Grand Slam am Donnerstag 43/2019

Die World Series macht heute ihre erste – und vielleicht einzige – Reisepause. Die Washington Nationals sind sensationell in die Finalserie gestartet, haben beide Auswärtsspiele gewonnen und zwar ausgerechnet gegen Houstons Top-Starter Gerrit Cole und Justin Verlander. Die Nationals sind somit nur noch zwei Siege vom Gewinn der Meisterschaft entfernt und genießen in den nächsten drei Partien Heimvorteil.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“ und unterscheide auch nicht nach National League und American League. Stattdessen werfe ich neben der Übersicht zur World Series einen Blick darauf, was sich im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen stellen gerade wichtige Weichen für die Zukunft.

Die World Series
Spiel eins war direkt ein Paukenschlag aus Sicht der Nationals. Seit Anfang Juli hatten die Astros kein Spiel mehr verloren, in dem Gerrit Cole der Starting Pitcher war. Die Nationals beendeten diese Serie mit einem 5:4-Sieg, bei dem alle fünf Runs gegen Cole gelangen. Die Astros hatten im ersten Inning eine 2:0-Führung vorgelegt und Washingtons Starter Max Scherzer wirkte ungewohnt wacklig, ließ aber für den Rest seiner fünf Innings keine weiteren Runs zu. Der Held auf Seiten der Nationals war einmal mehr der kommende Superstar Juan Soto. Der 20-Jährige trug drei Hits zum Erfolg seines Teams bei, darunter einen gewaltigen Homerun im zum 2:2 im vierten und einen 2-Run-Double an die Mauer zum 5:2 im fünften Inning. Gegen Washingtons Bullpen brachte George Springer die Astros durch einen Homerun und ein Double noch einmal heran, doch die Wende gelang nicht.

Das Ergebnis von Spiel zwei aus der vergangenen Nacht war mit 12:3 für die Nationals am Ende sehr deutlich, doch über weite Strecken war es eine spannende Partie. Justin Verlander und Stephen Strasburg ließen im ersten Innings je zwei Runs zu, ansonsten war es das erwartete Duell zweier Spitzen-Pitcher – bis im siebten Durchgang die Astros komplett implodierten. Nationals-Catcher Kurt Suzuki eröffnete mit einem Leadoff-Homerun, Victor Robles holte einen Walk heraus und damit war Verlanders Arbeitstag beendet. Star-Reliever Ryan Pressly übernahm, erwischte aber einen rabenschwarzen Tag und ließ weitere fünf Runs zu – drei davon gehen auf sein Konto, einer wegen des Walks noch auf das von Verlander und einer auf das von Third Baseman Alex Bregman, der uncharakteristische Schwächen im Fielding zeigte. Das Spiel war damit faktisch gelaufen, die Nationals legten im achten und neunten Inning noch drei Runs nach, bevor Martin Maldonado mit seinem Homerun zum 3:12 ein letztes bisschen Ergebniskosmetik betrieb.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Washington (drei, sofern die Astros wenigstens einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Minute Maid Park ist, dass die Partien im Nationals Park Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Nationals sein, deren Pitcher das aus dem Alltag in der National League gewohnt sind.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Zack Greinke für die Astros und Anibal Sanchez fur die Nationals antreten. Sanchez erhält den Vorzug gegenüber Patrick Corbin, weil Letzterer in Spiel eins als Reliever eingesetzt wurde. Voraussichtlich wird Corbin in Spiel vier starten, während die Astros entscheiden müssen, ob sie mit dem Rücken zur Wand Cole trotz verkürzter Erholungspause ein zweites Mal auf den Mound schicken.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Der Rest der Liga
Eine Woche, nachdem Joe Maddon einen neuen Arbeitsplatz als Manager der Los Angeles Angels gefunden hat, präsentieren die Chicago Cubs Maddons Nachfolger: David Ross soll ab sofort die Geschicke der Cubs lenken. Der 42-Jährige ist ein Neuling in diesem Job. Bis 2016 war er noch als Spieler für die Cubs im Einsatz und maßgeblich am Gewinn der World Series beteiligt. Im Anschluss daran beendete er seine Karriere und war seitdem als Assistenztrainer sowie als TV-Analyst aktiv.

Weiterhin auf der Suche nach einem neuen sportlich Verantwortlichen sind die Pittsburgh Pirates, die San Diego Padres, die New York Mets, die Philadelphia Phillies, die San Francisco Giants und die Kansas City Royals. Ein besonders heiß umworbener Kandidat für eine der freien Stellen ist Joe Girardi, der einst sehr erfolgreich bei den New York Yankees tätig war. Girardi hat vorgestern angekündigt, seine Entscheidung in 48 Stunden bekannt geben zu wollen – also heute. Als Favorit auf seine Unterschrift gelten die Phillies, Außenseiterchancen werden den Mets zugerechnet.

Falls Girardi zu den Mets geht, darf er dort mit dem amtierenden Rookie of the Year der National League arbeiten. Wie gestern bekannt wurde, ist Pete Alonso mit überwältigender Mehrheit von den amerikanischen Baseballjournalisten zum Träger dieses Titels gewählt worden. Auch in der American League war die Entscheidung deutlich: Dort ist Yordan Alvarez von den Houston Astros der Neuling des Jahres.

Szene der Woche
Man hat schon schönere Abschiede erlebt als den von C. C. Sabathia. Bei geladenen Bases im achten Inning musste er sich mit einer Schulterverletzung auswechseln lassen. Immerhin waren ihm stehende Ovationen und „CC, CC“-Rufe der heimischen Fans vergönnt, denn obwohl er es erst hinterher offiziell bestätigte, war in dem Moment für alle offensichtlich, dass man die letzten Pitches einer großen und bewegten Karriere gesehen hatte. 19 Jahre war er in der MLB aktiv, davon acht für die Cleveland Indians und elf für die New York Yankees mit einem kurzen Zwischenspiel bei den Milwaukee Brewers. 2007 gewann er bei den Indians den Cy-Young-Award, 2009 mit den Yankees die World Series, sechsmal wurde er ins All-Star-Team gewählt. Es gab aber auch einige verschenkte Jahre, in denen er mit verlorener Pitchgeschwindigkeit, häufigen Verletzungen und Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Dass er sich aus all dem zurück gekämpft und im relativ hohen Sportleralter einen zweiten Frühling erlebt hat, machte ihn zu einem Publikumsliebling. Symptomatisch für seine Einstellung ist der Satz, mit dem er seinen Abschied vom aktiven Baseball bekannt gab: „I threw until I couldn’t anymore.“

Statistik der Woche
10 von 13. In so vielen Fällen gewann ein Team, das nach zwei Auswärtsspielen mit 2:0 Siegen vorne lag, am Ende die World Series.

Oktober 24th, 2019 by