Grand Slam am Donnerstag 12/2020

Die Welt ist im Corona-Ausnahmezustand. Der Sport, den wir alle so lieben, rückt dadurch wie vieles andere erst mal weit in den Hintergrund. Der Grand Slam am Donnerstag ist deshalb heute im Wesentlichen ein Statusbericht zu den Auswirkungen der Seuche auf den Baseball.

Die Lage in der MLB und den Minor Leagues
Es war von vornherein absehbar, dass die Saison nicht nur – wie zunächst angekündigt – um zwei Wochen verschoben werden muss, sondern deutlich länger. Inzwischen ist es von Seiten der Liga offiziell, dass weder die MLB noch die Minor Leagues früher starten können als in acht Wochen. Dann erst endet der Zeitraum, für den die amerikanischen Gesundheitsbehörden ein Verbot von Veranstaltungen mit über 50 Personen verfügt haben. Damit wären wir bei Mitte Mai, aber das ist erstens noch lange kein festes Datum und zweitens werden die Teams ab der Freigabe noch ein paar Wochen Training und Vorbereitungsspiele brauchen, bevor es wirklich losgehen kann. Es ist daher wohl sicher zu sagen, dass es vor Juni nichts werden wird mit der Baseballsaison – und dass wir froh sein dürfen, wenn die Lage sich dieses Jahr überhaupt irgendwann so weit entspannt, dass wenigstens noch eine verkürzte Spielzeit drin ist.

Die Spieler sind inzwischen größtenteils nach Hause geschickt worden. Einige Teams haben ihre Spring-Training-Einrichtungen komplett geschlossen, andere lassen sie geöffnet und ermöglichen ihren Spielern die weitere Nutzung zum persönlichen Training unter besonderen Vorsichts- und Vereinzelungsmaßnahmen. Konkrete Infektionsfälle von Major-League-Spielern sind bislang noch nicht bestätigt, doch zwei Minor Leaguer der Yankees wurden positiv getestet. Bei beiden hat die Krankheit offenbar einen milden Verlauf mit nur schwachen Symptomen.

Während sich die MLB-Profis zumindest finanziell keine Sorgen machen müssen, sind sowohl die Minor-League-Spieler als auch viele sonstige Beschäftigte wie zum Beispiel Stadion-Mitarbeiter stark von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise betroffen. Eine erste erfreuliche Geste der 30 MLB-Klubs besteht darin, dass jeder von ihnen einen Million Dollar als Soforthilfe für die Einnahmeausfälle des Stadion-Personals bereit stellt. Noch keine gemeinsame Lösung gibt es für die Minor Leaguer. Sie werden generell nur während der Saison bezahlt – das heißt im Klartext, sie haben zurzeit wie schon in der gesamten Offseason überhaupt kein Einkommen. Ein paar Vereine – unter anderem die Rays, die Dodgers und die Mets – haben zugesagt, ihren Minor Leaguern zumindest bis Ende des Monats 400 Dollar pro Woche zu zahlen. Das ist ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen, und zwar durch alle Klubs.

Späterer Saisonbeginn auch in Deutschland
Auch die deutschen Baseball-Ligen haben ihren Spielbetrieb eingestellt beziehungsweise dessen Beginn nach hinten verlegt. Nach aktuellem Stand hat der DBV bis einschließlich 3. Mai alle Spiele ausgesetzt und bis 19. April sämtliche Kadermaßnahmen und den Trainingsbetrieb. Über weitere Verschiebungen und über Kürzungen der Spielpläne wird entschieden, sobald neue Informationen vorliegen.

Tumor-OP bei Trey Mancini
Die einzige aktuelle Meldung ohne Corona-Bezug, die ich erwähnen möchte, ist leider ebenfalls keine gute: Outfielder Trey Mancini von den Baltimore Orioles musste sich letzte Woche einer OP unterziehen, bei dem ein bösartiger Darmtumor entfernt wurde. Mancini war letztes Jahr der Top-Hitter der Orioles mit 35 Homeruns in 679 Plate Appearances und einer Slashline von .291/.364/.535. Er wird aller Voraussicht nach eine Weile ausfallen, aber das ist sicher zweitrangig angesichts der Umstände, dass erstens der Saisonbeginn in den Sternen steht und zweitens in Mancinis Situation alles andere weit weniger wichtig ist als dass er überhaupt wieder gesund wird.

März 19th, 2020 by