Grand Slam am Donnerstag – KW 34/2016

Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle drei Divisionen –  die AL West, die NL East und die NL Central – für so gut wie entschieden erklärt, letzte Woche kam die AL Central hinzu. Diese Woche bin ich noch nicht so weit, die NL West ebenfalls abzuhaken, aber wenn die San Francisco Giants nicht sehr schnell zurück in die Spur finden, werden sie wohl nicht mehr lange an den Dodgers dranbleiben. Zum Glück gibt es noch die AL East, in der von einer Entscheidung keine Spur zu finden ist, und das Ringen um die Wild-Card-Plätze, an dem noch mindestens zehn Teams beteiligt sind.

American League
Legen wir gleich los mit der tollen American League East. Die Boston Red Sox (71-55) und die Toronto Blue Jays (71-55) sind inzwischen exakt gleichauf und die Baltimore Orioles (70-56) nur ein Spiel dahinter. Die Red Sox könnten in den kommenden Tagen davon profitieren, dass die Orioles und die Blue Jays nächste Woche von Montag bis Mittwoch dreimal gegeneinander antreten müssen, allerdings haben sie selbst es zuvor mit den red hot Kansas City Royals zu tun. Die Orioles-Schedule der nächsten zehn Tage hat es in sich, denn vor und nach der Blue-Jays-Serie treffen sie je dreimal auf die New York Yankees (65-61), die fünf Spiele hinter ihnen (und damit dem zweiten Wild-Card-Platz) auf ihre letzte Chance lauern, doch noch am Playoff-Topf zu schnuppern.

Die AL Central ist an der Spitze sicher zugunsten der Cleveland Indians (72-53) entschieden, aber sowohl die Detroit Tigers (67-59) als auch seit Neuestem und ziemlich überraschend die Kansas City Royals (65-61) kämpfen noch um eine Wild Card. Der Titelverteidiger hat mal wieder gezeigt, wie schnell es im Baseball geht und sich mit einer Siegesserie von neun Spielen zurückgemeldet. Ein Wild-Card-Platz ist mit fünf Spielen Rückstand auf die Orioles nach wie vor ein Long Shot, aber für ein längst abgeschriebenes Team machen die Royals derzeit einen sehr lebendigen Eindruck. Von den Minnesota Twins (49-77) kann man das nicht behaupten, sie haben gerade sechs Spiele am Stück verloren und sind damit das zweitschlechteste Team der Liga vor den Atlanta Braves. Auch unser Lokalmatador Max Kepler ist derzeit etwas abgekühlt, sein letzter Homerun ist drei Wochen her. Mit .278/.366/.443 ist seine August-Slashline aber nach wie vor sehr ordentlich, also wollen wir nicht meckern und weiterhin die Daumen drücken.

Auch in der AL West ist im Hinblick auf den Divisionssieg die Messe gelesen, sechseinhalb Spiele Vorsprung werden sich die Texas Rangers (74-53) nicht mehr nehmen lassen. Die Seattle Mariners (67-59) weisen allerdings, trotz zuletzt zwei Niederlagen gegen die Yankees, mit 22-25 die beste Bilanz eines AL-Teams seit dem All-Star-Break auf und sind mit drei Spielen Rückstand auf einen Wild-Card-Platz auf jeden Fall noch in dessen Reichweite. Auch die Houston Astros (66-61) stehen mit fünf Spielen über .500 noch ordentlich da; für meinen Geschmack sind sie aber zu unbeständig, um noch ernsthaft um die Wild Cards mitzureden.

National League
Die National League East wird die Washington Nationals (73-53) in die Playoffs schicken, aber was passiert dahinter? Die Miami Marlins (66-60) liegen nur eineinhalb Spiele hinter dem von St. Louis besetzten zweiten Wild-Card-Platz, müssen allerdings die Verletzung von Superstar Giancarlo Stanton wegstecken. Vier Siege aus den vergangenen fünf Spielen lassen vermuten, dass sie das können und warum auch nicht, sie waren ja auch während Stantons Slump im ersten Saisondrittel überraschend erfolgreich. Wenig Hoffnung sehe ich für die New York Mets (63-63), wenngleich auch für sie mit viereinhalb Spielen Rückstand die Wild Card prinzipiell noch erreichbar ist. Es liegt meiner Ansicht nach zu viel im Argen bei den Mets, als dass sie diese Saison noch herumdrehen könnten – die Offensive steht und fällt mit einem einzigen Spieler und die Defensive leidet unter dem schwachen Bullen, dem Fehlen eines fünften Starters und Formschwankungen der vorhandenen Asse. Andererseits sieht das Restprogramm recht vorteilhaft aus: Von den restlichen 36 Spielen geht es 22-mal gegen die Phillies, Braves, Reds oder Twins.

Dass die Chicago Cubs (81-45) eine sensationelle Saison spielen, kann man an dieser Stelle nur gebetsmühlenartig wiederholen. Sie waren schon vor dem All-Star-Break sehr gut, seitdem haben sie noch mal eine Schippe drauf gelegt und sind mit großem Abstand das erfolgreichste Team seit der Pause. 28-10 lautet die Bilanz in diesem Zeitraum, die Zweitbesten (Boston und Seattle) haben jeweils sechs Siege weniger eingefahren. In der NL Central ist somit schon lange für niemanden sonst etwas zu holen, aber immerhin sind sowohl die St. Louis Cardinals (67-58) als auch die Pittsburgh Pirates (63-61) noch voll dabei, was die Wild Cards angeht. Die Cardinals würden momentan eine bekommen, die Pirates sind mit dreieinhalb Spielen Rückstand nicht weit entfernt.

Auf dem ersten WC-Platz liegen derzeit noch die San Francisco Giants (68-58), aber man muss sich langsam fragen, wie lange sie diese Position noch halten können. Den ersten Platz in der NL West sind sie jedenfalls schon mal an die Los Angeles Dodgers (71-55) los und mit momentan vier Niederlagen in Folge – davon zwei gegen den direkten Konkurrenten – ist kein Ende des Abwärtstrends in Sicht. Ich bemühe an der Stelle noch mal den Split vor und nach dem All-Star-Break: Die Giants waren vor der Pause mit 57-33 das beste Team der MLB, nach der Pause sind sie mit 11-25 mit Abstand das schlechteste. Woran das liegt? Ich bin offen gestanden relativ ratlos, ein offensichtlicher Grund wie Verletzungen, Unstimmigkeiten oder übermächtige Gegner ist nicht in Sicht.

Spielzug der Woche
Die Entscheidung fällt mir schwer, denn an dem unglaublichen homerun-robbing Catch von Ben Revere kommt man an dieser Stelle kaum vorbei, doch an dem Inside-the-park-walkoff-HR von Tyler Naquin eigentlich genauso wenig. Ich nehme mir die Freiheit, mich nicht zu entscheiden. Schaut euch einfach beide an.

Statistik der Woche 
584. So viele Homeruns hat Albert Pujols seit letzter Nacht auf seinem Karrierekonto und damit hat er Mark McGwire von Platz 10 der Allzeit-Rangliste verdrängt. Er ist nun, wenn man Alex Rodriguez als retired betrachtet, der einzige aktive Spieler in den Top-10 und wenn man sich die Liste anschaut, so man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass ihn so schnell keiner einholen wird.

Spiel der Woche
Das Aufeinandertreffen zwischen den Los Angeles Dodgers und den Cincinnati Reds am Montag war an offensiven Superlativen kaum zu toppen: insgesamt 35 Hits und 27 Runs, darunter sieben Homeruns der Dodgers, welche am Ende deutlich mit 18:9 gewannen. Für Zuschauer und Batter war es ein Fest, für die Pitcher weniger: 13 Stück kamen insgesamt zum Einsatz, inklusive Reds-Centerfielder Tyler Holt, der im letzten Inning auf den Mound musste, um die Reliever zu relieven. Das tat er übrigens sehr gut: Während alle anderen Reds-Pitcher an dem Abend mehrere Runs zuließen, gelang Holt ein perfektes Inning.

Spiel der kommenden Woche
Mein Einschalttipp geht diese Woche definitiv an die AL East und zwar an das Duell der Toronto Blue Jays gegen die Baltimore Orioles. Ich finde nicht, dass eines der Matchups am Montag, Dienstag und Mittwoch gegenüber den anderen besonders herausragt, deshalb empfehle ich die Serie als Ganzes. Vom Pitching her dürften die Blue Jays in allen drei Spielen favorisiert sein, aber die homerunfreudigen Orioles sind sicher alles andere als ein einfacher Gegner.

August 25th, 2016 by