon die letzte Saison vorzeitig wegen Ellenbogenproblemen beenden und unterzieht sich derzeit mehreren Untersuchungen. Auch bei ihm besteht das Worst-Case-Szenario darin, dass er sich einer TJS unterziehen muss.

Corona-Auswirkungen nicht absehbar
In Italien, der Schweiz und anderen Staaten wurden bereits zahlreiche Fußballspiele ausgesetzt, in Japan werden die Spring-Training-Spiele der Nippon Baseball League derzeit ohne Zuschauer ausgetragen und gestern gab es im College-Basketball die ersten Spielabsagen im US-Sport. In diesem Licht drängt sich die Frage auf, ob das Coronavirus sich auch auf die bevorstehende MLB-Saison auswirkt. Eine befriedigende Antwort darauf kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand geben. Bislang gibt es keine Pläne, Spiele abzusagen, zu verlegen oder die Öffentlichkeit auszuschließen, aber die Lage kann sich natürlich täglich ändern. MLB-Commissioner Rob Manfred hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die weitere Entwicklung beobachtet und bei Bedarf Maßnahmen vorschlägt. In einem Schreiben an alle Klubs wurde empfohlen, derzeit auf Autogramme und Händeschütteln zu verzichten, keine Reisen in besonders betroffene Länder zu unternehmen, laufend Kontakt mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zu halten und sicherzustellen, dass alle Spieler gegen Grippe geimpft sind. Davon abgesehen bleibt dem professionellen Baseball nur dasselbe übrig wie uns allen: abwarten, was noch kommt.

März 5th, 2020 by