Grand Slam am Donnerstag 42/2016

Ich bin gerade in den USA und kann deswegen nur sehr wenig Baseball schauen. Klingt komisch, ist aber so. Erstens sind die Playoff-Spiele offenbar nur über Pay-TV und daher nicht auf meinem Hotelfernseher zu sehen. Zweitens unterliegt mein mlb.tv-Abo hierzulande der Blackoutregel. Und drittens kommen die Spiele nach Westküstenzeit so früh am Tag, dass ich zu den Zeiten in aller Regel touristisch unterwegs bin und höchstens mal in einem Geschäft oder einem Lokal ein bisschen was von den Conference Championships mitbekomme. Soviel vorab zur Erklärung, warum ich mich diese Woche hier etwas rar gemacht habe. Jetzt aber genug auf hohem Urlaubsniveau gejammert, los geht’s mit dem Blick auf den Stand der Dinge in der MLB:

American League
Wir haben den ersten World-Series-Teilnehmer des Jahres 2016 und es sind die Cleveland Indians, zum ersten Mal seit 1997. Die Indians sind das Team, das mich dieses Jahr am häufigsten überrascht hat: Schon während der regulären Saison waren sie mit ihrem deutlichen Divisionssieg in der AL Central – vor Detroit, vor Kansas City – weitaus erfolgreicher als ich es erwartet hatte. Dann hatte ich sie in der ALCS unter Anderem wegen diverser Verletzungsausfälle als klaren Außenseiter gegen die Red Sox gesehen, aber die Indians haben Boston mir nichts, dir nichts gesweept. Und nun haben sie auch mit den Toronto Blue Jays relativ kurzen Prozess gemacht.

4:1 haben die Indians die Serie gewonnen und dass die Blue Jays in den vier verlorenen Spielen insgesamt nur sechs Runs erzielt haben, zeigt bereits deutlich, woran es lag: Torontos Offensive hat mal wieder eine der kalten Strecken erwischt, von denen es während der Saison schon einige gegeben hatte. Oder anders herum: Clevelands Pitcher hatten den Gegner hervorragend im Griff. Das gilt vor allem für die überragenden Reliever um Andrew Miller und Cody Allen, aber auch für die verletzungsgebeutelten Starter. Interessanterweise war es ausgerechnet das einzige verbliebene Ass Corey Kluber, der in diesen Playoffs ein Spiel mit den Indians verlor.

Die Indians sind bei mir das ganze Jahr unter dem Radar geflogen. Umso mehr freue ich mich, sie mir nun in der World Series intensiv anschauen zu dürfen. Los geht es am Dienstag in Cleveland gegen den noch nicht feststehenden Gegner aus der NL.

National League
Die Chicago Cubs sind als Favorit sowohl in die Saison als auch in jede Playoffrunde gegangen und bisher sind sie der Favoritenrolle jedes Mal gerecht geworden. Jetzt aber machen die Los Angeles Dodgers ihnen ernsthafte Probleme. In den Spielen 2 und 3 haben diese die Cubs zweimal in Folge bei null Runs gehalten, in den beiden anderen Spielen setzte es hingegen insgesamt 18 Runs für Chicago. Somit steht es in der Serie nun 2:2 und es gibt mindestens zwei weitere Spiele – das erste in Los Angeles, das zweite und falls nötig auch das dritte in Chicago.

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen in Spiel 5 Jon Lester und Kenta Maeda aufeinander. Das Pitching-Matchup spricht klar für die Cubs, nachdem Lester in seinen beiden bisherigen Playoff-Auftritten (einer davon gegen die Dodgers) in 14 Innings nur einen Run erlaubte, während Maeda in ebenfalls zwei Starts nur sieben Innings durchhielt und sieben Runs zuließ. Clayton Kershaw, der entgegen meiner Vorhersage schon in Spiel 2 und damit zum dritten Mal innerhalb von sechs Tagen pitchte, stünde ebenfalls schon wieder zur Verfügung, aber da es am Samstag in jedem Fall ein sechstes Spiel geben wird, heben die Dodgers ihn sich aller Voraussicht nach für dieses Spiel auf.

Spielzug der Woche
Aus oben genannten Gründen könnte ich diese Woche das eine oder andere Highlight-Play verpasst haben (hey, das wäre eine schöne Gelegenheit für dich, die Kommentarfunktion zu nutzen). Mitbekommen habe ich jedenfalls ein sehenswertes Double Play von Javier Baez. Das Besondere daran war, dass es unter normalen Umständen nur ein einfaches Out gewesen wäre. Erst durch Baez‘ Geistesgegenwart, den lockeren Infieldschlag von Joc Pederson nicht aus der Luft zu fangen, sondern ihn auf dem Boden aufkommen zu lassen, ergab sich die Möglichkeit, das Inning durch das zweite Out, einen Rundown von Adrian Gonzalez zwischen der zweite und dritten Base, zu beenden.

Statistik der Woche
11.2 Innings Pitched, 21 Strikeouts, 0 Runs Allowed. Das sind die Zahlen der diesjährigen Postseason für Clevelands Andrew Miller. Der Reliever wurde hochverdient zum MVP der ALCS gewählt.

Spiel der Woche
Wir sind zwar mitten in der NLCS und haben die ALCS bereits hinter uns, aber für diese Kategorie muss ich noch mal ein bisschen zurück springen, denn das aufregendste Spiel seit dem letzten Donnerstag war sicher Spiel 5 der NLDS zwischen Washington und Los Angeles, über das ich hier schon ein paar Zeilen geschrieben habe. Von diesem abgesehen dürfte das 4:2 der Indians in Spiel 3 der Serie gegen die Blue Jays die interessanteste Partie gewesen sein. Cleveland gewann das Spiel quasi ohne Starter, da Trevor Bauer schon im ersten Inning wegen einer blutenden Verletzung am Finger raus musste. Einmal mehr zeigte sich, dass die Indians einen hervorragenden Bullpen besitzen, als sechs Reliever insgesamt 8.1 Innings ablieferten und nur zwei Runs zuließen.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Spiele der kommenden Woche sind natürlich die der am Dienstag beginnenden World Series, zuvor stehen aber noch die zwei bis drei ebenfalls enorm bedeutenden Partien um den Gewinn der National League an. Wenn ich mir eine aussuchen müsste, für die sich das Wachbleiben besonders lohnt, dann wäre es Spiel 6 der NLCS. Denn dann kann zum ersten Mal die Entscheidung über den zweiten World-Series-Teilnehmer fallen und das voraussichtliche Matchup zwischen Clayton Kershaw und Kyle Hendricks gehört zum besten, was die MLB zu bieten hat.

Oktober 20th, 2016 by