Grand Slam am Donnerstag – KW 29/2016

Seit knapp einer Woche wird wieder MLB-Baseball gespielt und wer hätte es gedacht: Am besten aus der Pause gekommen sind die Los Angeles Angels of Anaheim mit einer glatten 6-0-Bilanz nach dem All-Star-Break. An der Spitze der Liga herrscht unterdessen ziemlich große Ausgeglichenheit: In der National League haben alle drei Divisionsspitzenreiter gleich viele Siege auf dem Konto und in der American League könnte neben der East- nun auch die West-Division zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen um den Divisionssieg werden. Bei solch engen Verhältnissen kann die eine oder andere gelungene Aktion zur Trade-Deadline durchaus entscheidend für den Saisonausgang werden.

National League

In der National League East bleiben die Washington Nationals (57-38) klar vorne, während der spannende Teil der Division momentan der Kampf um Platz zwei ist. Die Miami Marlins (51-43) haben momentan knapp die Nase vor den New York Mets (50-44) und würden damit auch den zweiten Wild-Card-Platz der NL belegen. Schon am kommenden Wochenende kann sich das entweder ändern oder stabilisieren, denn von Freitag bis Sonntag sind die Mets und die Marlins zu einer Drei-Spiele-Serie in Miami verabredet.

Den Chicago Cubs (57-37) scheint die Pause gut getan zu haben: Mit einem 2-9-Slump sind sie in selbige hinein gegangen, mit zwei gewonnenen Serien gegen die Rangers und die Mets sind sie aus ihr herausgekommen. Damit sind sie (dank einer Niederlage weniger als die Nationals und die Giants) knapp zurück an der Spitze der MLB. In der NL Central ist der Vorsprung auf die St. Louis Cardinals (50-44) und die Pittsburgh Pirates (48-46) nach wie vor komfortabel und durch den gestrigen Trade für Pitcher Mike Montgomery haben die Cubs bereits demonstriert, dass sie willens sind, ihren ohnehin schon starken und ausgeglichenen Kader weiter zu verbessern, um ihrer Rolle als Favorit auf die World Series gerecht zu werden.

Weniger gut – um nicht zu sagen: miserabel – sind die San Francisco Giants (57-38) in den zweiten Teil der Saison gestartet: fünf Spiele, fünf Niederlagen, darunter drei gegen die nicht wirklich konkurrenzfähigen San Diego Padres (41-54). Der Slump der Giants öffnet in der NL West die Tür für die seit Wochen in Lauerstellung befindlichen Los Angeles Dodgers (53-43), die allerdings ihrerseits nur zwei von fünf Spielen nach dem All-Star-Break gewinnen konnten und deren Starting Pitching von massiven Verletzungssorgen geplagt wird: Nach Alex Wood droht nun auch Megastar Clayton Kershaw eine OP mit mehrmonatiger Ausfallzeit und auch Hyun-Jin Ryu musste nach nur einem Start wieder auf die DL. Mit einer zusammengefassten Bilanz von 10-17 ist keine Division so schlecht aus der Pause gekommen wie die NL West.

American League

Keine Division macht dieses Jahr so viel Spaß wie die American League East. Zwischen Platz eins und Platz drei liegt rechnerisch nur ein einziges Spiel, wobei kurioserweise von den Dreien das Team mit den meisten Siegen gleichzeitig die meisten Niederlagen auf dem Konto hat und deswegen in der Tabelle hinter den beiden anderen steht. Ganz vorne sind seit heute Nacht zur Abwechslung die Boston Red Sox (53-39), hauchdünn vor den schlecht aus der Pause gekommenen Baltimore Orioles (53-40) und den Toronto Blue Jays (54-42). Und als ob ein Dreikampf nicht genug wäre, wehren sich auch die New York Yankees (48-46) mit zuletzt vier Siegen in Folge (drei davon gegen die Orioles) massiv dagegen, die Saison abzuhaken.

Die AL Central bleibt, was den Abstand zwischen Platz eins uns zwei betrifft, die Division mit den klarsten Verhältnissen. Die Cleveland Indians (56-38) haben in den ersten Spielen nach dem All-Star-Break das getan, was sie schon die gesamte Saison tun, nämlich Serien gegen ihre Divisionsgegner gewinnen, in dem Fall gegen die Minnesota Twins (35-59) und die Kansas City Royals (47-47). Durch den schwachen Start sowohl der Royals mit 2-4 als auch der Chicago White Sox (46-48) mit 1-5 in den zweiten Teil der Saison gibt es in der AL Central plötzlich nur noch zwei Teams mit einer Bilanz über .500. So sind die Detroit Tigers (49-46) momentan alleiniger Verfolger der Indians, aber mit zuletzt zwei Niederlagen gegen die Twins machen auch sie nicht den Eindruck, zu einer echten Aufholjagd fähig zu sein. Apropos Twins: Max Kepler kam seit dem All-Star-Break in allen sechs Spielen zum Einsatz. Leider gelangen ihm dabei in 23 At-Bats nur zwei Hits, aber immerhin waren beide Homeruns.

Ganz anders sieht es in der AL West aus, denn hier ist die seit Wochen anhaltende Aufholjagd der Houston Astros (51-44) nach wie vor in vollem Gange. Seit der Pause haben die Astros – wenngleich nur mit einer ausgeglichenen 3-3-Bilanz – weitere zwei Spiele auf die Texas Rangers (55-41) gut gemacht. Vor dreieinhalb Wochen lagen die Rangers noch scheinbar uneinholbar 10.0 Spiele vor den Astros, nun sind es nur noch 3.5. Nun müssen die Astros gegen die Los Angeles Angels (43-52) ran. Das sollte normalerweise eine mehr als lösbare Aufgabe sein, aber die Angels haben gerade zum ersten Mal in diesem Jahr einen echten Lauf und man darf gespannt sein, ob sie nach den White Sox und den Rangers auch den Astros in die Suppe spucken können. Mit den Seattle Mariners (48-47) hat die AL West noch ein weiteres Team mit knapp positivem Record. Die Mariners sind einer der Wackelkandidaten, von denen man nicht recht weiß, ob sie sich noch Hoffnung auf die Playoffs machen oder ob sie sich bereits auf nächstes Jahr konzentrieren; mir persönlich erscheinen sie zu unkonstant, als dass sie noch ernsthafte Chancen hätten, den Rückstand zum Divisionssieg oder Wild-Card-Platz aufzuholen.

Spielzug der Woche

Die beeindruckendste Einzelleistung dieser Woche hat in meinen Augen Hanley Ramirez vollbracht, der mit drei 2-Run-Homeruns quasi im Alleingang den Ausschlag zu Gunsten der Red Sox beim 11:7 über die Giants gab und seinem Team damit die Tabellenführung in der AL East bescherte. Die Giants hätten es sich wohl besser überlegen sollen, bevor sie Hanley Ramirez so sauer machten, dass er seinen dritten Homerun zwar nicht wie erklärtermaßen beabsichtigt zum Mond, aber zumindest bis an die Oberkante des grünen Monsters schlug…

Statistik der Woche

28 2/3 Innings. So lange schon hat der Bullpen der Yankees keinen Run zugelassen. Mir geht ja beim Schreiben kaum etwas so schwer von der Hand wie ein Lob für die Yankees, aber die Reliever-Truppe um Dellin Betances, Andrew Miller und Aroldis Chapman sucht wirklich ihresgleichen in der MLB. Respekt.

Spiel der Woche

Ich glaube, ich habe schon ein-, zweimal durchblicken lassen, dass ich ein großer Fan von Marathonspielen mit vielen Extra-Innings bin. Die Pirates und die Nationals haben sich letzten Sonntag ein solches geliefert, 18 Innings lang, und das zu einer Sendezeit, die es mir ohne allzu viel Schlafverlust ermöglichte, den üppigen Rest der Partie anzuschauen, nachdem das Spiel meiner Mets vorbei war. Dabei sah es bis zum letzten Strike des neunten Innings überhaupt nicht nach Verlängerung aus, aber Daniel Murphy – verletzungsbedingt nur als Pinch-Hitter im Einsatz – schaffte bei zwei Outs und einem 2-2-Count den ausgleichenden Homerun. Erst eine komplette Spieldauer später gelang erneut ein Run, übrigens wieder ein Homerun nach zwei Outs, dieses Mal aber für die Pirates durch Starling Marte. Interessant war die Aussage von Nationals-Manager Dusty Baker nach dem Spiel: Baker nahm die Niederlage auf seine Kappe, denn eigentlich wäre es sinnvoll gewesen, Marte per Intentional Walk auf Base zu schicken, um Pitcher Jon Niese an den Schlag zu bringen. Genau das hatte Baker auch vor, aber er reagierte nicht schnell genug, um seine Anweisung anzuzeigen und schon hatte Marte gleich den ersten Pitch über den Zaun geschlagen.

Spiel der kommenden Woche

Die Mets und die Marlins duellieren sich das Wochenende über um Platz zwei der NL East hinter den Nationals und gleichzeitig um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Dodgers. Das reizvollste Pitcher-Matchup bietet dabei das Spiel am Samstag (bzw. Sonntagmorgen, 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit), in dem mit Jacob deGrom (2.38 ERA, 3.11 FIP) und Jose Fernandez (2.53 ERA, 2.08 FIP) zwei der besten Werfer der Liga aufeinandertreffen. Beide hatten ihren letzten Einsatz gegen die Phillies und beide haben dabei Glanzleistungen gezeigt, deGrom mit einem One-Hitter und Fernandez mit 14 Strikeouts.

Juli 21st, 2016 by