Grand Slam am Donnerstag 44/2019: Nationals gewinnen die World Series

Was für ein Wahnsinnsjahr für die Washington Nationals! Vor der Saison verloren sie in Bryce Harper ihren größten Star und nach zwei Monaten standen sie so mies da, dass ihre Playoff-Hoffnungen allgemein als totgesagt galten. Sie schafften es dann doch noch gerade so in die Postseason, kamen dort zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte eine Runde weiter, dann noch eine und noch eine – und finden sich plötzlich am Ziel aller Träume als Champion der MLB wieder. Den Schlussakkord setzte letzte Nacht ein 6:2-Comebacksieg über die Houston Astros in Spiel 7 einer komplett verrückten World Series, in der sämtliche Partien an das jeweilige Auswärtsteam gingen.

Die World Series
Vor einer Woche sah es bereits sehr gut für die Nationals aus, weil sie damals nach zwei Spielen in Houston 2:0 vorne gelegen hatten. Doch die Astros kämpften sich zurück, holten in Washington mit 4:1, 8:1 und 7:1 drei rundum überzeugende Siege. Das Momentum war zurück auf ihrer Seite und sie schienen drauf und dran, als erster Champion seit den Red Sox 2013 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern zu dürfen.

Dazu allerdings hätte es dann doch mal eines Heimsieges bedurft und der wollte einfach nicht passieren. In Spiel 6 entschied Stephen Strasburg zum zweiten Mal in dieser Serie das Pitcherduell für sich und verhalf seinen Nationals – gemeinsam mit ein paar gewaltigen Homeruns von Adam Eaton, Juan Soto und Anthony Rendon – zu einem 7:2-Erfolg. Strasburg wurde übrigens nach dem Abschluss der World Series zu deren wertvollstem Spieler gewählt und erhielt dafür einen schicken Sportwagen.

Spiel 7 sah ein weiteres beeindruckendes Pitching-Matchup: Zack Greinke, Cy-Young-Gewinner 2009, gegen Max Scherzer, Cy-Young-Gewinner 2013, 2016 und 2017. Dass es dazu kam, ist dem Wundermittel Cortison zu verdanken, denn durch eine entsprechende Behandlung war Scherzer rechtzeitig fit geworden, nachdem er seinen Start in Spiel 5 mit Nackenbeschwerden hatte absagen müssen. Beide Starter lieferten ein starkes Spiel, wobei Greinke zunächst den besseren Auftritt hatte: Er ließ in 6 Innings nur einen Hit und keine Runs zu, während Scherzer sich zweimal überwinden ließ – erst durch einen Homerun von Yuli Gurriel, dann durch einen von Nationals-3B Anthony Rendon ungünstig ablenkten RBI-Single von Carlos Correa.  Eben jener Rendon machte seinen Fehler wieder gut, indem er im siebten Inning einen Solo-Homerun gegen Greinke schlug. Für Greinke war kurz darauf der Arbeitstag beendet. Den Mound übernahm Will Harris, dessen zweiter Pitch von Howie Kendrick zum 2-Run-Homerun geschlagen wurde und somit den Nationals die Führung brachte, die sie nicht mehr hergaben. Durch Hits von Soto im 8. und Eaton im 9. Inning erhöhte Washington auf 6:2, während Patrick Corbin und Daniel Hudson den Astros keine Chance gaben, offensiv noch etwas zu bewegen.

Die sieben Auswärtssiege in einer Best-of-7-Serie sind übrigens eine Kuriosität, deren Einmaligkeit über den Baseball hinausgeht: Nicht nur in der MLB, sondern auch in den anderen großen US-Ligen mit solchen Serien – der Basketballliga NBA und der Eishockeyliga NHL – hat es so etwas bisher noch nie gegeben.

Szene der Woche
Klarer Fall, die Szene der Woche ist der Empfang der World-Series-Trophäe durch die Nationals:

Statistik der Woche
19-31. So lautete die Bilanz der Washington Nationals nach 50 Spielen in diesem Jahr. Das ist der schlechteste Record, mit dem je ein späterer World-Champion in die Saison gestartet ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die World Series gewinnen, lag für die Nationals nach diesen 50 Spielen bei unter 0,1%.

Der Rest der Liga
Zwei Teams haben seit letzter Woche neue Field Manager verpflichtet: Die Philadelphia Phillies haben sich wie erwartet mit Joe Girardi geeinigt. Der ehemalige Meistercoach der New York Yankees ist nach zwei Jahren Pause zurück im Geschäft und strebt an, Bryce Harper & Co. zurück in die Erfolgsspur zu führen. Dorthin wollen auch die San Diego Padres mit Jayce Tingler. Der Nachfolger von Andy Green ist in diesem Job ein Neuling, bringt aber Erfahrungen aus verschiedenen Coaching- und Management-Rollen bei den Texas Rangers mit und hat die Verantwortlichen der Padres überzeugt, dass er das Team aufs nächste Level führen kann.

Mit den Padres, den Phillies, den Angels (Joe Maddon) und den Cubs (David Ross) ist nun die Hälfte der Teams, die einen neuen Manager gesucht haben, fündig geworden. Offen sind noch die Stellen bei den New York Mets, den Pittsburgh Pirates, den San Francisco Giants und den Kansas City Royals.

Ich hoffe, ihr schaut auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier rein; im Grand Slam am Donnnerstag lest ihr auch in der Offseason jede Woche das Neueste rund um die MLB. Und bevor jemand fragt: Ja, es wird auch in diesem Jahr das traditionelle Baseblog-Offseason-Wunschkonzert geben. Der Artikel dazu geht innerhalb der nächsten Tage online.

Oktober 31st, 2019 by