Grand Slam am Donnerstag 43/2017

Pünktlich zur ersten Reisepause der World Series meldet sich der Grand Slam am Donnerstag mit einer kleinen Zwischenbetrachtung. Ich stehe noch ganz im Bann des extrem mitreißenden zweiten Spiels und bin froh, dass es jetzt einen Tag zum Durchatmen (und vor allem eine Nacht zum Durchschlafen) gibt, bevor es in Houston hoffentlich genauso spektakulär weiter geht wie es in Los Angeles begonnen hat.

Die World Series
Das erste Spiel der Serie war schön anzusehen, brachte aber letzten Endes „nur“ das Ergebnis, das die meisten erwartet hatten: einen Low-Scoring-Sieg für Los Angeles, der ganz wesentlich auf der Pitching-Leistung von Clayton Kershaw sowie dem erneut sattelfesten Bullpen der Dodgers beruhte. Offensiv genügten den Dodgers zwei Highlights: ein Homerun von Chris Taylor beim allerersten Pitch von Astros-Starter Dallas Keuchel sowie ein Zwei-Run-Homer von Justin Turner, dem prägendsten Akteur der bisherigen Postseason. Der einzige Punkt der Astros wurde ebenfalls per Homerun erzielt, Alex Bregman nutzte dafür im vierten Inning einen seltenen Fehler von Kershaw zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Nach Kershaws sieben Innings mit drei Hits, einem Run und elf Strikeouts brachten Brandon Morrow und Kenley Jansen das 3:1 sicher nach Hause.

Deutlich nervenaufreibender als Spiel eins war die zweite Partie in Los Angeles. Mehr dazu lest ihr weiter unten in den Rubriken „Statistik der Woche“ und „Spiel der Woche“.

Wir werden nun noch mindestens drei Spiele sehen, allesamt Heimspiele der Houston Astros. Spiel drei findet morgen (Freitag) Nacht statt und verspricht mit Yu Darvish (3.86 ERA, 3.83 FIP) gegen Lance McCullers (4.25 ERA, 3.10 FIP) ein weiteres interessantes Pitcherduell. Beide spielen bisher eine exzellente Postseason. Für Charlie Morton (3.62 ERA, 3.46 FIP), Houstons Pitcher für Spiel vier, war es bislange eher ein Auf und Ab: Einem mittelmäßigen Auftritt gegen Boston (4.1 Innnings, 7 Hits, 2 Runs) folgten gegen die Yankees ein schlechter (3.2 Innings, 6 Hits, 7 Runs) und ein richtig guter (5.0 Innnings, 2 Hits, 0 Runs). Ich bin gespannt, welchen Charlie Morton wir Samstagnacht erleben und wen die Dodgers ihm entgegen setzen werden. Voraussichtlich wird es Alex Wood (2.72 ERA, 3.32 FIP) sein, aber es steht auch die Überlegung im Raum, Clayton Kershaw mit verkürzter Erholungspause erneut auf den Mound zu schicken. Beide Astros-Starter der kommenden Spiele, McCullers und Morton, haben übrigens in ihrer gesamten Karriere deutlich bessere Werte in Heimspielen erzielt als in Auswärtsspielen.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils um 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Szene der Woche
Ein letzter Rückbezug zur ALCS sei mir hier erlaubt, denn das alles entscheidende Spiel sieben habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Astros setzten sich mit 4:0 gegen die Yankees durch, was nach einer klaren Angelegenheit klingt, aber mindestens einmal auf Messers Schneider stand: Die Astros hatten im unteren vierten Inning gerade durch einen Homerun von Evan Gattis das 1:0 erzielt, als im oberen fünften die Yankees durch einen Double von Greg Bird erstmals in Scoring Position kamen. Durch einen Wild Pitch rückte Bird weiter auf die dritte Base und als Todd Frazier einen Groundball schlug, sah es so aus, als würde Bird zum 1:1-Ausgleich nach Hause kommen. Doch Astros-3B Alex Bregman gelang ein auf den Zentimeter perfekt platzierter Wurf zu Catcher Brian McCann und damit das Out an der Homeplate. Es war die Schlüsselszene des Spiels, näher kamen die Yankees nicht mehr heran an die World-Series-Teilnahme. Im folgenden Halbinning zogen die Astros auf 4:0 davon.

Statistik der Woche 
5. So viele Homeruns in Extra-Innings gab es noch nie, weder in einem regulären Saisonspiel noch in den Playoffs. Ausgerechnet in der World Series stellten die Houston Astros und die Los Angeles Dodgers letzte Nacht diesen Rekord auf. Auch die 8 Homeruns im Spiel insgesamt sind ein Rekord, wenn auch „nur“ für World-Series-Spiele. Die World Series setzt damit einen Trend fort, der ligaweit bereits dazu geführt hatte, dass in der regulären Saison 2017 mit 6105 Homeruns so viele erzielt wurden wie noch nie zuvor.

Spiel der Woche
An dieser Stelle kann dieses Mal ganz eindeutig nur Spiel zwei der World Series aus der vergangenen Nacht genannt werden. Aufregender geht es kaum: Es gab mehrere Führungswechsel, zwei extrem ereignisreiche Extra-Innings inklusive der oben erwähnten Homerun-Rekorde und am Ende einen „Schuldigen“ an der Niederlage, den nach dem bisherigen Verlauf der Playoffs wohl niemand erwartet hatte: den Bullpen der Dodgers. Zumindest einen Teil des Vorwurfs muss aber auch Manager Dave Roberts auf sich nehmen – er hatte seinen Starter Rich Hill ohne erkennbare Not nach vier Innings (3 Hits, 1 Run, 7 Strikeouts) vom Mound genommen, wodurch ihm nach hinten heraus die Reliever knapp wurden. Closer Kenley Jansen war für untypische sechs Outs gefordert und leistete sich prompt den noch untypischeren blown Save durch einen von Brandon Morrow geerbten Run im achten und einen selbst verdienten Homerun von Marwin Gonzalez im neunten Inning. Josh Fields machte seine Sache im zehnten Inning noch schlechter, ließ Homeruns von Jose Altuve und Carlos Correa zu und schaffte kein einziges Out. Das Spiel schien gelaufen, doch auch Astros-Closer Ken Giles hatte – nicht zum ersten Mal in dieser Postseason – keinen guten Tag und ließ LA zum Ausgleich kommen. Der wurde aber gleich wieder verschenkt, als der mittlerweile neunte eingesetzte Pitcher der Dodgers, Brandon McCarthy, einen Single von Cameron Maybin und anschließend den Homerun von George Springer zuließ. Noch war das Spiel nicht zuende, denn auch Astros-Reliever Chris Devenski ließ noch einen Homerun zu. Über den freute sich Charlie Culberson als hätte er gerade die World Series gewonnen, bevor ihm jemand verriet, dass es nur das 6:7 und nicht der Ausgleich war. Einen Strikeout gegen Yasiel Puig später war dann auch Schluss und die Astros hatten die World Series auf 1:1 ausgeglichen.

Spiel der kommenden Woche
Es ist natürlich irgendwie witzlos, mitten in der World Series ein einzelnes Spiel als Einschalttipp herauszugreifen. Aber wenn man nicht alle Partien sehen kann oder will, empfehlen sich vor allem jene, in denen die Entscheidung fallen kann. Da es zurzeit 1:1 steht, ist das in der Best-of-Seven-Serie frühestens Sonntagnacht in Spiel fünf in Houston möglich. Ich erinnere noch mal daran, dass dieses wegen der Uhrumstellung bereits um 1 Uhr unserer Zeit beginnt – nicht dass ihr eine Stunde verpasst, nachdem ihr euch extra den Brückentag am Montag frei genommen habt, um die Nacht davor ohne schlechtes Gewissen mit Baseball verbringen zu können…

Oktober 26th, 2017 by