Grand Slam am Donnerstag – KW 25/2016

Wie jeden Donnerstag blicke ich zurück auf das Geschehen der letzten sieben Tage sowie auf die aktuellen Stände in der MLB. Mit den Texas Rangers und den San Francisco Giants haben inzwischen zwei Teams in ihrer Bilanz fast zu den vor Kurzem noch weit enteilt scheinenden Chicago Cubs aufgeschlossen.

National League

Das Bild in der National League hat sich zwar insofern nicht verändert, dass nach wie vor in allen drei Divisionen die Spitzenreiter mit deutlichem Vorsprung führen. Neu ist jedoch, dass die Dominanz der Chicago Cubs (47-23), die die bisherige NL-Saison geprägt hatte, erheblich zusammengeschrumpft ist. Grund dafür ist vor allem der momentane Lauf der San Francisco Giants (46-27), die von ihren letzten elf Spielen zehn gewonnen haben.

Für die Los Angeles Dodgers (41-33) muss die Situation in der NL West frustrierend sein, denn auch sie sind zurzeit sehr gut drauf mit sechs Siegen in Folge, aber trotzdem kommen sie den Giants keinen Zentimeter näher. Dennoch war die Siegesserie natürlich wichtig und hilfreich, um einerseits nicht völlig den Anschluss zu verlieren und andererseits die Colorado Rockies (34-37) auf Distanz zu halten. Mit starker Offense und schwacher Defense – pro Spiel haben sie bisher 5,1:5,2 Runs gescort – sind die Rockies ein Garant für unterhaltsame Spiele, aber auch ein Garant dafür, dass das allenfalls für Mittelmaß reicht.

Die Cubs finden sich erstmals in diesem Jahr in einer nur mittelmäßigen Phase (8-8 in den letzten 16 Spielen) wieder und haben sich in den vergangenen drei Tagen zu Hause von NL-Central-Konkurrent St. Louis Cardinals (38-33) sweepen lassen. Man darf gespannt sein, wie sie mit diesen ersten Widrigkeiten auf dem bisher reibungslosen Durchmarsch umgehen. Grund zur Panik besteht aber nicht, denn die Cardinals stehen immer noch 9,5 Spiele hinter den Cubs und sind bereits der einzige verbliebene Verfolger, nachdem die Pittsburgh Pirates (34-38) mit bisher 5-16 in diesem Monat völlig von der Rolle sind und inzwischen unter .500 stehen – was für Milwaukee (32-40) und Cincinnati (28-44) ohnehin Normalzustand ist und bleiben wird.

Die NL East sah Anfang der Woche noch so aus, als ob ich hier über größere Umwälzungen berichten müsste: Die Washington Nationals (43-30) schienen dem Verfolger New York Mets (38-32) zu enteilen, welcher übers Wochenende einen Heim-Sweep ausgerechnet gegen die vermeintlich zahnlosen Atlanta Braves (24-47) kassiert hatte und sich für einen Tag sogar nur noch auf Platz drei hinter den überraschend konstanten Miami Marlins (38-34) wiederfand. Nach fünf Niederlagen der Nationals hintereinander und einem Mini-Sweep der Mets über die Kansas City Royals ist das Tabellenbild aber wieder das alte und die East immer noch die spannendste Division der NL.

American League

Genau wie in der National League findet sich auch in der American League die spannendste Division im Osten. Das letzten Donnerstag von mir zum Spiel der Woche erklärte Duell um die Spitze haben die Baltimore Orioles (41-30) gegen die Boston Red Sox (39-32) gewonnen und darauf gründet bis heute ihre knappe Führung in der Tabelle, in der auch die Toronto Blue Jays (40-34) noch voll dabei sind. Noch ein Wort zum Schlusslicht Tampa Bay Rays (31-39): Die wurden von mir letzte Woche noch lobend erwähnt, weil sie zwei starke Wochen gespielt hatten und fast schon bei .500 standen. Seitdem haben sie sieben Spiele in Folge verloren und sind nun wieder deutlich abgeschlagen. Andererseits, was heißt schon abgeschlagen? Mit 9,5 Spielen Rückstand auf Baltimore sind sie als Divisionsletzter verblüffenderweise nicht weiter weg vom Führenden als es in der NL Central und der AL West die Zweitplatzierten sind.

Der Zweitplatzierte in der AL West sind seit Neuestem die Houston Astros (37-36), die nach einer Serie von fünf Siegen zum ersten Mal nach Saisonbeginn über .500 stehen und damit die Seattle Mariners (36-36), die ihrerseits fünf Spiele hintereinander verloren haben, überholt haben. Mit 10 bzw. 10,5 Spielen Vorsprung auf die Astros und die Mariners wird es um die Texas Rangers (47-26) an der Spitze immer einsamer. Acht Siege stehen aus den letzten neun Spielen zu Buche und mit 16-5 die beste Juni-Bilanz der gesamten MLB.

Beim Korrekturlesen dieses Artikels ist mir gerade noch aufgefallen, dass ich im ersten Anlauf die AL Central vergessen hatte. Komisch, diese Division fliegt bei mir oft ein bisschen unter dem Radar und ich weiß nicht mal warum. Immerhin beherbergt sie als einzige Division vier Teams, die auf oder über .500 stehen, darunter die führenden Cleveland Indians (41-30) mit ihrer beeindruckenden Heimserie (siehe unten) und die amtierenden World Champions Kansas City Royals (38-33). Die Detroit Tigers (37-35) und die Chicago White Sox (36-36) sind ebenfalls nah an der Spitze dran und die Minnesota Twins (23-48) als einziges abgeschlagenes Team sind auch nicht uninteressant und sei es nur, weil dort Max Kepler spielt. Der hat am Sonntag gegen die Yankees seinen zweiten MLB-Homerun geschlagen und seine Slashline mittlerweile auf ordentliche .247/.319/.420 ausgebaut, in den letzten 14 Tagen waren es gar .311/.360/.556. Wenn er weiterhin so überzeugt, kann er sich wohl Hoffnung machen auch nach Miguel Sanos Genesung im MLB-Roster zu bleiben und zu spielen.

Spielzug der Woche

Heute Morgen beim Zähneputzen hat mich der spektakuläre Walk-Off der Dodgers gegen die Nationals glänzend unterhalten: Beim Spielstand von 2:3 im unteren neunten Inning mit einem Aus und Howie Kendrick auf der ersten Base schlug Yasiel Puig einen harten Grounder ins Center Field, aus dem quasi alles hätte werden können: Fängt ihn Danny Espinosa, wird es ein Double Play und das Spiel ist zu Ende; nimmt Michael Taylor ihn auf, wird es ein Single und das Spiel bleibt spannend; greift Michael Taylor am Ball vorbei, laufen beide Runner bis zur Homeplate durch und das Spiel ist ebenfalls zu Ende, nur eben andersherum, und genau das ist passiert. Taylor kann einem Leid tun, denn der „Little League Homerun“ (offiziell als Error gescort) war für ihn nur der letzte Akt eines Auftritts, den er ganz schnell vergessen möchte – an der Platte hatte es für ihn zuvor bei fünf Versuchen fünf Strikeouts gesetzt.

Statistik der Woche

11-0. Das ist die Heimspielbilanz der Cleveland Indians im Juni (für den Rest des Monats stehen nur noch Auswärtsspiele an). Es ist der erste perfekte Monat eines MLB-Teams im eigenen Stadion seit im September 2004 den Houston Astros das gleiche Kunststück gelungen ist. Zu den engen Favoriten auf die World Series zählen die Indians deswegen zwar in meinen Augen noch nicht, aber ich kann verstehen, dass in Cleveland nun viele vom ganz großen Erfolg träumen, wenn man das Team im Ballpark einen Monat lang immer nur gewinnen sieht und obendrein noch ganz im Freudentaumel über die frisch in die Stadt geholte NBA-Meisterschaft schwelgt.

Spiel der Woche

In den vergangenen sieben Tagen ist mir kein absolutes Kracherspiel ins Auge gefallen, aber eine interessante Eigenheit – sogar einen MLB-Rekord – gab es beim Aufeinandertreffen der Miami Marlins und der Colorado Rockies am Montag: Alle acht Runs beim 5:3-Sieg der Rockies wurden durch Solo-Homeruns erzielt; damit wurde der bisherige Rekord von fünf solcher Homeruns in einem Spiel ohne sonstige Scores regelrecht zerschmettert. Marcell Ozuna von den Marlins und Mark Reynolds von den Rockies spielten mit jeweils zwei Homeruns die Hauptrolle.

Spiel der kommenden Woche

Diese Woche wähle ich an der Stelle kein einzelnes Spiel sondern eine Serie und zwar die der New York Mets gegen die Washington Nationals, die von Montag bis Mittwoch ansteht. Wenn es bei den voraussichtlichen Startern bleibt, werden wir mit Syndergaard gegen Roark, Harvey gegen Ross und Matz gegen Scherzer drei sehr hochkarätige Pitcherduelle erleben und je nachdem, ob eines der Teams die Serie deutlich für sich entscheiden kann, kann davon eine Signalwirkung ausgehen, auf wie viel Spannung wir uns im Kampf um die NL East in nächster Zeit einstellen dürfen.

Juni 23rd, 2016 by