Grand Slam am Donnerstag – KW 36/2016

Im heutigen Grand Slam am Donnerstag, dem wöchentlichen Überblick zur MLB, weiche ich ein bisschen vom bisherigen Muster ab: Die meisten Divisionen sind inzwischen im Hinblick auf den Gruppensieg mehr oder weniger entschieden, während das Ringen um die Wild Cards zunehmend in den Mittelpunkt gerät. Daher trenne ich nun innerhalb der AL und der NL nicht mehr nach Divisionen sondern nach Divisions- und Wild-Card-Rennen.

American League
In der American League reden wir nur noch von einem einzigen Divisionsrennen, denn die Cleveland Indians (80-58) in der AL Central werden ihre Führung von 5.5 Spielen vor den Detroit Tigers (75-64) nicht mehr verspielen und die Texas Rangers (83-57) in der AL West den 8.5-Spiele-Vorsprung vor den Houston Astros (74-65) erst recht nicht. In der AL East ist aber nach wie vor alles drin und seit letzter Woche gab es auch schon wieder einen Wechsel an der Spitze: Die Boston Red Sox (78-61) liegen nun vor den Toronto Blue Jays (77-62), die sich einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht haben, um sich von den New York Yankees (73-65) sweepen zu lassen. Ebenfalls noch voll im Rennen um den Divisionssieg sind die Baltimore Orioles (76-63) und selbst die Yankees sind gar nicht so weit weg – 4.5 Spiele Rückstand auf die Spitze sind theoretisch noch aufzuholen. Aber es ist natürlich sehr unwahrscheinlich, dass sie in den verbleibenden vier Wochen noch drei Teams überholen. Nach der ab heute Nacht anstehenden Vier-Spiele-Serie der Red Sox gegen die Blue Jays wird man in Bezug auf die AL East vielleicht etwas klarer sehen, vielleicht aber auch gerade nicht.

Auch das Wild-Card-Rennen der AL ist stark geprägt von dem Drei- bis Vierkampf in der AL East – schon seit Wochen halten sich beständig der jeweilige Zweite und Dritte der East auf den beiden Wild-Card-Plätzen, zurzeit also Toronto und Baltimore. Ernsthafte Hoffnungen können sich auf jeden Fall noch die Detroit Tigers machen, die nur ein Spiel hinter Baltimore liegen und jetzt – man hätte es nicht besser planen können – von Freitag bis Sonntag dreimal gegen eben jene Orioles spielen. Im Anschluss an diese Serie haben die Tigers gegenüber den East-Teams den großen Vorteil, dass jene bis zum Ende der Saison immer wieder untereinander spielen und sich somit gegenseitig die Punkte wegnehmen. Aus diesem Grund ist meine Prognose, dass am Ende nur eines der East-Teams (ich tippe auf Toronto) eine Wild Card erhält und die andere an die Tigers geht. Mit zwei Spielen Rückstand sind auch die Houston Astros noch dabei, aber ich hatte ja letzte Woche schon erwähnt, dass ich für sie angesichts des aktuellen Spielplans relativ schwarz sehe. Noch siebenmal hintereinander müssen sie gegen Divisionsführer ran: heute gegen die Indians, dann dreimal gegen die Cubs und dreimal gegen die Rangers.

National League
In der National League stehen ebenfalls zwei Divisionssieger, die Washington Nationals (82-57) in der East und die Chicago Cubs (89-50) in der Central faktisch fest. Der dritte eigentlich auch, denn die Los Angeles Dodgers (79-60) haben in der NL West mittlerweile fünf Spiele Vorsprung auf die San Francisco Giants (74-65), die mit 17-32 nach wie vor die schlechteste Bilanz aller MLB-Teams nach dem All-Star-Break aufweisen. Aus diesem Loch werden sie wohl, zumindest was den Divisionssieg angeht, nicht mehr heraus kommen.

Um die Wild Cards spielen die Giants nach wie vor mit, auch wenn der einst sicher scheinende Vorsprung inzwischen auf 0.5 Spiele zusammengeschrumpft ist. Es ist im Wesentlichen ein Dreikampf um die zwei zu vergebenden Plätze und dicht hinter den Giants stehen die St. Louis Cardinals (73-65) jetzt gleichauf mit den New York Mets (74-66). Die Mets sind das Team der Stunde in der MLB mit fünf Siegen aus den letzten Spielen und vierzehn aus den letzten achtzehn. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass von der einstigen Traumrotation Syndergaard-Harvey-deGrom-Matz-Colon momentan nur Syndergaard und Colon übrig geblieben sind und auch Zack Wheeler dieses Jahr nicht mehr fit wird. Vom Restprogramm her dürfen die Mets sich nun sogar als Favorit auf einen der beiden Plätze sehen: Auf sie warten sechsmal die Braves, siebenmal die Phillies, dreimal die Twins, dreimal die Marlins und als einziges Team mit einer positiven Bilanz dreimal die Nationals. Die Giants müssen hingegen noch sechsmal gegen die Dodgers, die Cardinals noch sechsmal gegen die Cubs und beide noch viermal gegeneinander spielen. Ich tippe, dass es zwischen den Cardinals und den Giants ein ganz enges Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Mets wird.

Spielzug der Woche
Hier gibt es mal wieder mehrere Kandidaten: Zwei sehenswerte Aktionen der vergangenen Tage waren für mich Dansby Swansons Inside-the-park-Homer, der schnellste des Jahres und gleichzeitig der erste MLB-Homerun des Rookies, und Brett Gardners großartiger Catch, der einen von drei Siegen der Yankees gegen die Blue Jays sicherte. Noch beeindruckender fand ich aber Brian Doziers Einleitung eines Double Plays gegen die Royals, weil sich darin ein sehr guter Catch und eine artistische Ballweitergabe perfekt vereinen. Außer Konkurrenz, aber zu lustig um auf den Link zu verzichten: Carlos Beltran schießt ein „H“.

Statistik der Woche 
15. So viele Homeruns haben die St. Louis Cardinals dieses Jahr schon durch Pinch Hitter erzielt, was einen neuen MLB-Rekord darstellt. Nummer 15 war ein besonders wichtiger, denn Matt Carpenter glich damit am Dienstag im neunten Inning das Spiel gegen die Pittsburgh Pirates aus und bereitete so den Weg zum Sieg in einem fast schon verlorenen Spiel. Gleichzeitig stellten die Cardinals einen NL-Rekord auf mit dem 25. Spiel hintereinander, in dem sie mindestens einen Homerun erzielten. Diese Serie endete allerdings tags darauf beim 3:4 gegen den gleichen Gegner.

Spiel der Woche
Ein wahres Wechselbad der Gefühle war für beide Seiten das Spiel der Los Angeles Angels bei den Seattle Mariners vom vergangenen Freitag. Die Angels legten mit 4:0 im oberen ersten Inning vor, darunter ein 3-Run-Homer von Mike Trout noch vor dem ersten Out. Die Mariners zeigten sich alle andere als demoralisiert und revanchierten sich mit einem Score im ersten und sage und schreibe neun Runs im zweiten Inning – alle neun übrigens ohne einen einzigen Extra-Basehit, allein durch Singles, Walks und einen Error. Mit 10:4 und einem weiteren Run der Mariners im achten Inning schien das Spiel gelaufen, doch die Angels hörten so auf wie sie angefangen hatten: mit vier Runs und mit Mike Trout. Nur dass Trout dieses Mal keinen Homerun schlug, der sein Team einem epischen Comeback näher gebracht hätte, sondern einen Pop Out, der das aufregende Spiel beim Stand von 11:8 für Seattle beendete.

Spiel der kommenden Woche
Kompliment an die Ersteller der MLB-Schedule: Ein interessanteres Matchup als die Boston Red Sox gegen die Toronto Blue Jays kann es zurzeit gar nicht geben und genau das steht von Freitag bis Montag viermal hintereinander auf dem Programm. Mein Spiel der Woche ist aufgrund der Pitcher das erste davon: Rick Porcello gegen Marco Estrada lautet das voraussichtliche Duell ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht von Freitag auf Samstag.

September 8th, 2016 by