Grand Slam am Donnerstag – KW 26/2016

Der All-Star-Break naht mit großen Schritten und mit den Arizona Diamondbacks hat bereits das erste Team 81 absolvierte Spiele und damit eine halbe Saison auf dem Zähler. Höchste Zeit, mal wieder den aktuellen Stand der Dinge in der MLB zu rekapitulieren.

American League

Nachdem die Spitzen der East- und Central-Divisionen der American League ein paar Wochen lang heiß umkämpft waren, werden die Verhältnisse nun immer klarer und wir haben in allen drei Divisionen klare Favoriten auf den Gruppensieg.

Das Team der Stunde sind eindeutig die Cleveland Indians (47-30), die sich auf einer 12-Siege-Serie befinden und damit die Kansas City Royals (41-36), die Detroit Tigers (40-38) und die Chicago White Sox (39-39) immer weiter hinter sich zurück lassen. Getragen werden sie dabei von einer guten Offense und einer noch besseren Defense, die mit 3.7 kassierten Runs pro Spiel mit Abstand die beste in der AL ist. Während der zwölf Siege – bestehend aus Sweeps gegen die White Sox, die Rays, die Tigers und die Braves – haben die Indians nur einmal fünf Runs zugelassen, dreimal haben sie zu null gewonnen. Wie immer schauen wir an dieser Stelle auch kurz darauf, wie es Max Kepler bei den Minnesota Twins (25-52) ergeht: Er kommt momentan täglich zum Einsatz und hatte in den letzten sieben Spielen sechs Hits bei 24 At-Bats, darunter seinen dritten MLB-Homerun, sowie drei Walks und eine gestohlene Base. Das ist sehr solide, bitte weiter so!

In der AL East durften wir lange einen engen Dreikampf zwischen den Baltimore Orioles (47-30), den Boston Red Sox (42-36) und den Toronto Blue Jays (43-37) beobachten, doch nun haben sich die Orioles etwas abgesetzt und das vor allem durch eine laufende Siegesserie von sieben Spielen. Von den letzten zehn Spielen haben die Orioles acht gewonnen, die Red Sox hingegen nur drei und die Blue Jays vier.

Die AL West ist und bleibt fest in der Hand der Texas Rangers (51-28), daran ändert bislang auch das Wiedererstarken der Houston Astros (42-37) nichts, die neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben. Aber zumindest im Wild-Card-Rennen ist mit den Astros nach ihrem überraschend schlechten Start in die Saison inzwischen wieder zu rechnen, sie liegen nur noch 0.5 Spiele hinter Boston und Toronto und gleichauf mit Kansas City. Den umgekehrten Weg sind die Seattle Mariners (39-39) gegangen: Sie sind stark in die Saison gestartet, inzwischen aber hart auf dem Boden der Tatsachen und damit im grauen Mittelmaß gelandet. Zur Veranschaulichung der gegenläufigen Entwicklung bei den Astros und den Mariners: In den letzten 30 Spielen stehen die Astros bei 22-8, die Mariners bei 11-19. In den ersten 30 Spielen der Saison waren es 11-19 für die Astros und 18-12 für die Mariners.

National League

Die National League East sah diese Woche eine Zeitlang aus wie ein dreispuriges LKW-Rennen auf der Autobahn: Die Washington Nationals (47-32), die New York Mets (40-37) und die Miami Marlins (41-37) schwächelten allesamt und hinterließen den Eindruck, dass keiner von ihnen den Willen oder die Fähigkeit hat, die Nachlässigkeit der anderen auszunutzen. Das änderte sich in den letzten vier Tagen, als die Nationals zuerst mit einem 3:2 über die Brewers ihre Serie von sechs Niederlagen beendeten und anschließend die New York Mets in drei Spielen sweepten. Kleine Kuriosität am Rande: Mit den Philadelphia Phillies (278 Runs scored), den Mets (276) und den Atlanta Braves (256) befinden sich die drei MLB-weit offensivschwächsten Teams allesamt in der NL East; wobei die Mets sich noch zugute halten können, nicht nur bei den erzielten sondern auch bei den zugelassenen Runs die zweitwenigsten der Liga aufzuweisen und allein deshalb noch halbwegs im Rennen zu sein.

Die Chicago Cubs (51-26) waren zuletzt nicht mehr ganz so dominant wie in den ersten Monaten der Saison, weisen aber immer noch die beste Abwehr, den zweitbesten Angriff und den besten Record der MLB auf und haben gerade – nach verlorenen Serien gegen die St. Louis Cardinals (40-37) und in Miami – die Reds gesweept. Die Cardinals wiederum konnten an den Erfolg über den direkten Konkurrenten nicht anknüpfen und sind nach verlorenen Serien gegen die Mariners und die Royals nun wieder volle elf Spiele hinter den Cubs zurück. Sie werden ihren Blick in der zweiten Saisonhälfte auf die Wild Cards richten, von denen sie derzeit nur 0.5 Spiele Rückstand trennen und auf die trotz negativer Bilanz auch die Pittsburgh Pirates (38-41) noch hinter der Augenklappe hervorschielen dürften.

In der NL West liegen die San Francisco Giants (49-31) nach wie vor deutlich vor den Los Angeles Dodgers (43-37) und noch deutlicher vor dem Rest des Feldes, der allesamt weit unter .500 steht. Die Giants dürften aber mit etwas Sorge auf die letzten fünf Spiele zurückblicken, von denen sie vier verloren und das nicht unbedingt gegen die Creme der Liga, nämlich die Phillies und die Athletics.

Spielzug der Woche

Melvin Upton Jr.s homerun-robbing Doubleplay hätte es bei mir sicher in neun von zehn Wochen zum Spielzug der Woche gebracht, doch nicht dieses Mal, denn die Auszeichnung geht an das wohl verrückteste Foul-Out der Saison: Chase Utley, Yasiel Puig und Adrian Gonzalez jagen außerhalb des Feldes einem Flyball hinterher; Utley versucht den Catch, verschätzt sich aber und lenkt den Ball ab zu Gonzalez; der greift erst mit der freien Hand zu, bekommt den Ball ebenfalls nicht zu fassen und fischt ihn dann doch noch wenige Zentimeter über dem Boden mit dem Handschuh auf. Besser kann ich es nicht erklären, klickt am besten einfach auf den Videolink und staunt selbst.

Statistik der Woche

30. Das ist die Anzahl von MLB-Teams, gegen die Miguel Cabrera in seiner Karriere mindestens einen Homerun geschlagen hat. Anders formuliert: Miggy hat gegen jedes einzelne Team der MLB schon mal den Ball über den Zaun gehauen. Die Miami Marlins, für die Cabrera von 2003 bis 2007 selbst aktiv war, waren die einzigen, die bis vorgestern von dem Slugger der Detroit Tigers verschont geblieben waren, doch nun waren auch sie fällig. Ich halte das für eine beeindruckende Leistung, allerdings ist sie bei näherem Hinsehen gar nicht so selten: Neben Cabrera haben dieses Kunststück schon acht weitere aktive Spieler vollbracht, zuletzt Albert Pujols.

Spiel der Woche

Die Colorado Rockies und die Arizona Diamondbacks standen sich am Freitagabend neun Innings lang gegenüber, was an sich nichts Ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich war aber, dass das Spiel viereinhalb Stunden dauerte und damit so lange wie noch kein Spiel jemals zuvor in der National League. Die Länge des Spiels kam durch mehrere Faktoren zustande: viele Hits (30 von beiden Teams zusammen), viele Errors (5) und vor allem viele eingesetzte Pitcher (16) mit entsprechenden Wechselpausen. Aber die Partie war nicht nur lang, sondern auch sehr spannend: Arizona ging früh 2:0 in Führung, welche die Rockies im fünften Inning auf 2:3 herumdrehten. Die D-Backs antworteten mit einem 6-Run-Inning, woraufhin Colorado im siebten und achten Inning ebenfalls sechs Runs nachlegte und wieder vorne lag. Erst nachdem im neunten Inning Yasmani Tomas‘ zweiter Homerun und ein Single von Michael Born die Diamondbacks zum dritten Mal in Front gebracht hatten, konnten diese an der 10:9-Führung festhalten – nicht ohne etwas Glück, denn die Rockies brachten im unteren neunten Inning noch zwei Runner in Scoring Position und Nolan Arenado fast bis nach Hause.

Spiel der kommenden Woche

Zum interessantesten Spiel der nächste Tage wollte ich gerade das Aufeinandertreffen der Colorado Rockies, in deren Spielen es insgesamt mit Abstand die meisten Runs gibt (zweitbester Angriff, drittschlechteste Abwehr), gegen die Los Angeles Dodgers mit Clayton Kershaw, in dessen Spielen es üblicherweise sehr wenige Runs gibt (1.79 ERA), erklären. Leider erreicht mich während des Schreibens dieser Zeilen die Nachricht, dass Kershaw mit Rückenproblemen auf die Disabled List gesetzt wird, sodass es dieses Duell zwischen Power-Offense und Ace-Pitcher nicht geben wird. Den Dodgers bleibt in diesem Jahr in Sachen verletzter Pitcher aber auch wirklich nichts erspart…

Als Alternative wähle ich das Spiel der Rockies gegen die San Francisco Giants mit Madison Bumgarner (1.99 ERA) am kommenden Dienstag. Der Grund bleibt der gleiche: Ich freue mich auf das Kräftemessen zwischen einem Top-Pitcher und einer Top-Offense.

 

Juni 30th, 2016 by