Grand Slam am Donnerstag – KW 37/2016

Nur noch 15 bis 18 Spiele haben die Teams der MLB zu absolvieren, dann ist die reguläre Saison 2016 Geschichte. Bis dahin werden sich noch einige große Hoffnungen erfüllen oder zerschlagen, denn obwohl die Divisionssieger bis auf einen mehr oder weniger feststehen ist durch sehr enge Wild-Card-Rennen Spannung bis zum Schluss garantiert.

National League
In der National League ist das Ringen um die Playoffs deutlich überschaubarer als in der Schwesterliga. Welche Teams in der NL als Divisionssieger in die Playoffs einziehen, ist so gut wie entschieden. Die Washington Nationals (87-59) und die Chicago Cubs (93-52) sind allenfalls theoretisch noch einholbar. Die Los Angeles Dodgers (82-63) können sich ihrer Sache mit fünf Spielen vor den San Francsico Giants (77-68) noch nicht hunderprozentig sicher sein, aber die von Fangraphs zugerechnete Wahrscheinlichkeit von 96,4%, dass die Dodgers am Ende oben stehen, erscheint mir sehr realistisch.

Auch in Bezug auf die Wild-Card-Plätze gibt es in der NL schon seit ein, zwei Wochen kein unübersichtliches Getümmel mehr, sondern lediglich drei Teams, die um die beiden Plätze wetteifern. Dieses Rennen könnte allerdings kaum enger sein als es ist: Die Giants liegen nach wie vor mit einem halben Spiel vorne, allerdings haben die New York Mets (77-69) nach Siegen bereits gleichgezogen und liegen ihrerseits nur ein halbes Spiel vor den St. Louis Cardinals (76-69). Der leichte Schiefstand in der Tabelle wird übrigens heute behoben, denn die Mets sind spielfrei, während die Giants und die Cardinals das erste Spiel einer Vierer-Serie gegeneinander austragen. Danach haben die drei Teams gleich viele Spiele absolviert und die Bilanzen sind besser vergleichbar – falls die Cardinals das Spiel gewinnen, sind die Bilanzen aller drei Teams sogar komplett identisch. Von Freitag bis Sonntag befinden sich die Mets dann in der komfortablen Situation, zu Hause gegen das schlechteste Team der Liga, die Minnesota Twins (54-92), anzutreten, während die beiden Konkurrenten sich unweigerlich gegenseitig Punkte abnehmen. Auch sonst meint es der Restspielplan gut mit den Mets. Sie haben noch 16 Spiele vor sich, davon kein einziges gegen ein Team mit positivem Record. Die Giants hingegen sehen sich noch in 10 von 17 und die Cardinals in 7 von 17 Spielen Gegnern mit mehr Siegen als Niederlagen gegenüber.

American League
In der American League haken wir schnell mal die Cleveland Indians (84-61) und die Texas Rangers (87-60) als Divisionssieger ab und konzentrieren uns ansonsten auf die AL East, die dieses Jahr sicher schon so manchem Fan graue Haare beschert hat. Immer, wenn man denkt, dass sich ein Team langsam nach oben oder unten von den anderen absetzt, legt genau dieses Team plötzlich einen positiven oder negativen Lauf hin, der alles wieder auf den Kopf stellt. Zum Beispiel haben die Boston Red Sox (81-64) gerade eine Serie gegen die Baltimore Orioles (80-65) verloren und stehen nun nur noch einen Sieg vor diesen. Gleichzeitig haben die Toronto Blue Jays (79-66) im September bislang nur 3 von 9 Spielen gewonnen und sich von Platz eins auf Platz drei durchreichen lassen. Der Spielplan sieht in den nächsten Tagen lösbare Aufgaben für die Blue Jays (bei den Angels) und die Orioles (gegen die Rays) vor, während die Red Sox gegen die New York Yankees (77-68) antreten, die selbst noch nicht ganz aus dem Rennen sind – ein Sweep in die eine oder die andere Richtung könnte für mindestens eines der beiden Teams eine Vorentscheidung bedeuten. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass in dieser Division irgend etwas vorentschieden wird, hier bleibt es spannend bis zum letzten Tag der Saison (an dem übrigens die Red Sox gegen die Blue Jays und die Orioles gegen die Yankees spielen).

Was das Wild-Card-Rennen der AL angeht, habe ich schon mehrfach gemutmaßt, dass am Ende nur ein AL-East-Team übrig bleibt, weil man sich innerhalb der Division die Punkte gegenseitig wegnimmt. Bisher hat sich das allerdings noch nicht bewahrheitet, die WC-Plätze sind seit vielen Wochen stabil in der Hand des jeweiligen Zweit- und Drittplatzierten der AL East. Aus den anderen Divisionen halten die Detroit Tigers (78-67) ebenso Tuchfühlung zu den Wild Cards wie die Seattle Mariners (78-68). Die Mariners haben zurzeit einen tollen Lauf mit acht Siegen in Folge, wobei die letzten sechs gegen die abgeschlagenen Oakland Athtletics und Los Angeles Angels (jeweils 63-82) eingefahren wurden. In den nun anstehenden Serien gegen die Houston Astros (76-70) und die Toronto Blue Jays wird sich zeigen, wie ernst die Aufholjagd der Mariners zu nehmen ist. Momentan würde ich noch sagen, dass ich Detroit für das konstantere Team halte und deshalb die Tigers im Wild-Card-Spiel sehe.

Spielzug der Woche
Wenn man sich auf ein Knie sinken lässt, drückt man damit oft Demut, Unterwürfigkeit oder Erschöpfung aus. Manchmal ist es auch eine Form von Protest, man denke an die Diskussion um Colin Kaepernicks Verhalten während der Nationalhymne. Dass man in die Knie geht, um einen Homerun zu schlagen, sieht man jedoch eher selten und deswegen erhält Adrian Beltre heute von mir die Auszeichnung für den Spielzug der Woche.

Statistik der Woche 
19. So viele Spiele absolvieren Divisionsrivalen in der MLB in einer Saison gegeneinander und in so vielen Spielen hat Daniel Murphy mindestens einen Hit gegen sein ehemaliges Team, die New York Mets, erzielt. Murphy kam in diesen 19 Spielen auf einen Average von .413 mit 7 Homeruns und 21 RBI. Als Metsfan tut es mir weh, das zu sagen, aber: Die Mets haben es nicht besser verdient. Sie haben Murphy vor der Saison recht rüde aussortiert, indem sie ihm kein ernstzunehmendes Angebot vorgelegt haben, obwohl er eine atemberaubende Postseason hingelegt, immer wieder deutlich signalisiert hatte, bei den Mets bleiben zu wollen und nach allem, was man weiß, keine überzogenen Forderungen stellte. Das Front Office um Sandy Alderson ließ ihn ziehen und nun spielt er beim wichtigsten Konkurrenten die Saison seines Lebens. Dumm gelaufen.

Spiel der Woche
Die Dodgers haben am vergangenen Samstag 5:0 gegen die Marlins gewonnen, allerdings war das Resultat nach dem Spiel kaum ein Thema, denn alles drehte sich um die Entscheidung von Dodgers-Manager Dave Roberts, seinen Starting Pitcher Rich Hill nach sieben Innings aus dem Spiel zu nehmen. Hill hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein Perfect Game gepitcht, also keinen einzigen Baserunner zugelassen. Ein solches Spiel über die volle Distanz ist der Traum jedes Pitchers und wenn es Hill gelungen wäre, wäre es das erste Perfect Game in der MLB seit vier Jahren gewesen. Aber Robertson entschied anders und Reliever Joe Blanton gab im achten Inning prompt gegen Jeff Francoeur einen Hit ab. Hill war sichtlich wütend über die entgangene Chance, sich selbst ein Denkmal zu setzen, aber natürlich muss man auch Roberts‘ Position sehen, dass er seinen erst vor wenigen Wochen erworbenen und durchaus als verletzungsanfällig bekannten Pitcher nicht zugunsten eines symbolischen Erfolgs verheizen wollte. Dass diese Entscheidung überhaupt zu treffen war, verdankte Hill übrigens neben seinem eigenen starken Auftritt auch Teamkamerad Yasiel Puig, der ihm im siebten Inning mit einem fantastischen Catch den perfekten Auftritt erhielt.

Spiel der kommenden Woche
Das ewig junge Duell der Erzrivalen Boston Red Sox und New York Yankees steht mal wieder an und weil es in einer Situation kommt, in der es für beide Teams quasi um alles geht, drängt sich diese Serie förmlich auf, aus ihr das Spiel der Woche zu wählen. Da keines der voraussichtlichen Pitcher-Matchups besonders herausragt, ist mein Einschalttipp das Spiel mit der aus mitteleuropäischer Sicht günstigsten Anfangszeit: Am Samstag um 19:05 Uhr wird von Bryan Mitchell der erste Pitch der Yankees geworfen, die Red Sox schicken David Price ins Rennen.

September 15th, 2016 by