Grand Slam am Donnerstag 41/2016

Den Grand Slam am Donnerstag hatte ich für diese Woche in erster Linie als Vorschau auf die Championship-Serien vorgesehen und das ist er nun auch geworden, obwohl heute Nacht noch zwei Teams nachsitzen und den zweiten Teilnehmer des National-League-Finales ausspielen müssen. Die Highlights der bisherigen Divisional-Spiele kommen natürlich ebenfalls nicht zu kurz.

National League
Heute Nacht ab 2 Uhr unserer Zeit wird sich zwischen den Los Angeles Dodgers und Gastgeber Washington Nationals entscheiden, wer ab Samstag gegen die Chicago Cubs um die Krone der National League spielen darf. Ich denke und hoffe, dass dieses Entscheidungsspiel so spannend wird wie die bisherige Serie. Dabei halte ich die Nationals für leicht favorisiert, zum einen wegen des Heimrechts und zum anderen weil sie ihr Ass Max Scherzer (2.96 ERA, 3.24 FIP) auf den Mound schicken können. Die Dodgers haben ihren Superstar Clayton Kershaw schon in Spiel 4 verbraucht und müssen auf Routinier Rich Hill (2.12 ERA, 2.39 FIP) und wahrscheinlich auf Rookie Julio Urias (3.39 ERA, 3.17 FIP) zurückgreifen – ebenfalls zwei gute Pitcher, die in der Zahl ihrer Innings bzw. Pitches vermutlich etwas eingeschränkt sind, aber sich gegenseitig gut ergänzen dürften.

Die Chicago Cubs stehen seit Dienstagnacht als NLCS-Teilnehmer fest und gehen in jedem Fall als Favorit in Selbiges – nicht nur, weil sie dieses Jahr in der MLB mit Abstand die meisten Spiele gewonnen und mit Abstand das beste Run Differential erzielt haben, sondern auch weil sie zwei Tage mehr zum Ausruhen zwischen den Serien hatten und somit aus dem Vollen schöpfen können. Der Gegner hingegen wird den oder die heute Nacht verwendeten Starter frühestens in Spiel 3 einsetzen können. Ich sage unabhängig vom Gegner einen deutlichen Seriensieg der Cubs voraus – 4:1, höchstens 4:2.

American League
In der American League geht es schon Freitagnacht mit der Finalserie los. Um 2 Uhr unserer Zeit werden die Cleveland Indians und die Toronto Blue Jays im ersten Spiel der Best-of-Seven-Serie aufeinander treffen. Ich bin sehr gespannt auf diese Serie, nachdem in der vorherigen Runde beide Teams als Außenseiter ins Rennen gegangen waren, aber überraschend souverän ihre jeweiligen Gegner in drei Spielen abgefertigt haben.

Die Starts im ersten Spiel werden Marco Estrada (3.48 ERA, 4.15 FIP) für die Blue Jays und Corey Kluber (3.14 ERA, 3.26 FIP) auf Seiten der Indians absolvieren. Das sieht nach einem leichten Vorteil für die Indians aus, aber sowohl Estrada als auch Kluber haben in dieser Postseason bisher ein Spiel absolviert und sich dabei gleichermaßen in hervorragender Form präsentiert. Beide Teams weisen auch sonst eine starke Starting Rotation auf, wenngleich die Indians nach wie vor auf Carlos Carrasco und auf Danny Salazar (der vielleicht während der Serie zumindest in einer Relieve-Rolle zurückkehren könnte) verzichten müssen. Bei den Bullpens sehe ich die Indians leicht im Vorteil, obwohl ich sehr viel von Roberto Osuna, dem jungen Closer der Blue Jays, halte. In der Offense nehmen sich die Teams nicht viel; beide gehören zur Spitze der Liga, wobei die Blue Jays stärker von Homeruns (221 von insgesamt 759 Runs) abhängen als die Indians (185 von 777).

Auch zur ALCS gebe ich einen Tipp ab, aber es ist nicht viel mehr als ein Münzwurf, denn ich sehe dieses Duell als sehr eng an. Ich sage, die Serie geht über volle sieben Spiele und die Blue Jays gewinnen 4:3.

Spielzug der Woche
Die Blue Jays haben das Duell mit den Texas Rangers per Walk-Off im zehnten Inning mit 7:6 für sich entschieden. Schuld daran war in erster Linie ein schlechter Wurf von Rangers-2B Rougned Odor, aber ebenso großen Anteil hatten der Mut und die Übersicht von Josh Donaldson, auf seinem Weg von der zweiten Base nicht bei der dritten anzuhalten sondern bis zur Homeplate durchzuziehen und dort mit einem perfekten Slide den Catcher zu schlagen. Eric Byrnes und Cliff Floyd haben die spektakuläre Baserunning-Aktion auf amüsante Weise nachgespielt.

Statistik der Woche
6. Das ist die Anzahl von RBIs, die die Pitcher der Chicago Cubs in der Serie gegen die San Francisco Giants erzielt haben. Besonders bemerkenswert fand ich, dass nach drei Spielen die Pitcher mehr RBIs auf dem Konto hatten als die Positionsspieler (5). Erst im vierten Spiel gelang es Letzteren, ihre Ehre zu retten, indem sie alle 6 RBIs verantworteten und damit die Verhältnisse wieder halbwegs gerade rückten.

Spiel der Woche
Die Chicago Cubs haben die San Francisco Giants dreimal besiegt, aber das interessanteste Spiel war für mich das eine, das die Giants gewonnen haben. Es passiert mir nicht oft, dass ich morgens zu meiner normalen Zeit aufstehe und noch fünfeinhalb Innings Baseball erleben darf, aber am Dienstagmorgen war es so. Verpasst hatte ich bis dahin siebeneinhalb Innings, in denen Cubs-Pitcher Jake Arrieta der einzige gewesen war, der mit einem 3-Run-Homerun Giants-Ass Madison Bumgarner überwinden konnte. Ich schaltete gerade rechtzeitig ein, um zu sehen, wie Conor Gillaspie (der schon wieder!) im unteren achten Inning per Triple aus einem 2:3-Rückstand eine 4:3 Führung machte, die nach einem Single von Brandon Crawford noch auf 5:3 anwuchs. Die Cubs wären nicht die Cubs, wenn so ein Nackenschlag sie zum Aufgeben brächte, also glichen sie im neunten Inning durch einen 2-Run-Homerun von Kris Bryant auf 5:5 aus. Erst vier Innings später gelang den Giants dann doch der erlösende Walk-Off-Run durch Brandon Crawford bei einem Double von Joe Panik. Die Giants erhöhten damit ihre Serie von gewonnenen Playoffspielen, in denen das Ausscheiden drohte, auf zehn hintereinander. Beim Versuch, elf daraus zu machen, war dann allerdings Schluss.

Spiel der kommenden Woche
In den Playoffs zählt jedes Spiel, aber das Spiel zwischen den Dodgers und den Nationals heute Nacht zählt noch ein bisschen mehr, weil es für beide Seiten unweigerlich um Ausscheiden oder Weiterkommen geht. Deswegen ist es für mich das Spiel der Woche.

Oktober 13th, 2016 by