Grand Slam am Donnerstag 42/2019

Historisches Ereignis in Washington: Zum ersten Mal in der Klubgeschichte haben die Nationals die Meisterschaft der National League gewonnen und damit die World Series erreicht. Das umfasst nicht nur die 14 Jahre seit Ansiedlung der Franchise in Washington, sondern auch die 36 davor, in denen sie unter dem Namen Montreal Expos firmierte.

Außer Feiern heißt es für die Nationals jetzt erstmal warten. Während sie selbst mit den St. Louis Cardinals kurzen Prozess machten, liefern sich in der American League die New York Yankees und die Houston Astros ein spannendes Duell, das erst im Laufe des bevorstehenden Wochenendes entschieden wird.

National League
Als die Nationals nach 50 Spielen der regulären Saison nur 19 Siege auf dem Konto hatten und zehn Spiele von einem Playoff-Platz entfernt standen, gab niemand mehr einen Pfifferling auf sie. Doch das Team fing sich, arbeitete sich Schritt für Schritt hoch bis auf einen Wild-Card-Platz. Ein 4:3-Comebacksieg über die Milwaukee Brewers im Wild-Card-Spiel brachte sie in die NLDS. Dort überraschten sie die Baseball-Welt mit einem Duell auf Augenhöhe gegen die übermächtig erscheinenden Los Angeles Dodgers, welches Howie Kendrick mit einem Grand Slam im elften Inning des fünften Spiels entschied.

In der NLCS, der Finalserie um den Titel in der National League, wurden die St. Louis Cardinals und die Nationals als etwa gleich starke Gegner eingestuft. Doch wieder überraschten die Nationals, dieses Mal durch pure Dominanz. Gerade mal zwei Runs erlaubten die Pitcher der Nationals in den ersten drei Spielen der Serie, die Washington 2:0, 3:1 und 8:1 gewann. Im vierten Spiel kamen die Cardinals immerhin auf vier Runs, doch die interessierten kaum noch jemanden, nachdem die Nationals schon im ersten Inning eine 7:0-Führung vorgelegt hatten.

So findet die Cinderella-Story der Nationals also ihre Fortsetzung in der World Series. Am Dienstag geht es los, entweder in Houston oder in New York.

American League
Fast hätte man befürchten müssen, dass die Championship Series der American League genauso einseitig wird wie die der National League: 7:0 gewannen die New York Yankees das erste Spiel in Houston. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, dass die Yankees nach ihrem Sweep in der ALDS deutlich mehr Zeit hatten, sich auf den Gegner einzustellen. Am nächsten Tag jedenfalls fanden die Astros zurück ins Spiel und gewannen ein hochklassiges Duell durch Carlos Correas Walkoff-Homerun im elften Inning (siehe „Spiel der Woche“). Das dritte Spiel geht auf das Konto von Houstons Star-Pitcher Gerrit Cole. Cole hatte zwar ungewöhnlich viele Walks (5) und ungewöhnlich wenige Strikeouts (7), ließ aber letztlich in sieben Innings keinen Run zu und bereitete den Weg zu einem 4:1-Sieg der Astros in ihrem ersten Auswärtsspiel der Serie.

Spiel vier stand für gestern auf dem Programm, musste aber wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben werden. Daher werden heute und morgen Nacht die beiden restlichen Partien in New York stattfinden, bevor es – falls nötig – noch mal für bis zu zwei Spiele nach Houston geht, um die Best-of-7-Serie zu entscheiden. Der verlorene Tag wird wieder reingeholt, indem die Reisepause am Freitag gestrichen wird. Für die Astros könnte sich die Verschiebung als Vorteil erweisen, denn sie ermöglicht ihnen, in Spiel 5 Justin Verlander und in Spiel 6 gegebenenfalls Gerrit Cole starten zu lassen.

Szene der Woche 
Die unfreiwillige Pause durch den gestrigen Spielausfall ermöglichte, den Blick zwischendurch mal darauf zu richten, was sich außerhalb der Playoffs in der Liga tut. Einen besseren Zeitpunkt hätten die Los Angeles Angels kaum wählen können, um die Verpflichtung ihres neuen Managers zu verkünden. Es handelt sich in mehrerlei Hinsicht um einen alten Bekannten: Joe Maddon war bereits von 1975 bis 2005 in unterschiedlichen Rollen – Spieler, Scout, Trainer, Manager… – für die Angels tätig gewesen. Der Durchbruch als einer der höchstgeachteten Manager der Liga gelang ihm auf den weiteren Stationen in Tampa Bay und bei den Chicago Cubs, mit denen er 2016 die World Series gewann. Ich bin sehr gespannt darauf, ob Maddon es schafft, die in den letzten Jahren trotz Stützpfeilern wie Mike Trout und Shohei Ohtani immer wieder enttäuschenden Angels aus dem Tief zu führen.

Statistik der Woche 
17,8 Millionen Dollar. Das ist die Höhe eines Qualifying Offers für die MLB-Saison 2020. Ich erklär’s noch mal kurz: Ein Qualifying Offer kann ein Klub einem Spieler unterbreiten, dessen Vertrag ausgelaufen ist – vorausgesetzt, er hatte noch nie vorher ein solches erhalten und er stand in der vergangenen Saison durchgängig bei dem Klub unter Vertrag. Das Angebot hat eine vorgegebene Dauer – ein Jahr – sowie eine jedes Jahr neu bestimmte Höhe. Das Besondere an diesem Angebot: Wenn der Spieler es ablehnt und anderswo unterschreibt, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Das Besondere an der Höhe der Summe: Zum ersten Mal seit seiner Einführung im Jahr 2012 ist der Wert des Qualifying Offers leicht gesunken. Was sich darin widerspiegelt, ist die Zurückhaltung der Teambesitzer in der Free Agency der beiden vergangenen Jahre, denn das Qualifying Offer errechnet sich als Durchschnittssumme der Gehälter der 125 bestbezahlten MLB-Spieler.

Spiel der Woche 
Ein einziger Schwung mit dem Schläger kann nicht nur einem Spiel, sondern einer ganzen Serie, vielleicht sogar einer ganzen Saison eine neue Richtung geben. Der Schwung von Carlos Correa zum Walkoff-Homerun in Spiel zwei der ALCS war so einer, denn er brachte die Houston Astros zurück ins Rennen um die World Series.  Mit zwei verlorenen Heimspielen wären die Astros nicht ausgeschieden, doch sie hätten vor der riesigen Herausforderung gestanden, zwei von drei Spielen in New York gewinnen zu müssen. Dank Correa gingen sie mit einem Serien stand von 1:1 auf die Reise und liegen inzwischen sogar 2:1 in Front. Dass Correa überhaupt die Möglichkeit hatte, im elften Inning den siegbringenden Ball zu schlagen, war natürlich das Verdienst des gesamten Team, vor allem aber von Starter Justin Verlander, dem Bullpen der Astros und auch von Correa selbst. Denn im sechsten Inning hatte er mit einer hervorragenden Defensiv-Aktion D. J. LeMahieu an der Homeplate ausgeworfen und damit fünf Innings vor seiner großen Heldentat einen Rückstand verhindert.

Mein Einschalttipp
O. K., jetzt ist es endgültig witzlos geworden, an dieser Stelle einen Tipp zu geben, welches Spiel ihr anschauen sollt. Es läuft dieses Jahr an keinem Tag mehr mehr als ein Spiel und jede Partie ist so interessant und wichtig, dass man sie sich als Baseballfan anschauen sollte, sofern man die Zeit aufbringen und das Schlafdefizit verkraften kann. Alle verbleibenden Spiele der ALCS sowie die World Series könnt ihr auf mlb.tv oder auf DAZN verfolgen. Ob es auch eine Übertragung im Free-TV geben wird, ist mir bislang nicht bekannt. Wenn jemand dazu etwas weiß, freue ich mich auf einen Hinweis.

Oktober 17th, 2019 by