Grand Slam am Donnerstag 44/2016: Die Cubs gewinnen die World Series

Ein letztes Mal für dieses Jahr dreht sich der Grand Slam am Donnerstag heute ausschließlich um die World Series. Ab nächster Woche werde ich den regelmäßigen Artikel dafür nutzen, um wieder mehr in die Breite zu schauen und zusammenzufassen, was sich während der Offseason bei den Teams der MLB tut. Ich freue mich, wenn ihr auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier reinschaut. Ich habe mir ein bisschen was ausgedacht, um die Zeit bis zum Frühjahr zu überbrücken und ich möchte auch Anregungen von euch aufgreifen. Mehr dazu im Laufe des kommenden Wochenendes.

Die World Series
Ich hatte schon zu Beginn meiner Vorschau auf die World Series geschrieben, dass es mir manchmal so vorkommt, als gäbe es ein heimliches Drehbuch für die MLB. Dieser Eindruck hat sich durch die mitreißende Serie noch verfestigt. Die Dramaturgie, dass ausgerechnet die beiden am längsten titellosen Teams aufeinander treffen; dass der Underdog aus Cleveland durch zwei Auswärtssiege auf 3:1 davonzieht; dass die Cubs durch ihrerseits drei Auswärtssiege das Ruder herumreißen; dass in Spiel 7 wiederum die Indians einen hohen Rückstand aufholen, nur um dann nach zehn Innings und einer Regenpause knapp zu scheitern; ganz abgesehen von den vielen kleinen Geschichten um Theo Epstein und Terry Francona, um Kyle Schwarber und um Coco Crisp und so weiter und so fort – das alles könnte man sich kaum besser ausdenken als es in Wirklichkeit geworden ist. Oder wie es die Kollegen von Just Baseball formuliert haben: „Disney hätte das Drehbuch abgelehnt, so cheesy ist es.“

Spiel 7 hat die gesamte vorherige Serie noch einmal getoppt. Und obwohl ich dieses Mal wegen anhaltender Erfolglosigkeit meiner Tipps darauf verzichtet hatte, einen Sieger zu prognostizieren, lag ich schon wieder daneben. Denn ich hatte aufgrund der vielen verfügbaren Top-Pitcher ein Spiel mit wenigen Runs vorausgesagt und das 8:7 war alles andere als das.

Schon der Leadoff-Hitter des oberen ersten Innings, Dexter Fowler, besorgte per Solo-Homerun den ersten Score. Den konnten die Indians im dritten Inning ausgleichen, doch die Cubs legten nach und führten zwischenzeitlich 5:1 und 6:3. Clevelands Starter Corey Kluber war deutlich anzumerken, dass er zum zweiten Mal in Folge mit verkürzter Erholungspause von nur drei Tagen pitchte. Er musste nach vier Innings und ebenso vielen earned Runs weichen, doch auch Andrew Miller war heute nicht ganz er selbst und ließ vier Hits, einen Walk und zwei Runs zu.

Auf der anderen Seite machte Kyle Hendricks seine Sache besser, wenngleich er schon nach 4.2 Innings der Ungeduld von Manager Joe Maddon zum Opfer fiel. Die Cubs brachten sich dadurch in Zugzwang, nach weiteren drei Innings von Jon Lester im achten Inning Aroldis Chapman einzuwechseln, der bereits an den Vortagen für seine Verhältnisse außergewöhnlich viele Pitches hatte werfen müssen. Es zeigte sich, dass auch ein Ass wie Chapman offenbar nicht vor körperlicher Erschöpfung gefeit ist. Jedenfalls ist das die naheliegende Erklärung dafür, dass Chapman das Spiel entglitt und unter seiner Regie die 6:3-Führung verloren ging, noch bevor er sein erstes Aus erzielte.

Mit 6:6 ging die Partie in die Verlängerung und die Indians schienen nach dem Comeback das Momentum auf ihrer Seite zu haben. Dieses wurde jedoch ein Stückweit ausgebremst durch eine Regenunterbrechung, die Chicagos Jason Heyward für eine Motivationsrede an seine Teamkameraden nutzte. Sie scheint geholfen zu haben, denn unmittelbar danach eroberten die Cubs im zehnten Inning die Führung zurück und gaben sie nicht mehr her.

Spielzug der Woche
Es fällt schwer, nach so einem großartigen Spiel und so einer großartigen Serie einen einzelnen Spielzug herauszugreifen, aber von meiner Seite aus wird diese Ehre dem Homerun von David Ross zuteil – nicht unbedingt, weil es ein besonders spektakulärer gewesen wäre und es war auch nicht der wichtigste, aber es war einfach ein genialer Abschied für den 39-jährigen Catcher der Cubs. Im letzten Spiel der Karriere die World Series gewinnen und selbst einen Homerun dazu beitragen – das ist auch wieder so ein drehbuchverdächtiger Moment.

Statistik der Woche
1 Win. Den hat sich Aroldis Chapman in Spiel 7 „verdient“ und damit dankenswerterweise dem größtmöglichen Publikum mein Lieblingsreizthema vorgeführt, nämlich den Unsinn der Win-Statistik für Pitcher. Das „Verdienen“ sah in dem Fall so aus, dass Chapman im achten Inning beim Stand von 6:3 auf den Mound kam, einen Double von Brandon Guyer und einen Homerun von Rajai Davis zuließ und nach dem neunten Inning das Spiel beim Stand von 6:6 verließ. Weil aber seine Teamkameraden im Top des zehnten Innings die beiden Runs besorgten, die letztlich den Sieg bedeuteten, und weil Chapman offiziell erst zu Beginn des Bottom des zehnten Innings ausgewechselt wurde, steht ihm der Win zu. Deswegen steht nun für alle Zeiten unter dem Ergebnis des entscheidenden Spiels, in dem die Cubs erstmals nach 108 Jahren die World Series geholt haben, dass dieses von Aroldis Chapman gewonnen wurde. An seiner Stelle wäre mir das unangenehm, aber er kann ja nichts dafür, dass es diese dämlichste aller Statistiken gibt und dass sie einen ungebrochen hohen Stellenwert genießt.

Spiel der Woche
Das kann dieses Mal nur Spiel 7 der World Series sein, über das ich mich weiter oben schon ausgelassen habe.

Spiel der kommenden Woche
Kaum zu glauben, nachdem der Baseball in den letzten sieben Monaten ein ständiger Begleiter war, aber es ist wahr: Die Saison ist vorbei. Jedenfalls in der MLB und in der Bundesliga sowieso schon lange. Deswegen gibt es dieses Mal keinen Ausblick auf ein Spiel der Woche, dafür aber ein paar Tipps, wo man in dringenden Fällen noch eine Dosis Baseball herbekommt: zum einen natürlich in unbegrenzter Menge in Konservenform, wenn man ein Abo von mlb-tv hat; zum anderen gibt es aber auch ein paar Ligen, in denen aktuell noch (oder schon) gespielt wird. Am interessantesten für den MLB-Fan ist die Arizona Fall League, in der noch bis 19. November zahlreiche potenzielle Stars von morgen (und außerdem auch Tim Tebow) Spielpraxis sammeln. Ebenfalls eine Menge Top-Proespects gibt es in den Caribbean Leagues zu sehen, die seit Oktober und noch bis Ende des Jahres in Mexiko, Venezuela, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik spielen. Und vom 17. November bis Ende Januar findet auf der anderen Seite des Globus die Australian Baseball League statt. Erfahrungsgemäß landen hier neben den Einheimischen viele Spieler sowohl aus den Minor Leagues als auch aus Europa, die im Winter unter Wettkampfbedingungen an sich arbeiten wollen. Viele Spiele der AFL werden kostenlos gestreamt.

November 3rd, 2016 by