Grand Slam am Donnerstag 48/2017

Saure-Gurken-Zeit oder die Ruhe vor dem Sturm? Auf jeden Fall hat sich in den letzten Tagen nicht viel getan in der MLB und es spricht schon eine deutliche Sprache, wenn die Verpflichtung eines Relievers durch die Athletics die interessanteste Meldung der Woche darstellt. Ansonsten wird weiterhin munter über den zukünftigen Verbleib von Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani1 spekuliert und die Yankees suchen immer noch einen neuen Manager. Für meinen Geschmack dürfte nun mal die eine oder andere Entscheidung fallen, sonst schlägt die Spannung bald um in Langeweile.

Yusmeiro Petit unterschreibt in Oakland 
Einen einzigen nennenswerten Free-Agent-Move gab es diese Woche: Relief-Pitcher Yusmeiro Petit geht für zwei Jahre und zehn Millionen Dollar zu den Oakland Athletics. Zusätzlich gibt es eine Team-Option auf ein drittes Jahr für 5,5 Millionen. Der 33-jährige Rechtshänder hatte bei den Los Angeles Angels mit 87.1 gepitchten Innings und einem ERA von 2.76 ein gutes Jahr, in dem er sich schrittweise nach oben arbeitete von einem nachrangigen Reliever in die Setup-Rolle.

Ohtani bittet die Klubs zum Bewerbungsverfahren 
Die Absicht des japanische Star-Pitchers und -Outfielders Shohei Ohtani, in die USA zu wechseln, stößt seitens der MLB-Teams auf so großes Interesse, dass Ohtani und sein Agent Nez Balelo das übliche Verfahren einer Bewerbung kurzerhand auf den Kopf gestellt haben: Alle 30 Teams wurden von ihnen gebeten, schriftlich einen ausführlichen Fragenkatalog zu beantworten. In dem Fragebogen geht es in erster Linie darum, wie die Klubs Ohtanis Fähigkeiten einschätzen, wie sie sich die Verteilung seiner Einsätze als Pitcher und/oder Positionsspieler vorstellen und warum sie ihren Verein und ihre Stadt für die beste Wahl halten. Nachdem sich die Konditionen eines möglichen Wechsels von den Nippon Ham Fighters letzte Woche geklärt haben, kann Ohtani ab dem kommenden Wochenende von einem MLB-Team verpflichtet werden. Da er unter 25 ist, wird sein Vertrag in jedem Fall ein Minor-League-Vertrag sein, das heißt er verdient drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor er als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann. Was ihm die Teams jetzt schon anbieten können, ist ein Unterschriftsbonus im Rahmen eines vorgegebenen Budgets. Von diesem Budget haben die Texas Rangers mit 3,53 Millionen Dollar den größten noch verfügbaren Rahmen, dicht gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Ich bleibe bei meinem Tipp, dass Ohtani in der Bronx landen wird, aber denkbar ist alles mögliche – zum Beispiel, dass er gar nicht zu einem der ganz großen Teams will, sondern zu einem, bei dem er der unumstrittene Star sein kann; oder dass er lieber in die National League möchte als in die American League, weil dort die Chance höher ist, auch als Outfielder zum Einsatz zu kommen. Ohtani hat durchblicken lassen, dass er Japan auch deshalb verlässt, weil er dort zuletzt auf die Rollen als Pitcher und DH festgelegt worden war, während er lieber auch regelmäßig im Feld gespielt hätte.

Stantons Wunschliste 
Im Gegensatz zu Shohei Otani hat Giancarlo Stanton bereits unter Beweis gestellt, dass er in der MLB zu Höchstleistungen fähig ist. Wer ihn will, muss aber deutlich tiefer in die Tasche greifen, denn sein Vertrag sichert ihm noch 295 Millionen Dollar bis 2027. Die Miami Marlins werden auch eine Gegenleistung dafür haben wollen, dass sie Stanton ziehen lassen. Allerdings haben sie ihre Verhandlungsposition sicher nicht dadurch gestärkt, dass sie Stanton diese Woche offen gedroht haben, er solle einen Trade akzeptieren, sonst würde er in Miami bald in einem Team ohne sonstige Stars spielen. Spätestens jetzt ist für die anderen Teams klar, dass die Marlins den Outfielder und seinen Vertrag unbedingt loswerden wollen. Stanton hat bereits reagiert und dem Team eine Liste von Teams vorgelegt, zu denen er einen Wechsel akzeptieren würde. Die komplette Liste ist bislang nicht bekannt geworden, aber ganz oben stehen wohl die Los Angeles Dodgers. Stanton ist als Dodgers-Fan in Kalifornien aufgewachsen, daher wären die Dodgers das logische Ziel für ihn, zumal er bei dem World-Series-Teilnehmer auch die Chance hätte, um einen Titel zu spielen. Was einem Wechsel entgegen stehen könnte, ist allerdings die bereits jetzt ungünstige Gehaltsstruktur der Dodgers. Schon ohne Stanton werden sie 2018 über der Schwelle liegen, ab der eine Strafabgabe – die Luxury Tax – an die Liga fällig wird, mit Stanton wird diese Abgabe im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Yankees suchen weiter, Beltran ein Kandidat
Die New York Yankees nehmen sich nun schon über einen Monat Zeit bei der Suche nach einem neuen Manager. Mit fünf Kandidaten wurden bereits im Laufe der letzten Wochen Vorstellungsgespräche geführt:

  • Rob Thomson, Bench-Coach der Yankees
  • Eric Wedge, Berater bei den Blue Jays
  • Hensley Meulens, Bench-Coach der Giants
  • Aaron Boon, ESPN-Analyst
  • Chris Woodward, Third-Base-Coach der Dodgers

Offenbar hat noch keiner der Bewerber nachhaltig überzeugen können, denn es werden dieser Tage weitere Interviews geführt. Von den neuen Kandidaten ist bislang nur einer bekannt geworden: Carlos Beltran hatte sein Gespräch gestern. Der ehemalige Outfielder hatte erst zwei Wochen zuvor sein Karriereende als Spieler verkündet und bereits durchblicken lassen, dass er interessiert ist, zukünftig als Manager tätig zu sein. Über eine Anstellung Beltrans mit seinem bekanntermaßen guten Draht zu jungen Spielern würden sich Fans und Mitspieler sicher freuen, aber die fehlende Erfahrung in der Rolle des sportlich Verantwortlichen macht es in meinen Augen relativ unwahrscheinlich, dass man ihn direkt mit dem renommiertesten Baseball-Traineramt der Welt betraut.

1Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich ab heute nicht mehr „Otani“ schreibe, sondern „Ohtani“ mit „h“. Ich habe mich bezüglich der korrekten Schreibweise eines Besseren belehren lassen.

November 30th, 2017 by