Grand Slam am Donnerstag 17/2021

Eine Schrecksekunde überschattete letzte Nacht das sportliche Geschehen in der MLB: Phillies-Outfielder Bryce Harper wurde von einem 97-mph-Fastball von Cardinals-Reliever Genesis Cabrera im Gesicht getroffen. Der Vorfall weckte unschöne Erinnerungen an 2014, als Giancarlo Stanton in einer ähnlichen Szene mehrere Frakturen erlitt. Doch Harper hatte offenbar Glück im Unglück. Er konnte das Feld trotz der blutenden Verletzung selbstständig verlassen und meldete sich später aus dem Krankenhaus, dass mit ihm alles in Ordnung sei. 
Gar nicht in Ordnung war offenbar zuletzt das Verhältnis zwischen den Colorado Rockies und Jeff Bridich. Der erwartbar schwache Start der Rockies in die Saison sowie die offensichtliche Planlosigkeit des General Managers führten dazu, dass man sich Anfang der Woche gemeinsam entschied, die Zusammenarbeit zu beenden. Der neue Team-Präsident Greg Feasel hat angekündigt, zunächst einen Interims-GM zu benennen und sich mit der Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Bridich bis nach der Saison Zeit zu lassen. 

American League
Die AL East wird nach wie vor von den überraschend starken Boston Red Sox (16-9) angeführt, die sogar die meisten Siege der gesamten AL aufweisen. Nachdem die Red Sox bislang vor allem durch Offensive überzeugten, zeigten sie zuletzt beim 2-Spiele-Sweep über die Mets mit 2:1 und 1:0, dass sie auch in Pitcherduellen bestehen können. Die Tampa Bay Rays (13-12) haben sich mit zwei Siegen gegen die Athletics zurück in eine positive Bilanz gespielt und damit die Toronto Blue Jays (11-12) überholt. Auch mit den New York Yankees (11-13) ist wieder zu rechnen. Mit fünf Siegen aus den letzten sieben Spielen gegen die Indians und die Baltimore Orioles (10-14) scheinen sie auf einem guten Weg, den Fehlstart in die Saison hinter sich zu lassen.

Auch die zweite große Überraschung der AL, die Kansas City Royals (15-8) an der Spitze der AL Central, zeigt keine Anzeichen eines Einbruchs. Im Gegenteil, die Detroit Tigers (8-16) wurden in vier Spielen glatt gesweept und eine 1:2-Niederlage gegen die Pirates wurde gleich wieder durch einen 9:6-Sieg ausgemerzt. Über das Wochenende steht eine interessante Serie an zwischen den überraschend starken Royals und den überraschend schwachen Minnesota Twins (8-15). Im Anschluss kommen die Cleveland Indians (11-12) und dann die Chicago White Sox (12-10) nach Kansas City, sodass die Royals in eineinhalb Wochen ein ziemlich gutes Bild davon haben dürften, ob sie die Division weiterhin dominieren können.

In der AL West haben sich die Verhältnisse ein bisschen gerade gerückt: Zum einen endete die Siegesserie der Oakland Athletics (15-10) nach 13 Erfolgen am Stück, seitdem verloren die A’s drei von vier Spielen gegen die Rays und die Orioles. Zum anderen haben sich die Houston Astros (13-11) zurück ins Rennen gearbeitet mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen – übrigens allesamt gegen die direkten Konkurrenten Los Angeles Angels (12-11) und Seattle Mariners (13-12). Ob eines der beiden letztgenannten Teams auf Dauer oben mithalten kann, wird sich vielleicht schon in den kommenden Tagen andeuten, denn die Angels und die Mariners treffen in einer 3-Spiele-Serie aufeinander.

National League
Die NL East ist zurzeit die einzige Division, in der kein einziges Team mit einer positiven Bilanz aufwarten kann. Das ist für die Beteiligten sicher enttäuschend, macht aber das Rennen nicht weniger spannend. Eine kleine Siegesserie reicht zurzeit aus, um von ganz unten nach ganz oben zu stürmen, so wie es gerade den Atlanta Braves (12-12) durch drei Erfolge gegen die Cubs gelungen ist. Am Wochenende treffen die beiden Mitfavoriten der Braves, die Philadelphia Phillies (12-12) und die New York Mets (9-10) direkt aufeinander. Auch in der unteren Tabellenhälfte gibt es während der nächsten Tage drei direkte Duelle: Die von einer Verletzungsserie geplagten Miami Marlins (11-13) treffen auf die Washington Nationals (9-12).

In der NL Central halten sich die Milwaukee Brewers (14-10) recht überzeugend an der Spitze, allerdings müssen sie als nächstes gegen den Champion, die Dodgers, antreten. Das könnte eine Chance für die St. Louis Cardinals (12-12) und die Pittsburgh Pirates (12-12) sein, die im Verfolgerduell aufeinandertreffen. Die Pirates haben übrigens seit ihrem 1-6-Start keine Serie mehr verloren, das hätte wohl kaum jemand gedacht. Massiv abgestürzt sind zuletzt die Chicago Cubs (10-14) mit fünf Niederlagen in Folge sowie die Cincinnati Reds (11-13), die acht der letzten zehn Spiele verloren haben – die beiden Siege aber ausgerechnet gegen die Dodgers holten. 

Apropos Dodgers: Der Titelverteidiger schwächelt! Ich will es nicht überdramatisieren, denn die Dodgers (16-9) haben nach wie vor die meisten Siege aller NL-Teams und führen die NL West an. Doch nach verlorenen Serien gegen die Reds und gegen die San Diego Padres (14-12) müssen sie sich die Spitze plötzlich teilen und zwar verblüffenderweise nicht mit den Padres, sondern mit den San Francisco Giants (16-9). Man muss dazu sagen, dass die Giants bislang einen recht gnädigen Spielplan hatten, aber das ist nun erstmal vorbei: Sowohl an diesem als auch am folgenden Wochenende treffen die Giants je dreimal auf die Padres (siehe „Einschalttipp“). Übrigens haben die Giants noch eine Verstärkung an Land gezogen. Outfielder Mike Tauchman kam in einem Trade von den New York Yankees und debütierte letzte Nacht gleich mal mit einem 3-Hit-Game beim 7:3 über die Colorado Rockies (9-15).

Szene der Woche
Manche Dinge sind so verrückt, dass man sie sich kaum ausdenken kann: Am 23. April 1999 schlug Third Baseman Fernando Tatis für die St. Louis Cardinals bei einem Gastspiel in Dodger Stadium zwei Grand Slams im selben Inning. Er ist der einzige MLB-Spieler, dem dies je gelungen ist. Auf den Tag genau 22 Jahre später, also am vergangenen Freitag, spielte sein Sohn Fernando Tatis Jr. als Shortstop der San Diego Padres ebenfalls in Dodger Stadium. Das ist an sich schon ein unfassbarer Zufall. Die Krönung des Ganzen ist, dass Tatis Jr. dem Vorbild seines Papas folgte, indem er an diesem Tag in diesem Stadion ebenfalls zwei Homeruns schlug – nicht im selben Inning und keine Grand Slams, aber trotzdem: unglaublich.

Statistik der Woche 
2. Diese Zahl begegnet einem öfter, wenn man sich die Statistiken anschaut, die Jacob deGrom dieses Jahr bislang produziert hat: Nur 2 Earned Runs hat der Pitcher der Mets in 35 Innings zugelassen, das entspricht einem ERA von sagenhaften 0.51. Gleichzeitig hat er selbst 2 RBI erzielt bei einer Batting-Line von .462/.462/.538. Trotz dieser überragenden Zahlen hat deGrom aus seinen bislang 5 Spielen nur 2 Wins und 2 Losses davongetragen. Das zeigt uns zum einen mal wieder, dass die Win-Loss-Statistik für Pitcher so gut wie gar nichts aussagt, und es zeigt zum anderen (ebenfalls: mal wieder), wie wenig Unterstützung der wohl beste Pitcher der Welt von seiner Offense bekommt. CNN-Reporter Jason Hoffman bringt es voll auf den Punkt: „deGrom is going to have the quickest Hall of Fame speech of all time. He has nobody to thank.“ 

Spiel der Woche
Die MLB-Saison 2021 hat ihren dritten No-Hitter – mehr oder weniger. Jedenfalls hat Madison Bumgarner am Sonntag beim 7:0-Sieg seiner Diamondbacks gegen die Braves das komplette Spiel gepitcht und keinen Hit zugelassen. Der einzige Baserunner der Braves kam durch einen Wurffehler von Shortstop Nick Ahmed zustande. Allerdings wird die Partie nicht als offizieller No-Hitter gezählt, weil sie Teil eines Doubleheaders war und daher nur über 7 Innings ging. Ob Bumgarner, der für die 21 Outs 98 Pitches benötigte, auch ein achtes und neuntes Inning geworfen hätte und ob den Braves gegen ihn oder einen Reliever weiterhin keinen Hit geschafft hätten, bleibt leider pure Spekulation. Eine großartige Leistung war es so oder so von MadBum.

Mein Einschalttipp
Die Aufeinandertreffen der Dodgers und der Padres waren der größte Hit der bisherigen Saison. Überraschenderweise haben sich neben diesen beiden auch die Giants in den Kampf um die NL West eingeschaltet. Ab morgen sind die Giants für drei Spiele in San Diego zu Gast und ich bin äußerst gespannt, ob auch diese Paarung das Zeug zu einem epischen Duell hat. Die erste Partie ist etwas für Frühaufsteher, sie läuft am Samstagmorgen ab 3:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Wer am Wochenende lieber etwas länger aufbleibt, wird mehr Freude an den Zeiten für die Spiele am Samstag- und Sonntagabend haben, jeweils ab 22:05 Uhr unserer Zeit. Alle Spiele gibt es wie üblich über mlb.tv zu sehen, DAZN überträgt leider keines davon.

April 29th, 2021 by