Grand Slam am Donnerstag 47/2017

Diese Woche könnte man eine ganze Folge des Grand Slam am Donnerstag einem einzigen Team widmen: Die Atlanta Braves beherrschten die MLB-News – im Positiven, aber auch und leider vor allem im Negativen. Zum Glück gibt es ein paar verlässliche Dauerbrenner-Themen, dank derer man auch ein bisschen was schreiben kann, was nichts mit den Braves zu tun hat: die Frage, für wen Giancarlo Stanton nächstes Jahr seine Homeruns schlagen wird, die ersehnte Ankunft von Supertalent Shohei Otani und natürlich wieder einige Trades der Seattle Mariners. Außerdem wachsen seit dieser Woche die Spekulationen um eine schon lange diskutierte mögliche Regeländerung. Und bevor ich es vergesse: Happy Thanksgiving an alle, die diesen Tag in irgendeiner Weise feiern!

Braves dominieren die Arizona Fall League
Die wichtigste Herbstliga für MLB-Talente, die Arizona Fall League, hat am Samstag ihre Saison abgeschlossen. Im Finale siegten die Peoria Javelinas 8:2 gegen die Mesa Solar Sox und was von der AFL-Spielzeit 2017 hängen bleibt, sind vor allem die Leistungen der Prospects der Atlanta Braves. Wie jedes Team der AFL werden die Javelinas mit Nachwuchs aus mehreren MLB-Franchises bestückt, doch die der Braves ragten deutlich heraus. Das gilt vor allem für den 19-jährigen Outfielder Ronald Acuna, der zum MVP der AFL-Saison gewählt wurde. Aber auch Infielder Austin Riley, Catcher Alex Jackson und Pitcher Max Fried hatten großen Anteil am Erfolg von Peoria. Das Farmsystem der Braves könnte somit der große Gewinner dieser Offseason sein, wenn da nicht diese unangenehme andere Sache wäre:

Harte Strafen gegen die Braves und ihren Ex-GM 
Wie ich letzte Woche schon berichtet hatte, haben die Braves sich dabei erwischen lassen, dass sie mehrere Regeln verletzt haben, vor allem im Bereich der Verpflichtung von internationalen Talenten. Im Wesentlichen ging es darum, dass sie die dafür von der MLB festgelegten Budgetgrenzen umgingen, indem sie mehreren Spielern zusätzliche verschleierte Zahlungen zukommen ließen. Die MLB hat nun die Strafen für die Verstöße bekannt gegeben und man kann sie durchaus als drastisch beschreiben: Die Braves verlieren 13 ihrer internationalen Talente, darunter den hoch gehandelten venezolanischen Shortstop Kevin Maitan. Die restlichen betroffenen Spieler sind Juan Contreras, Yefri del Rosario, Abrahan Gutierrez, Juan Carlos Negret, Yenci Peña, Yunior Severino, Livan Soto, Guillermo Zuniga, Brandol Mezquita, Angel Rojas, Antonio Sucre und Ji Hwan Bae. Sie alle sind nun wieder Free Agents und können ab einem Zeitpunkt in ca. zwei Wochen von jedem MLB-Team verpflichtet werden. Die Braves dürfen derweil bis 2020 lediglich Talente aus dem Ausland verpflichten, die mit einem Bonus von unter 10.000 Dollar zufrieden sind, und 2021 verfügen sie nur über die Hälfte des Budgets für Auslandsverpflichtungen. Persönlich bestraft wurden der ehemalige General Manager der Braves, John Coppolella, mit einem lebenslänglichen sowie sein Assistent Gordon Blakely mit einem einjährigen Beschäftigungsverbot innerhalb der MLB. Zu unguter Letzt verlieren die Braves ihren Drittrundenpick in der nächsten Draft, nachdem sie auch einem gedrafteten Spieler eine unzulässige Zahlung angeboten hatten.

Rücktritt von John Hart 
Und noch mal die Braves: Der bisherige Teampräsident John Hart war letzte Woche im Zuge der Anstellung des neuen GM Alex Anthopoulos entmachtet worden, auch darüber hatte ich berichtet. Mit der ihm zugedachten neue Rolle als „Senior Advisor“ konnte Hart sich offenbar nicht anfreunden, denn wenige Tage später gab er seinen Rücktritt bekannt. Vermutlich ist das ein Schritt, auf den die Braves gehofft hatten, denn wenn eine Franchise je einen kompletten Neuanfang im Front Office nötig hatte, dann sicher diese. Ob und inwiefern Hart eine Rolle bei den Regelverstößen der Braves gespielt hatte, bleibt derweil unklar. Bei den von der MLB ausgesprochenen Strafen ging er leer aus, da man ihm wohl glaubte – oder zumindest nichts anderes beweisen konnte –, dass er von den Vorgängen nichts mitbekommen hatte.

Verhandlungen um Stanton nehmen Fahrt auf
Für den heißesten Trade-Kandidaten der Offseason liegen die ersten konkreten Angebote vor: Die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals sind in konkrete Verhandlungen mit den Miami Marlins um den MVP der National League eingetreten. Neben diesen beiden Teams gelten die Boston Red Sox und die Los Angeles Dodgers als realistische Kandidaten für eine Aufnahme von Stanton mitsamt seinem teuren Vertrag. Dieser Vertrag sichert Stanton nicht nur 295 Millionen Dollar und eine Anstellung bis 2027, sondern auch das letzte Wort bei einem möglichen Trade. Ohne seine Zustimmung können die Marlins keinen Deal eingehen. Nicht zuletzt deshalb gelten die Giants als Favorit, das Rennen um Stantons Dienste zu machen. Denn der gebürtige Kalifornier wird wohl eher geneigt sein, in seinen Heimatstaat zu wechseln als beispielsweise nach St. Louis.

Der Weg für Otani ist frei
Der Hype um den japanischen Pitcher und Outfielder Shohei Otani strebt seinem Höhepunkt zu: Nach zähen Verhandlungen zwischen der MLB, der Spielergewerkschaft MLBPA und der japanischen Liga NPB hat man sich auf ein Verfahren geeinigt, nach dem Otanis Wechsel in die MLB ablaufen kann. Es ging dabei vor allem um die Modaltitäten, nach denen sein bisheriger Klub, die Nippon Ham Fighters, bei einem Wechsel entschädigt wird. Was Otani selbst aus einem ersten MLB-Vertrag herausholen kann, war vorher klar: Als ausländischer Spieler unter 25 fällt er unter den Budgetdeckel, der ihm unter günstigsten Umständen rund 10 Millionen Dollar ermöglichen würde. Tatsächlich liegt die höchste derzeit bei einem Team verfügbare Summe bei 3,535 Millionen, die die Texas Rangers investieren könnten, gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Nebenverabredungen wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geben, denn so etwas werden sich die Teams nach dem rigorosen Durchgreifen der Liga gegen die Braves mehr als zweimal überlegen.

Die Mariners-Trades der Woche
Was wäre eine Offseason-Woche ohne Trades der Seattle Mariners? Diese Woche schickte der rührige Mariners-GM Jerry Dipoto Reliever Thyago Vieira gegen 500.000 Dollar Budget für internationale Verpflichtungen zu den Chicago White Sox sowie die Pitching-Talente Juan Then und J.P. Sears im Austausch gegen Pitcher Nick Rumbelow zu den New York Yankees. Das sind alles keine bedeutenden Namen, aber hinter dem Trade mit den White Sox könnte sich Größeres verbergen: Die Mariners gelten nämlich als eines der Teams, die sich stark um Shohei Otani bemühen wollen und die aus Chicago erhaltene halbe Million erhöht das Budget, das sie Otani für einen Vertrag anbieten können.

Kommt die Pitch-Clock schon 2018?
Das Ziel der MLB-Führung, die Dauer von Baseballspielen zu reduzieren, ist allgemein bekannt. Ein Mittel, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll, ist die Einführung einer Pitch-Clock. Diese Uhr soll die Zeit messen und begrenzen, die ein Pitcher sich zwischen einem Pitch und dem Beginn der Bewegung zum nächsten Pitch nehmen darf. Nachdem die Pitch Clock seit 2014 auf verschiedenen Levels der Minor Leagues getestet wurde, scheint ihre Einführung in die Major Leagues nun unmittelbar bevorzustehen, wie Buster Olney und andere MLB-Journalisten vermelden. Unter den Spielern – insbesondere natürlich den Pitchern – gelten diese Pläne als nicht gerade beliebt, doch die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred hat die Macht, die entsprechende Regeländerung auf eigene Faust zur kommenden Saison einzuführen. Von daher ist die Verhandlungsposition der Spielergewerkschaft MLBPA schwach und es wäre für sie schon ein Erfolg, wenn sie ein etwas großzügigeres Limit als die vorgesehenen 20 Sekunden herausholen könnte. 20 Sekunden würden von fast allen Pitchern eine Anpassung ihrer Spielweise verlangen, der Durchschnitt für die Zeit zwischen Pitches lag 2017 bei 23,5 Sekunden. Aber auch die Batter müssten einige Gewohnheiten ändern, damit die Zeiten eingehalten werden können – aus der Box herauszutreten, die Handschuhe zurechtzuziehen, einen zusätzlichen Übungsschwung auszuführen sind allesamt Praktiken, die heute zum Alltag des Spiels gehören, in ein paar Monaten aber bereits weitgehend Geschichte sein könnten.

November 23rd, 2017 by