Grand Slam am Donnerstag 37/2021

In zweieinhalb Wochen endet die reguläre MLB-Saison 2021. Zehn Teams ziehen in die Playoffs ein, sechs davon stehen faktisch fest. Um die restlichen vier Plätze kämpfen noch neun bis zehn Teams mit mehr oder weniger realistischen Chancen. Rund die Hälfte der Liga muss bereits einen Schlussstrich unter das Jahr ziehen. 

Den Schlussstrich unter eine beachtliche Karriere hat am Dienstag Ryan Braun gezogen. Der 37-jährige Outfielder gab bekannt, dass er den Handschuh offiziell an den Nagel hängen wird. Braun spielte in 14 MLB-Saisons, alle mit den Milwaukee Brewers, die ihn 2005 in der ersten Draftrunde ausgewählt hatten. 2007 wurde er zum Rookie of the Year der NL gewählt, 2011 zum wertvollsten Spieler. Sechs Berufungen ins All-Star-Team und 352 Homeruns gehören ebenso zu seiner Geschichte wie die Verwicklung in einen Doping-Skandal, die ihn vermutlich die Aufnahme in die Hall of Fame kosten wird. Braun absolvierte sein letztes Spiel für die Brewers vor knapp einem Jahr, am 27. September 2020. 

American League
Was schon feststeht: Rein rechnerisch noch nichts, aber realistisch betrachtet sind alle drei Divisionssieger sicher. Die AL East geht an die Tampa Bay Rays (90-56), die AL Central an die Chicago White Sox  (83-62) und die AL West an die Houston Astros (85-60). Ziemlich sicher dürfte auch sein, dass die White Sox und die Astros in der ALDS aufeinandertreffen, während die Rays den Sieger der Wild-Card-Runde erwarten.

Was noch offen ist: Die Wild Cards werden höchstwahrscheinlich beide in der AL East vergeben, aber ich wage keine Prognose, an welche Teams. Für die Toronto Blue Jays (82-64) spricht, dass sie sich mit 13 Siegen aus den letzten 15 Spielen eindrucksvoll zurück ins Rennen gebracht haben und zurzeit unaufhaltbar scheinen. Für die New York Yankees (82-64) spricht, dass sie ihr Schicksal selbst in der Hand haben, weil sie als einziges Team noch Serien gegen beide Mitkonkurrenten spielen werden. Für die Boston Red Sox (83-65) spricht, dass ihr Restprogramm das leichteste der ganzen Liga ist. Außenseiterchancen haben noch die Seattle Mariners (78-68) und die Oakland Athletics (78-67). Die beiden haben aber nicht nur das Problem, 3,5 bzw. 4 Spiele hinter dem AL-East-Trio zurückzuliegen, sondern auch das, dass sie noch siebenmal gegeneinander spielen und sich somit gegenseitig die Punkte wegnehmen. Übrigens: Falls am Ende der Saison drei Teams für zwei Wild-Cards gleichauf stehen sollten, so wie es zurzeit der Fall wäre, würden zwei zusätzliche Spiele angesetzt werden: Zuerst trifft Team A auf Team B. Der Sieger zieht ins Wild-Card-Spiel ein. Der Verlierer trifft auf Team C. Die Sieger der beiden Spiele treffen dann im eigentlichen Wild-Card-Spiel aufeinander.

National League
Was schon feststeht: Als einzige Teams der gesamten Liga sind die beiden NL-West-Teams San Francisco Giants (95-51) und Los Angeles Dodgers (94-53) auch unter allen theoretischen Eventualitäten als Playoff-Teilnehmer gesetzt. Die Milwaukee Brewers (89-57) sind rechnerisch noch nicht ganz durch, aber es besteht kein Zweifel dass sie die NL Central gewinnen.

Was noch offen ist: Die NL East scheint immer mehr auf die Atlanta Braves (76-68) hinauszulaufen, wobei das sogenannte Rennen mit dem Begriff Not gegen Elend noch freundlich beschrieben ist. Die Braves verlieren den ganzen September über schon mehr Spiele als sie gewinnen, unterlagen zuletzt zweimal den Rockies. Aber die Philadelphia Phillies (73-72) und die New York Mets (72-75) zeigen sich komplett unfähig, diese Schwäche zu nutzen. Wenn sich hier noch etwas verschiebt, dann wohl am ehesten am kommenden Wochenende: Die Braves müssen bei den Giants antreten, während die Phillies und die Mets direkt aufeinander treffen. Aus dem ebenfalls noch offenen Rennen um die zweite Wild Card sind die Mets und die Phillies inzwischen relativ sicher ausgeschieden. Im Fall der Mets war der mutmaßliche Todesstoß ein 3-Spiele-Sweep durch die St. Louis Cardinals (76-69). Die Cardinals haben im Wild-Card-Ranking nun knapp die Nase vor den San Diego Padres (75-70), welche passenderweise ihr nächster Gegner sind (siehe „Einschalttipp“). Die Cincinnati Reds (75-71) stehen nur eineinhalb Spiele hinter den Cardinals und ein halbes hinter den Padres. Allerdings haben die Reds seit dreieinhalb Wochen keine Serie mehr gewonnen und am Wochenende geht es ausgerechnet gegen die Dodgers. Diese haben ihre neunten Playoff-Teilnahme in Folge zwar sicher, werden aber keinen Schongang einlegen, denn es geht noch um den Divisionssieg der NL West und damit um den direkten Einzug in die NLDS. Zurzeit haben die Dodgers eineinhalb Spiele Rückstand auf die Giants und müssten somit den Umweg über das Wild-Card-Spiel nehmen. Sollten die Dodgers und die Giants nach 162 Spielen mit identischer Bilanz über die Ziellinie gehen, würde es ein zusätzliches Tie-Breaker-Game geben. Der Sieger wäre Divisions-Champion, der Verlierer träte einen Tag später im Wild-Card-Spiel an.

Szene der Woche
Dodgers-Pitcher Max Scherzer wurde am Sonntag zum 19. Spieler der MLB-Geschichte, der den Meilenstein von 3.000 Strikeouts erreichte. Das dreitausendste Opfer des 37-Jährigen wurde Eric Hosmer im fünften Inning eines 8:0-Sieges der Dodgers über die Padres. Scherzer pitchte bis dahin und noch bis ins achte Inning ein perfektes Spiel, bevor ausgerechnet Hosmer der erste und einzige Hit gegen ihn gelang. In der Allzeit-Rangliste steht Scherzer nun mit 3.003 Strikeouts direkt hinter Justin Verlander, der mit 3.013 die meisten K’s aller noch aktiven Pitcher auf dem Konto hat. Die Chancen, Verlander einzuholen, stehen gut, denn der wird in diesem Jahr verletzungsbedingt nicht mehr pitchen und ob er seine Karriere 2022 fortsetzt, ist offen.

Statistik der Woche 
27. So viele Runs erzielten die Blue Jays in Summe während des letzten Innings der Partie am Samstag und der ersten drei Innings am Sonntag, jeweils gegen die Baltimore Orioles. 27 Runs innerhalb von vier Innings sind neuer MLB-Rekord; der alte lag bei 25. Insgesamt erzielten die Blue Jays in der 4-Spiele-Serie gegen die Orioles 47 Runs, wobei die Orioles eine der Partien 6:3 gewannen.

Spiel der Woche
Der seit dem Jahr 1884 bestehende Rekord für die meisten No-Hitter in einer MLB-Saison ist seit Samstag Geschichte. Nummer neun in diesem Jahr verzeichneten die Milwaukee Brewers bei einem 3:0-Sieg über die Cleveland Indians. Die Protagonisten des Rekordauftritts hätte man nicht passender auswählen können: Die ersten acht Innings warf der aktuell wohl beste Starter der Liga, Corbin Burnes, das letzte Inning besorgte der zurzeit vielleicht stärkste Reliever, Josh Hader. Die beiden brachten es am Samstag auf zusammen 16 Strikeouts. Der einzige Baserunner der Indians war Myles Straw durch einen Walk im siebten Inning. Die Indians halten nun ebenfalls einen Rekord, allerdings einen von der verzichtbaren Sorte: Sie sind das erste Team, das dreimal in einer Saison einen No-Hitter erleiden musste. Interessanterweise, auch wenn es wenig zur Sache tut, startete in allen drei Spielen Zach Plesac für die Indians.

Mein Einschalttipp
Die Padres und die Cardinals sind auf sehr unterschiedlichen Wegen an fast derselben Stelle gelandet: Die Padres sahen über weite Strecken der Saison wie ein sicherer Playoff-Teilnehmer aus, stritten zeitweise mit den Giants und den Dodgers um die NL West, und es sah alles danach aus, dass die Unterlegenen des Dreikampfs beide Wild Cards der NL abgreifen würden. Doch seit rund fünf Wochen sind die Padres von der Rolle, verloren zuerst den Anschluss im ehemaligen Dreikampf und inzwischen auch den Wild-Card-Platz. Den haben inzwischen die Cardinals inne, die am 8. August noch bei einer negativen Bilanz standen und seitdem eine Aufholjagd hinlegten, die ich ihnen nicht zugetraut hätte. Ab morgen treffen die Teams in St. Louis dreimal direkt aufeinander. Die Entscheidung im Wild-Card-Rennen wird dieses Wochenende noch nicht bringen, aber es kann sich definitiv keines der Teams leisten, die Serie deutlich zu verlieren. Das Spiel am Sonntag beginnt um 20:15 Uhr und eignet sich damit bestens als Begleit- oder Alternativprogramm zum Triell der Kanzlerkandidat*innen.

September 16th, 2021 by