Grand Slam am Donnerstag 20/2021

Es ist ganz offensichtlich das Jahr der No-Hitter in der MLB: Detroits Spencer Turnbull und Corey Kluber von den Yankees sind schon der fünfte und der sechste Pitcher mit einem Spiel ohne gegnerischen Hit in dieser noch relativ jungen Saison. Neben den No-Hittern häufen sich zurzeit leider auch die Verletzungen bei vielen Teams. Der prominenteste Ausfall dieser Woche ist Angels-Superstar Mike Trout, der mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel sechs bis acht Wochen pausieren muss. Auch Kevin Pillar, Centerfielder der Mets, wird eine Weile nicht spielen können, nachdem er einen Pitch ins Gesicht bekam und sich mehrfach die Nase brach. Ein erster Kandidat für die dämlichste Verletzung des Jahres steht auch schon fest: Huascar Ynoa, Pitcher der Braves, brach sich am Sonntag die Hand, als er aus Frust über die eigene Leistung auf eine Bank im Dugout einschlug.

National League
Jede Woche ein neuer Tabellenführer in der NL East? Das stimmte in letzter Zeit meistens, aber nicht dieses Mal. Die New York Mets (20-17) halten sich knapp vor den Philadelphia Phillies (22-21), auch und vor allem indem sie in den letzten Tagen die Atlanta Braves (20-23) durch eine gewonnene Serie auf Distanz gehalten haben. Dass die Mets sich so wacker schlagen, ist bemerkenswert – einerseits weil sie immer noch mit Abstand die wenigsten Runs der gesamten MLB auf dem Konto haben, andererseits weil sie zurzeit extrem ersatzgeschwächt antreten müssen: Mit Jeff McNeill, Michael Conforto, Kevin Pillar, Brandon Nimmo, J. D. Davis, Albert Almora, Luis Guillorme, Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Carlos Carrasco, Taijuan Walker und Seth Lugo stehen inzwischen mehr als die halbe Startformation plus die beiden wichtigsten Ersatzspieler und eine komplette Starting Rotation auf der Verletztenliste. 

In der NL Central haben die St. Louis Cardinals (25-18) sich zwar letztes Wochenende von den Padres sweepen lassen, doch zwei Siege gegen die Pittsburgh Pirates (17-25) genügten, um sich gegenüber der schwächelnden Konkurrenz in der Division ein Stück weiter abzusetzen. In den kommenden Tagen haben die Cardinals ihren Verfolger Nummer eins, die Chicago Cubs (21-21), in einer möglicherweise richtungsweisenden Serie zu Gast. Ebenso richtungsweisend kann auch die Serie der Milwaukee Brewers (21-22) bei den Cincinnati Reds (19-22) werden. Beide Teams kassierten zuletzt eine Menge Niederlagen und müssen darum kämpfen, nicht langfristig den Anschluss zu verlieren. 

Der Anschluss in der NL West ist für zwei Teams längst abgerissen. Zwischen den Arizona Diamondbacks (18-26) und den Colorado Rockies (15-29) auf der einen und den restlichen drei Teams auf der anderen Seite vollzieht sich eine Kluft, die selbst in noch weit über 100 ausstehenden Spielen unüberbrückbar erscheint. Das kommt nicht ganz überraschend – abgesehen davon, dass ich die San Francisco Giants (27-16) am unteren Rand der Kluft erwartet hätte statt an der Tabellenspitze, die sie zurzeit vor den San Diego Padres (27-17) und den Los Angeles Dodgers (25-18) behaupten. Ich habe hier schon ein paarmal geschrieben, dass die Giants auch etwas Glück mit dem Spielplan hatten, aber das ist jetzt vorbei: Am Wochenende treffen die Giants erstmals in dieser Saison auf die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), am Wochenende danach übrigens schon wieder. Nutznießer des Duells der Erzrivalen könnten die Padres sein, die den Covid-Ausbruch im Team sensationell weggesteckt und neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben.

American League
Mit der Hochspannung in der NL West kann in der American League vor allem die AL East mithalten. Die Boston Red Sox (26-18) stehen zwar seit Wochen an der Spitze, doch es ist inzwischen ein Vierkampf, und die Abstände zwischen Boston, den Tampa Bay Rays (25-19), den Toronto Blue Jays (23-18) und den New York Yankees (24-19) sind hauchdünn. Alle drei Verfolger haben sieben ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, die Rays sogar die letzten sechs am Stück. Die interessanteste Paarung der nächsten Tage steigt in Dunedin, Florida, wo die Blue Jays die Rays für vier Spiele empfangen. Es werden übrigens die letzten „Heimspiele“ sein, die die Blue Jays in dem nur wenige Meilen von Tampa entfernten Spring-Training-Park absolvieren. Ab 1. Juni wird das Übergangs-Zuhause ein Stück näher an die kanadische Grenze verlegt, in den Ballpark des AAA-Affiliates Buffalo Bisons.

Bei den Chicago White Sox (26-17) läuft es im Prinzip super. Zehn der letzten dreizehn Spiele – übrigens allesamt gegen die Kansas City Royals (20-22) und die Minnesota Twins (14-27) – wurden gewonnen, die AL Central führt man mit zwei Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (23-18) an. Dennoch herrscht nicht eitel Sonnenschein in Chicagos Süden, denn zwischen Team und Manager scheint es zu knirschen – mehr dazu später in diesem Artikel. Richtig mies läuft die bisherige Saison für die Twins. Was ist los mit dem Team, das als Co-Favorit mit den White Sox gestartet war, aber nun Letzter ist? Ein einzelner Grund lässt sich nicht festmachen, denn sowohl die Offense als auch die Starter finden ihren Rhythmus nicht, vom Bullpen ganz zu schweigen. Meine Vermutung ist, dass es in erster Linie eine Frage verlorenen Selbstvertrauens durch den schwachen Start ist. Um auch etwas Positives aus der Central zu berichten: Die Detroit Tigers (17-26) sind auf einer richtig guten Welle. Acht der letzten zehn Spiele hat der Außenseiter gewonnen, darunter sogar einen No-Hitter gegen die Mariners – auch dazu später mehr.

Apropos Seattle Mariners (21-23): Ihre Saison ist bisher eine ziemliche Achterbahnfahrt. Vom krassen Außenseiter schwangen sie sich auf zum Überraschungsteam und scheinen nun auf dem Weg zurück in die Niederungen der AL West. Von ihren letzten fünfzehn Spielen haben sie nicht nur zehn verloren, sondern sich dabei zweimal no-hitten lassen. Durch den Absturz der Mariners und die weiterhin wenig ermutigenden Leistungen der Los Angeles Angels (18-24) und Texas Rangers (19-26) entwickelt sich die Division immer mehr zu einem Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (26-18) und den Houston Astros (25-18). Die beiden stehen sich derzeit im direkten Duell gegenüber; nach je einem Sieg für beide Teams steht heute Abend ab 21:37 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Game um die Tabellenführung an.

Szene(n) der Woche
Hier hätte ich gern den Schlag von Huascar Ynoa gegen die Dugout-Bank gezeigt, aber leider ist davon kein Videomaterial zu finden. Stattdessen zeige ich euch zwei Aktionen, über die diese Woche in den sozialen Medien diskutiert wurde. Die erste ist ein Slide von Manny Machado. Im Spiel selbst war es keine große Sache: Machado slidet unter Tommy Edman, um den Tag und ein Doubleplay zu verhindern. Danach schaut er besorgt nach dem getroffenen Gegenspieler und da mit diesem alles in Ordnung ist, klatscht man sich ab und weiter geht’s. Auf Twitter und Co. entwickelte sich allerdings ein regelrechter Shitstorm wegen des angeblich schmutzigen Spiels von Machado. Was meint ihr dazu? Schmutzig oder nicht?

Und dann war da noch der Homerun von Yermin Mercedes. Ein Homerun ist eigentlich immer eine tolle Sache, aber der DH der White Sox schlug ihn in einer Situation, die einigen Verfechtern ungeschriebener Regeln als unanständig gilt: bei einer hohen Führung des eigenen Teams, einem Positionsspieler auf dem Mound und einem 3-0-Count. Dass sich in so einem Fall die gegnerischen Spieler und Fans ärgern, ist nicht außergewöhnlich, wohl aber, dass einem der eigene Manager öffentlich in den Rücken fällt. Mercedes habe einen Fehler gemacht und werde dafür interne Konsequenzen erleiden, ließ White-Sox-Skipper Tony La Russa nach dem Spiel wissen. Nachdem mehrere Spieler der White Sox und anderer Teams Mercedes verteidigten, darunter Pitcher Lance Lynn, legte La Russa nach: „Lance hat einen Spind, ich habe ein Büro.“ Das könnte noch interessant werden in Chicago…

    

Statistik der Woche 
61. So viele Strikeouts warf Yankees-Pitcher Gerrit Cole im Laufe von 41.2 Innings, ohne zwischendurch einen Walk zuzulassen. Das ist ein Rekord, der mindestens bis 1893 zurückreicht, das Jahr, in dem die heutige Entfernung zwischen Mound und Homeplate festgelegt wurde. Lustigerweise war die alte Bestmarke erst ein paar Tage vorher aufgestellt worden, nämlich von Corbin Burnes, der für die Brewers letzten Donnerstag den ersten Walk nach 58 Strikeouts zuließ. 

Spiel(e) der Woche
Für diese Kategorie habe ich keine andere Wahl als die beiden No-Hitter der letzten Tage zu präsentieren. Spencer Turnbull von den Tigers ist sicher der überraschendere der beiden Namen, die sich neu in die MLB-Geschichtsbücher eintragen durften. Beim 5:0 seiner Tigers gegen die Mariners pitchte er zum ersten Mal in seinem Leben über das siebte Inning hinaus und schloss das Spiel nach 117 Pitches ab. Er ließ nur zwei Baserunner zu, beide per Walk. 

Einen Tag später hatte Corey Kluber seinen großen Auftritt – ausgerechnet in Globe Life Field, wo er letztes Jahr den Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere erlebt hatte. Nur ein einziges Inning konnte er im Trikot der Texas Rangers pitchen, den Rest der Saison verpasste er mit Verletzungen. Bei den Yankees bekam er dieses Jahr eine neue Chance und seine gestrige Leistung zeigt eindeutig, dass er wieder da ist. Mit nur 101 Pitches fertigte er sein ehemaliges Team ab. Ein Walk für Charlie Culberson im dritten Inning war alles, was ihn von einem perfekten Spiel trennte.

Mein Einschalttipp
Heute und in den nächsten Tagen stehen reihenweise Spitzenspiele an, aber das bevorstehende Duell der ewigen Erzrivalen Giants und Dodgers ragt für mich noch ein Stück aus dem Rest heraus. Die beiden sehen sich in der Wochenendserie zum ersten Mal in dieser Saison. Je nach Schlafgewohnheiten kann man sich natürlich auch die beiden Nachtspiele von Freitag auf Samstag (3:45 Uhr) und Samstag auf Sonntag (1:15 Uhr) anschauen, aber für den Durchschnittseuropäer bietet sich wohl die Partie am Sonntag um 22:05 Uhr unserer Zeit an. Starting Pitcher sind Anthony DeSclafani (2.03 ERA, 3.28 FIP) für die Giants und Julio Urias (3.04 ERA, 2.92 FIP) für die Dodgers.

Mai 20th, 2021 by