Grand Slam am Donnerstag 18/2021

Happy Birthday, Willie Mays! Eine der größten Legenden des Baseballs und das älteste lebende Mitglied der Hall of Fame feiert heute seinen 90. Geburtstag. Baseball ist so ein alter, traditionsreicher Sport und glänzt doch immer wieder mit neuen Ereignissen, die es vorher nie gegeben hat. Alec Bettinger und John Means können davon diese Woche ein Lied singen – Means in Dur, Bettinger in Moll. Ein Comeback der besonderen Art gab es am Dienstag: Nach über eineinhalb Jahren Corona-Pause wird endlich auch in den Minor Leagues wieder Baseball gespielt.

National League
Die NL East verkörpert in der bisherigen Saison sowohl Mittelmaß als auch Spannung wie keine andere Division. Für keines der beteiligten Teams haben sich bislang die hohen Erwartungen erfüllt, aber alle bleiben in ihrer Mittelmäßigkeit so eng beisammen, dass jederzeit für jeden alles drin ist. So gab es seit dem letzten Donnerstag vier verschiedene Tabellenführer: Vor einer Woche waren es die Atlanta Braves (14-16), die jetzt Dritter sind. Dann waren es die Philadelphia Phillies (16-15), die auch jetzt wieder vorne stehen. Zwischenzeitlich waren die Washington Nationals (12-14), jetzt Vierter, vorne, zeitweise gemeinsam mit den jetzt zweitplatzierten New York Mets (12-13). Die einzigen, die nie auf Platz eins standen, sind die Miami Marlins (13-16), welche aber lustigerweise auch das einzige Team der Division mit einem positiven Run Differential sind. Eine unschöne Nachricht aus Miami ist, dass Pitcher Paul Campbell positiv auf das leistungsfördernde Steroid DHCMT getestet wurde. Campbell wurde, wie in der MLB für erstmals überführte Dopingsünder üblich, für 80 Spiele gesperrt. Angesichts seiner bislang trotz Doping eher bescheidenen Leistungen (8.74 ERA in 11.1 IP) werden die Marlins den Ausfall verkraften.

Auch in der NL Central gibt es einen Führungswechsel. Nachdem die Milwaukee Brewers (17-14) vier Spiele hintereinander verloren haben, sind die St. Louis Cardinals (18-13) an ihnen vorbeigezogen. Heute Nachmittag gibt es übrigens zwei interessante Fernduelle um die Spitzen der NL East und der NL Central, wenn zum jeweiligen Serienfinale die Cardinals auf die Mets und die Brewers auf die Phillies treffen. Die Chicago Cubs (15-16) erleben bisher eine ziemliche Achterbahnfahrt, auf der es in den letzten Tagen mal wieder steil bergauf ging mit einem 3-Spiele-Sweep über die Dodgers.  

Dieser Sweep wirkt sich wiederum massiv auf das Tabellenbild der NL West aus. Die Los Angeles Dodgers (17-15) sind plötzlich nur noch Dritter. Obwohl sich ihre Gesamtbilanz mit einem Run Differential von +37 noch sehr passabel liest, kann und muss man nach elf Niederlagen in den letzten vierzehn Spielen wohl von einer Krise des Titelverteidigers sprechen. Zu allem Überfluss ist für Starter Dustin May die Saison gelaufen, er muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen. An der Spitze der Division stehen jetzt erstmal die San Francisco Giants (18-13), dicht gefolgt von den San Diego Padres (18-13). Eine glückliche Fügung des Spielplans will es, dass die Giants und die Padres am Wochenende dreimal gegeneinander antreten. Die Paarung gab es schon am letzten Wochenende, da behielten die Padres in San Diego mit 2:1 Siegen die Oberhand. Nun darf man gespannt sein, ob sich eines der beiden Teams absetzen kann oder ob in ein paar Tagen doch wieder die Dodgers der lachende Dritte bzw. Erste sind. Dazu müssen sie allerdings erstmal im Stadtderby bei den Angels bestehen. 

American League
Die Boston Red Sox (18-13) haben in den letzten Tagen ein bisschen geschwächelt, drei von vier Spielen gegen die Rangers verloren und eines gegen die Tigers. Noch halten sie sich an der Spitze der AL East, doch die New York Yankees (16-14) nahen durch fünf Siege in Folge mit großen Schritten und auch die Tampa Bay Rays (17-15) haben zurzeit einen starken Lauf. Knapp positiv stehen die Toronto Blue Jays (16-15), die demnächst einen Umzug im laufenden Betrieb zu bewältigen haben: Ab 1. Juni werden die Blue Jays ihre Heimspiele in Buffalo austragen. In Florida wird es nämlich zu der Jahreszeit zu warm und feucht, um dauerhaft im unüberdachten Spring-Training-Ballpark zu spielen, und das Reisen zwischen Kanada und den USA ist immer noch durch Corona stark beeinträchtigt, sodass eine Heimkehr nach Toronto weiterhin warten muss. Nicht übersehen sollte man, dass auch die Baltimore Orioles (15-16) keineswegs abgeschlagen sind – mit dem No-Hitter gegen die Mariners (siehe „Statistik der Woche“) haben sie sich gestern eindrucksvoll in Erinnerung gebracht.

Die Tabelle der AL Central zeigt eine sehr interessante Momentaufnahme: Die Cleveland Indians, die Chicago White Sox und die Kansas City Royals stehen allesamt bei 16-13 und teilen sich damit die Divisionsspitze. In den nächsten Tagen wird hier aber definitiv Bewegung reinkommen, denn zunächst spielen heute Abend noch mal die Royals gegen die Indians und dann kommen am Wochenende die White Sox für drei Spiele nach Kansas City. Chicago muss einen weiteren schweren Schlag an der Verletzungsfront verdauen: Centerfielder Luis Robert zog sich am Sonntag beim Baserunning einen Riss am Hüftmuskel zu und wird wohl drei bis vier Monate lang ausfallen. Nach Eloy Jimenez, den es kurz vor Saisonbeginn erwischte, müssen die White Sox somit auch auf den zweiten ihrer jungen Star-Outfielder für einen Großteil der Saison verzichten.

Die AL West wird nach wie vor von den Oakland Athletics (19-13) angeführt, dahinter haben die Seattle Mariners (17-15) den Rang des ersten Verfolgers von den Houston Astros (15-15) zurückgeholt. Das stärkste Team der letzten Tage waren allerdings die Texas Rangers (15-17), die von ihren jüngsten fünf Spielen vier gewonnen haben und am Wochenende die Mariners zu einer interessanten Serie erwarten. Die Los Angeles Angels (13-16) drohen nach vier Niederlagen am Stück, den Anschluss zu verlieren. Um das zu vermeiden, muss am Wochenende der eine oder andere Erfolg im Derby gegen die ebenfalls angeschlagenen Dodgers her.

Szene der Woche
Wie eingangs erwähnt, hat Brewers-Pitcher Alec Bettinger etwas „geschafft“, was es noch nie zuvor gegeben hat. Der Rekord, auf den der 25-Jährige sicher liebend gerne verzichten würde, besteht darin, in seinem ersten MLB-Spiel mehrere Grand Slams zuzulassen. Dabei war er fast schon aus dem ersten Inning entkommen, als er mit zwei Outs bei einem schwachen Groundball von Matt Beaty die erste Base abdeckte, aber beim Fangen den Kontakt zur Base verfehlte. Kurz darauf flog ihm von A. J. Pollock der erste Homerun bei geladenen Bases um die Ohren. Im zweiten Inning, wieder mit zwei Outs, wieder mit geladenen Bases, war erneut Beaty am Schlag. Dieses Mal war es ein Flyball, der gerade so den Rightfield-Zaun überwand. Das war zweimal Pech für Beaty, der insgesamt 11 Runs zuließ und damit auch den Rekord für die meisten Earned Runs in einem MLB-Debüt einstellte.

Statistik der Woche 
0. So viele Hits hat John Means beim gestrigen 6:0 der Orioles gegen die Mariners zugelassen – und übrigens genausoviele Walks, Hit-by-Pitches und Errors. Trotzdem war es am Ende „nur“ ein No-Hitter und kein Perfect Game, denn im dritten Inning kam Sam Haggerty bei einem nicht gefangenen dritten Strike auf die erste Base. Es war das erste Mal in der MLB-Geschichte, dass ein dropped 3rd Strike den einzigen Baserunner in einem nicht-perfekten No-Hitter verursachte. Interessanterweise gab es in keinem der drei No-Hitter der bisherigen Saison einen Walk: Bei Joe Musgrove am 9. April und Carlos Rodon am 14. April war es jeweils ein Hit-by-Pitch, der zwischen No-No und Perfektion stand.

Spiel der Woche
Die Chicago Cubs und die Cincinnati Reds entschieden am Sonntag kurzerhand, das Home-Run-Derby vorzuziehen. Insgesamt wurden in dem so spannenden wie unterhaltsamen Spiel zehn Bälle in ebenso vielen Innings über den Zaun geschlagen, fünf von jedem Team. Den knappen Unterschied zugunsten der Reds machte am Ende der überragende Spieler der Partie aus: Rightfielder Nick Castellanos erzielte fünf Hits in sechs At-Bats, darunter zwei Homeruns sowie den Walk-Off-Single für sein Team im zehnten Inning.

Mein Einschalttipp
Derby in Los Angeles, überkreuztes Fernduell in NL East und NL Central, Gipfeltreffen in der NL West – heute und am Wochenende warten eine Menge aufregender Spielpaarungen. Wenn ich mich für eine einzelne Partie entscheiden müsste, dann wäre es die zwischen den San Francisco Giants und den San Diego Padres am Samstag ab 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit – nicht zuletzt wegen des interessanten Pitching-Matchups zwischen Joe Musgrove (2.38 ERA, 2.75FIP) und Kevin Gausman (2.04 ERA, 3.23 FIP).

Mai 6th, 2021 by