Grand Slam am Donnerstag 29/2019

Die MLB-Saison ist wieder im vollen Lauf, der All-Star-Break schon fast vergessen – nicht zuletzt, weil die Los Angeles Angels zum Wiederbeginn einen emotionalen Paukenschlag gelandet haben. Ihr erstes Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs hätte kein Drehbuchschreiber sich besser ausdenken können. Mehr dazu im „Spiel der Woche“, jetzt aber erst mal ein kurzer Überblick über die einzelnen Divisionen.

American League
Die American League East sieht vom Tabellenbild her weitgehend unverändert aus, nachdem die New York Yankees (60-33) und die Tampa Bay Rays (56-41) sich im Spitzenduell bisher die Siege geteilt haben. Die für gestern vorgesehene Partie musste wegen schlechten Wetters abgesagt werden, dafür gibt es heute einen Doubleheader zwischen den Yankees und den Rays. Die Boston Red Sox (52-44) kamen eher durchwachsen aus den Startlöchern zur zweiten Hälfte und sind im Wild-Card-Rennen hinter den Rays, den Indians und den Athletics etwas zurückgefallen. Zur Stabilisierung der bislang enttäuschenden Rotation haben die Red Sox Andrew Cashner im Tausch gegen zwei 17-jährige Prospects von den Baltimore Orioles (29-66) ertradet.

In die AL Central ist plötzlich die Spannung zurück gekehrt. Zwar starteteten die Minnesota Twins (58-36) mit zwei Siegen über Verfolger Cleveland Indians (54-40) in den zweiten Teil der Saison. Doch ein Sieg der Indians in Spiel drei sowie drei Erfolge gegen die Detroit Tigers (29-62), während die Twins sich von den Mets sweepen ließen, haben den einst komfortablen Vorsprung auf nur noch vier Spiele reduziert. Das könnte noch mal eng werden, zumal die Twins mit den Athletics und den Yankees deutlich schwerere Aufgaben vor sich haben als die Indians mit den Kansas City Royals (35-62) und den Blue Jays.

Die Spitze der AL West haben die Houston Astros (60-37) zwar noch relativ fest im Griff, doch das Team der Stunde sind eindeutig die Oakland Athletics (55-41). Die A’s sind als einziges Team der MLB seit dem All-Star-Break ohne Niederlage und haben sich im Ringen um Platz zwei und eine Wild Card inzwischen deutlich von den Texas Rangers (50-46) abgesetzt. Die Rangers, das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, machen nach vier verlorenen Spielen in Folge den Eindruck, dass die Luft ziemlich draußen ist. 4:12, 2:9 und 4:19 lauteten die letzten Ergebnisse und als nächstes müssen die Rangers ausgerechnet bei den Astros antreten. Gegen Selbige haben die Los Angeles Angels (50-47) zuvor noch ein viertes Spiel. Die Angels befinden sich gegenüber den Rangers auf der Überholspur. Sie haben bislang zwei von drei gegen Houston gewonnen und davor die Mariners gesweept.

National League
Die Atlanta Braves (58-39) haben zuletzt zweimal gegen die Brewers verloren, aber der Vorsprung in der National League East beträgt beruhigende 6 Spiele. Wenn es gut läuft, können die Braves die Division in den kommenden zwei Wochen bereits mehr oder weniger eintüten: In den nächsten zwölf Partien geht es zehnmal gegen die direkten Verfolger: siebenmal gegen die Washington Nationals (50-44) und dreimal gegen die Philadelphia Phillies (49-47). Ein deutliches Lebenszeichen senden mit bislang vier Siegen hintereinander die New York Mets (44-51). Für sie steht eine interessante Serie in San Francisco an, denn dort treffen zwei Teams aufeinander, die eine enttäuschende erste Hälfte und einen vielversprechenden Start in Teil zwei der Saison gemeinsam haben.

Die NL Central ist nach wie vor die spannendste Division der Liga. Nur 7,5 Spiele liegen zwischen Platz eins und fünf, das sind weniger als in jeder anderen Division zwischen Platz eins und drei. Die Chicago Cubs (52-44) hatten einen Traumstart in die zweite Saisonhälfte. Ein Sweep gegen die Pittsburgh Pirates (45-50) und zwei von drei gegen die Cincinnati Reds (43-50) halten die Cubs an der Spitze und die aufmüpfigen Außenseiter auf Distanz. Die Milwaukee Brewers (50-47) schauen nach einer schwächeren Phase zurzeit mehr nach den St. Louis Cardinals (48-46) in ihrem Rücken als nach den Cubs, doch zuletzt zwei Siege gegen die Braves geben Milwaukee Anlass zur Hoffnung, dass der Slump vorerst überwunden ist.

Das stärkste Team im Baseball bleiben die Los Angeles Dodgers (64-34). Bei 14 Spielen Vorsprung in der NL West dürfte ihre größte Sorge darin bestehen, bis zu den Playoffs fokussiert zu bleiben und nicht nachlässig zu werden. Im Wettbewerb um die Wild-Card-Plätze mischen zurzeit nur die Arizona Diamondbacks (49-47) mit. Die San Diego Padres (46-49) und die Colorado Rockies (46-50) schwächeln zurzeit erheblich und sind sogar hinter die San Francisco Giants (47-49) zurück gefallen. Die 5-Siege-Serie der Giants, darunter ein 4-Spiele-Sweep über die Rockies, ist eine der größten Überraschungen der ersten Woche nach dem All-Star-Break.

Szene der Woche 
Ein Single von Hanser Alberto für die Baltimore Orioles beendete den acht Innings währenden Traum der Tampa Bay Rays, das erste combined Perfect Game der MLB-Geschichte zu werfen. Normalerweise wechselt man einen Pitcher, der ein perfektes Spiel am Laufen hat, nicht aus. Doch die von den Rays eingeführte Taktik des Opening Pitchers hat Ryne Stanek und Ryan Yarbrough ganz nah an das noch nie dagewesene Ereignis heran gebracht. Nach dem ersten Pitch im neunten Inning war der Traum ausgeräumt. Spielverderber Alberto scorte später noch den einzigen Run für die Orioles, bevor das Spiel mit 4:1 für Tampa Bay endete.

Statistik der Woche 
5+3. Die Cincinnati Reds sind das erste Team im modernen Baseball, das heißt seit mindestens dem Jahr 1900, das in einem Spiel 5 Triples und 3 Homeruns erzielt hat. Gelungen ist ihnen das am Samstag während eines 17:9-Auswärtssieges bei den Colorado Rockies. Eine historische Leistung vollbrachte dabei auch Phillip Ervin, der als erster Reds-Spieler seit fast exakt 70 ein Spiel mit 6 Hits vollbrachte. Winning Pitcher der Partie war übrigens Jared Hughes. Er warf genau einen Pitch.

Spiel der Woche
Ich hatte es eingangs schon erwähnt: Das Spiel der Los Angeles Angels gegen die Seattle Mariners vom letzten Freitag war wohl das unglaublichste Ereignis des MLB-Jahres. Es war das erste Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs, obendrein der Vorabend seines 28. Geburtstages, und die Trauer um den verlorenen Teamkameraden war ominpräsent. Alle Spieler der Angels trugen Skaggs-Trikots mit der Nummer 45, den zeremoniellen ersten Pitch warf die Mutter von Tyler Skaggs – übrigens einen perfekten Strike. Von dieser Sorte warfen die echten Pitcher der Angels an dem Tag noch einige mehr, es wurde ein No-Hitter. Vollbracht haben diese Leistung Taylor Cole und Felix Pena, aber dieser No-Hitter wird für immer untrennbar mit dem Namen Tyler Skaggs verbunden sein. Eine paar weitere Kuriositäten: Die Offense der Angels erzielte 13 Runs und 13 Hits wenige Stunden vor dem 13. Juli, Skaggs Geburtstag. Es war der erste combined No-Hitter in Kalifornien seit dem 13. Juli 1991, dem Tag an dem Skaggs geboren wurde.

Mein Einschalttipp
Die Oakland Athletics sind nach dem All-Star-Break bislang das erfolgreichste Team  der Liga und haben sich in Reichweite der einst übermächtig erscheinenden Houston Astros gebracht. Ob sie ihnen ernsthaft gefährlich werden, kann sich nächste Woche weisen, wenn die Kontrahenten von Montag bis Mittwoch in Houston dreimal direkt aufeinander treffen. Mein Einschalttipp ist die Partie am Mittwoch zur besten Sendezeit ab 20:10 Uhr nach mitteleuropäischer Rechnung. Da es noch fast eine Woche hin ist, stehen die Starting Pitcher für das Spiel noch nicht fest, aber wahrscheinlich wird es auf Justin Verlander (2.98 ERA, 4.07 FIP) für Houston und Chris Bassitt (3.98 ERA, 4.42 FIP) für Oakland hinauslaufen.

Juli 18th, 2019 by