Grand Slam am Donnerstag 30/2018

Die All-Star-Pause ist vorbei und es geht zum einen wieder rund auf den Spielfeldern der MLB, zum anderen ist aber auch die heiße Phase für Trades angebrochen. Noch bis 31. Juli sind direkte Trades ohne Umweg über den Waiver möglich. Traditionell nutzen in dieser Zeit des Jahres Teams in aussichtsreicher Position die Gelegenheit, Lücken zu füllen und Schwächen zu beheben, indem sie erfahrene Spieler von schwächeren Teams erhandeln.Letztere lassen sich mit Nachwuchstalenten bezahlen und sparen sich überdies die oft teuren Gehälter der Veteranen. Die relevantesten Trades der letzten Tage waren die der Reliever Jeurys Familia (Mets zu Athletics), Brad Hand (Padres zu Indians), Zach Britton (Orioles zu Yankees), Seungwhan Oh (Blue Jays zu Rockies) sowie der von Starter Nathan Eovaldi (Rays zu Red Sox). Als nächstes wird wahrscheinlich Blue-Jays-Starter J. A. Happ das Team wechseln; als mögliches Ziel gelten die Yankees, aber auch andere Teams wie die Brewers und die Cubs sind noch im Rennen. Es ist fest damit zu rechnen, dass in den nächsten Tagen und noch bis zur letzten Minute der Tradephase weitere relevante Deals hinzukommen. Bei den Kollegen des Podcasts Just Baseball wird es am Dienstag ab 20 Uhr eine Live-Sondersendung geben, die ich jedem deutschsprachigen Baseballfan allerwärmstens ans Herz lege.

National League
An der Spitze der National League East spielt sich weiterhin ein knappes Rennen zwischen den Philadelphia Phillies (57-44) und den Atlanta Braves (52-44) ab. Beide Teams gelten als Kandidaten, vor der Trade Deadline noch aufzurüsten. Etwas unklar ist hingegen die Situation der Washington Nationals (50-51). Der ursprüngliche Favorit steht knapp negativ und liegt bereits sieben Siege hinter der Spitze zurück. Nun steht eine Vier-Spiele-Serie gegen die Miami Marlins (44-59) an, deren Verlauf wohl die Richtung weisen wird, ob die Nationals eher zu Käufern oder zu Verkäufern werden. Die Marlins werden auf jeden Fall verkaufen, um ihren Rebuild weiter voranzutreiben. Insbesondere All-Star-Catcher J. T. Realmuto steht im Schaufenster. Auch die New York Mets (42-57) gehen in den Ausverkauf: Closer Familia ist schon weg, ihm dürften 2B Asdrubal Cabrera, Starter Zack Wheeler und vielleicht sogar eines der Asse Noah Syndergaard und Jacob deGrom folgen. Kein Abnehmer wird sich für Outfielder Yoenis Cespedes finden, der sich einer OP an beiden Fersen unterziehen muss und für acht bis zehn Monate ausfällt.

Die Situation in der NL Central ist ähnlich wie in der NL East: Auch hier gibt es mit den Chicago Cubs (59-42) und den Milwaukee Brewers (58-46) zwei Teams, die zur Deadline Ausschau nach der entscheidenden Verstärkung halten, um sich von dem Konkurrenten abzusetzen. Insbesondere die Brewers, die Starter Brent Sutter an eine Tommy-John-Surgery verloren und auch sonst ein paar Löcher im Kader haben, werden sicher aktiv werden. Und auch in der NL Central gibt es auf Rang drei ein Team, das nicht so recht weiß, wohin die Reise gehen soll: Die Pittsburgh Pirates (53-50) haben zwölf der letzten vierzehn Spiele gewonnen, darunter zehn hintereinander. Mit nur noch sieben Spielen Rückstand sind sie jetzt eigentlich zu gut zum Verkaufen, aber immer noch zu weit ab vom Schuss, um All-in zu gehen. Die St. Louis Cardinals (51-51) hingegen haben durch den Trainerwechsel letzte Woche bereits deutlich gemacht, dass sie die laufende Saison abgehakt haben und den Blick in die Zukunft richten. Für die Cincinnati Reds (45-57) gilt das ohnehin.

In der NL West sind die San Diego Padres (42-63) die einzigen, die mit dem Playoff-Rennen nichts zu tun haben. Sie haben sich bereits von Brad Hand getrennt und werden wohl weitere Reliever sowie möglicherweise Starter Tyson Ross anbieten, um ihre Farm weiter aufzuwerten. Die Los Angeles Dodgers (56-46) haben inzwischen die Spitze erobert und letzte Woche mit Manny Machado bereits eine prominente Verstärkung an Land gezogen. Ihr Bullpen könnte noch ein, zwei neue Gesichter vertragen, um weiterhin vor den Arizona Diamondbacks (56-47) und den Colorado Rockies (54-47) zu bestehen. Im Vergleich mit diesen beiden sowie den San Francisco Giants (52-51) dürfte das Farmsystem der Dodgers am meisten hergeben, um am Markt aktiv zu bleiben.

American League
Die Boston Red Sox (71-32) sind nach wie vor das beste Team im Baseball. Vom ewigen Konkurrenten New York Yankees (64-36) haben sie sich in der American League East um mittlerweile fünfeinhalb Spiele abgesetzt und auch beim Aufrüsten der Rotation haben sie mit Eovaldi den ersten Treffer gelandet. Die Yankees werden nachziehen und ebenfalls mindestens einen Starter an Bord holen; J. A. Happ und/oder Cole Hamels könnten in Kürze in Nadelstreifen auflaufen. Die Tampa Bay Rays (52-50), die Toronto Blue Jays (46-55) und die Baltimore Orioles (29-73) sind sowohl in der Division als auch im Wildcard-Rennen weit abgeschlagen. Mit Machado, Britton, Oh und Eovaldi haben alle drei bereits Spieler abgegeben, denen in den kommenden Tagen noch einige folgen werden.

Die AL Central ist mangels Konkurrenz für die Cleveland Indians (55-46) schon lange so gut wie entschieden. Aber da die Indians nicht nur den Divisionssieg anstreben, sondern auch einen möglichst tiefen Playoff-Run, sind sie definitiv noch auf der Suche nach Verstärkungen. Die könnten sie zum Beispiel in der eigenen Gruppe finden, denn die Minnesota Twins (47-53), die Detroit Tigers (44-60), die Chicago White Sox (36-65) und die Kansas City Royals (31-70) sind allesamt auf der Suche nach Abnehmern. Fernando Rodney, Brian Dozier, Michael Fulmer, Jose Abreu, James Shields und Mike Moustakas sind Namen, die man schon bald auf anderen Trikots finden könnte.

Die Titelverteidiger Houston Astros (67-37) sind vielleicht das einzige Top-Team, das sich erlauben kann, zur Trade Deadline untätig zu bleiben – der Kader weist schlichtweg keine nennenswerten Schwachstellen auf. Hinter den Astros hat sich innerhalb der AL West ein heißer Kampf zwischen zwei Überraschungsteams um die zweite Wild Card der AL entwickelt. Zurzeit haben die Seattle Mariners (61-41) diese in der Hand, aber die Oakland Athletics (60-43) sind nur noch eineinhalb Spiele zurück. Mit einer Bilanz von 23-7 sie die A’s ligaweit das beste Team der letzten 30 Tage. Sowohl Oakland als auch Seattle schauen nach punktuellen Ergänzungen zur Trade Deadline, sind finanziell und von der Farm her aber nicht in der Position für große Sprünge. Die Los Angeles Angels (51-52) und die Texas Rangers (42-61) sind aus dem Rennen. Bei den Rangers könnte es durchaus einen größeren Ausverkauf geben; die Angels hingegen werden ihren Kader weitgehend beisammen halten, um nächstes Jahr einen neuen Versuch zu unternehmen, die Blütezeit von Mike Trout für einen zählbaren Teamerfolg zu nutzen.

Szene der Woche
Meine Szene dieser Woche ist ein Feueralarm. Ausgelöst wurde er am Dienstag im Great American Ballpark in Cincinnati. Zum Glück war es ein Fehlalarm und es entstand auch keine Massenpanik. Aber der Alarm und die damit verbundene Spielunterbrechung waren möglicherweise Schuld daran, dass Cardinals-Pitcher Austin Gomber aus dem Rhythmus geriet und die Chance verlor, seine MLB-Karriere mit einem No-Hitter zu krönen. Sechs Innings hatte der Rookie die Reds vor dem Alarm ohne Hit gehalten, nach dem Alarm erlaubte er zuerst Joey Votto einen Single und anschließend Eugenio Suarez einen Homerun. Es war der zweite Abend hintereinander, an dem ein Pitcher der Cardinals sein MLB-Debüt gab und knapp einen No-Hitter verpasste: Am Montag hatte Daniel Poncedeleon sieben No-Hit-Innings geworfen, wurde dann aber nach 116 Pitches ausgewechselt und musste mit ansehen, wie der Bullpen zuerst den No-Hitter und dann das ganze Spiel verlor.

Statistik der Woche 
6. In so vielen Spiele hintereinander gelang Matt Carpenter, First Baseman der Cardinals, vom vorletzten bis zum letzten Samstag jeweils mindestens ein Homerun. Eine solche Strecke ist bislang nur 28 Spielern gelungen, dasheißt sie ist sie ein selteneres Ereignis als beispielsweise ein Perfect Game. Der Höhepunkt der Serie war das 18:5 der Cardinals gegen die Cubs am Freitag, bei dem Carpenter aus fünf At-Bats drei Homeruns und zwei Doubles machte. Ein solches Spiel hatte bis dahin in der modernen Ära der MLB nur ein einziger Spieler absolviert und der war am Freitag sogar selbst dabei: Kris Bryant von den Chicago Cubs im Jahr 2016.

Spiel der Woche
Ich warte zwar immer noch darauf, zum ersten Mal in meinem Leben einen Sieg der Mets live im Ballpark zu erleben. Aber am Samstag im Yankee Stadium durfte ich zumindest ein extrem spannendes Lokalderby sehen, das Runs auf fast jede erdenkliche Art zu bieten hatte: per Single, per Double, per Triple, per Homerun, per Walk, per Hit-by-Pitch, per Groundout, per Doubleplay und per Fan-Interferece. Wenn ich nichts vergessen habe, fehlten lediglich ein Sac-Fly und ein Balk. Die Mets gingen im zweiten Inning durch Michael Confortos Solo-Homerun 1:0 in Führung, die bis ins vierte Inning hielt. Dann ließ Starter Steven Matz deutlich nach und geriet – unter negativer Mithilfe des schwachen Ersatz-Centerfielders Matt den Dekker – 1:4 ins Hintertreffen. Später arbeiteten sich die Mets noch zweimal bis auf einen Run heran, doch die Yankees schaukelten die Partie nach Hause. Das war aus meiner Sicht zwar schade, aber letztlich verdient, denn dass es überhaupt so knapp wurde, hatten die Mets bei 5:12 Hits weniger sich selbst als der katastrophalen Vorstellung von Yankees-Closer Aroldis Chapman zu verdanken. Einen Single, drei Walks und ein Hit-by-Pitch ließ er für insgesamt 3 earned Runs und 0 Outs zu, bevor Chasen Shreve ihn ersetzte und die Tür zumachte. Wer interessiert ist an einem Bericht über die Stimmung und das Drumherum bei den von mir besuchten MLB-Spielen, sollte in den nächsten Tagen noch mal hier im Blog vorbei schauen.

Mein Einschalttipp
Eine interessante Vier-Spiele-Serie steht ab heute bis einschließlich Sonntag an, wenn die Atlanta Braves die Los Angeles Dodgers empfangen. Beide Teams befinden sich in engen Duellen um die jeweilige Divisionsführung und könnten leicht zu direkten Konkurrenten werden, falls sie am Ende auf eine Wild Card angewieisein sollten. Am morgigen Freitag schicken beide ihr Ass auf den Mound: Mike Foltynewicz (2.85 ERA, 3.38 FIP) startet für die Braves, Clayton Kershaw (2.64 ERA, 3.22 FIP) für die Dodgers. Leider wird die gesamte Serie von DAZN ignoriert, sodass man hierzulande nur als Abonnent von mlb.tv in den Genuss kommt, das Spiel ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit live verfolgen zu können.

Juli 26th, 2018 by