Grand Slam am Donnerstag – KW 30/2016

100 Spiele haben die Teams der MLB nun auf dem Buckel (manche eins mehr, manche eins weniger) und es ist mal wieder Donnerstag, also Zeit für meine wöchentliche Zwischenbilanz.

American League
In der American League East geht es weiterhin drunter und drüber. Vor einer Woche hatten die Boston Red Sox (55-44) sich gerade frisch die Tabellenführung erspielt. Seitdem haben sie fünf von sechs Spielen verloren und sind nur noch Dritter mit 2.5 Spielen Rückstand auf die Baltimore Orioles (58-42), obwohl diese ebenfalls nicht in Bestform sind und gerade zwei Heimspiele hintereinander gegen die Colorado Rockies verloren haben. Vielleicht gibt es schon bald den nächsten Führungswechsel zu vermelden, denn am Wochenende müssen die Orioles dreimal bei den mittlerweile zweitplatzierten Toronto Blue Jays (57-45) antreten. Und dann gibt es noch die New York Yankees (52-49), bei denen man schon die ganze Saison über nicht weiß, was man von ihnen halten soll. Sie stehen immer ein bisschen zu schlecht da, um ernsthaft die Playoffs in den Blick zu nehmen, aber auch immer ein bisschen zu gut als dass man sie getrost abschreiben könnte. Dass sie ihren Closer Aroldis Chapman für Investitionen in die Zukunft hergegeben haben, könnte ein Signal sein, dass die Yankees die laufende Saison abgehakt haben. Vielleicht war das Angebot der Cubs aber auch nur zu gut, um nein zu sagen.

Auch in der AL Central ist Bewegung. Die Tabellenplätze haben sich im Vergleich zur Vorwoche zwar nur auf den Rängen drei und vier geändert, auf denen sich die Chicago White Sox (50-51) und die Kansas City Royals (49-51) ein vermutlich für beide Seiten letzten Endes fruchtloses Rennen liefern. Aber in das Duell um den Divisionssieg ist plötzlich Spannung eingekehrt. Mit fünf Siegen und drei Niederlagen in einer vollgepackten Woche konnten die Detroit Tigers (54-48) den Abstand auf die schwächelnden Cleveland Indians (57-42) auf 4.5 Spiele reduzieren. Längst jenseits von Gut und Böse stehen die Minnesota Twins (37-63) und doch schauen wir jede Woche mit Spannung nach Minnesota, weil dort mit Max Kepler der einzige Spieler aus Deutschland im Einsatz ist. Seit letzten Donnerstag war er in fünf von sechs Spielen dabei und brachte es in zwanzig At-Bats auf sechs Hits, darunter zwei Triples, sowie auf einen Walk.

Ähnlich wie in der AL Central sah es auch in der AL West lange nach einem glatten Durchmarsch eines Teams aus, aber seit einem Monat wird der Abstand der Texas Rangers (58-44) vor den Houston Astros (55-46) jede Woche ein bisschen kleiner und beträgt nun nur noch 2.5 Spiele. Den Astros steht am Wochenende eine schwierige Serie in Detroit bevor, in der sich beide Teams keine Blöße erlauben dürfen, um ihre jeweilige Aufholjagd weiter voranzutreiben. Die Seattle Mariners (51-49) befinden sich in der gleichen „zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“-Situation wie die Yankees in der AL East. Sie spielen nun eine Drei-Spiele-Serie bei den Cubs, danach müssen sie wissen, ob sie zur Trade-Deadline Buyer oder Seller sind oder ob sie den Rest des Jahres einfach auf sich zukommen lassen. Unterdessen liefern sowohl die Oakland Athletics (47-55) als auch die Los Angeles Angels (45-56) zurzeit gute Resultate ab, aber für große Hoffnungen sind beide schon zu weit abgeschlagen.

National League
In der National League East schwächeln die Washington Nationals (59-42) mit vier Niederlagen aus den letzten sechs Spielen und stehen nun vor einer der ungeliebten Reisen an die West Coast, wo zuerst die San Francisco Giants warten (dazu unten mehr unter „Spiel der kommenden Woche“). Zum Glück für die Nationals haben sich die Miami Marlins (55-46) und die New York Mets (53-47) diese Woche gegenseitig das Leben schwer gemacht und nicht so stark aufgeholt wie es möglich gewesen wäre. Obwohl die Mets die Serie gegen die Marlins 2:1 gewannen, hatten sie insgesamt die schlechtere Woche, vor allem durch den schmerzhaften Verlust der Serie gegen die St. Louis Cardinals, einem weiteren direkten Konkurrenten um den Wild-Card-Platz.

Die Chicago Cubs (60-40) in der NL Central haben nach wie vor den besten Record der Liga und sind inzwischen das einzige Team mit einer Winning Percentage von .600. Dass sie nun mit Aroldis Chapman einen weiteren Star verpflichtet und dafür einen hohen Preis an Talenten bezahlt haben, zeigt: Sie wollen es dieses Jahr wissen. Mit 6.5 Siegen Vorsprung sitzen die Cubs von allen Divisionsführenden mit Abstand am sichersten im Sattel. Für Spannung ist trotzdem gesorgt, denn die St. Louis Cardinals (54-47) und mit Abstrichen auch die Pittsburgh Pirates (52-48) sind noch im Rennen um die Wild Cards. Die Schedule ermöglicht den Cardinals momentan, in diesem Rennen Einiges zu bewegen: Nachdem sie bereits die Mets in drei knappen Spielen mit 2:1 geschlagen haben, treten sie nun zu einer Vier-Spiele-Serie bei den Marlins an, die momentan noch mit einem Sieg Vorsprung den Wild-Card-Platz belegen.

Kaum Gedanken um die Wild-Cards dürfte man sich in der NL West machen. Die Colorado Rockies (49-52), die San Diego Padres (44-58) und die Arizona Diamondbacks (42-59) sind allesamt aus dem Rennen, während die San Francisco Giants (59-42) und die Los Angeles Dodgers (57-45) derzeit weniger an die Wild Card als an den Divisionssieg denken. Für die Giants steht nach der enttäuschenden Rückkehr aus dem All-Star-Break mit neun Niederlagen aus elf Spielen eine richtungweisende Serie gegen Washington an (siehe unten). Die Dodgers hingegen haben nun alle Chancen, in Serien gegen die Diamondbacks und die Rockies die restlichen 2.5 Spiele aufzuholen, die sie noch von den Giants trennen. Ein entscheidender Faktor in dem Duell um Platz eins der NL West dürfte sein, wer die besseren Deals zur Trade-Deadline landet, denn auch auf dem Markt für Starting Pitcher sind die Giants und die Dodgers direkte Konkurrenten.

Spielzug der Woche
Ich habe in den letzten Tagen eine ganze Reihe toller Leaping Catches im Outfield gesehen, beispielsweise von Sean Rodriguez, Michael Conforto, Giancarlo Stanton, Mac Williamson und nicht zuletzt Max Kepler. Am meisten beeindruckt hat mich aber der aufopferungsvolle Catch eines Foulballs durch Rays-1B Logan Morrison.

Statistik der Woche
2 Wins. Das ist die Bilanz von David Robertson, dem Closer der Chicago White Sox – nicht in einer Woche, sondern an einem Tag! Es war natürlich ein Doubleheader, da es in jedem Spiel nur einen Pitcher-Win zu vergeben gibt. Das erste Spiel gegen die Detroit Tigers „gewann“ Robertson wenigstens durch eine tadellose Leistung: Er erzielte die letzten vier Outs beim Stand von 3:3, bevor Avisail Garcia und Adam Eaton den White Sox den Walk-Off-Sieg bescherten. Das zweite Spiel „gewann“ er, indem er im neunten Inning ins Spiel kam und drei Solo-Homeruns zuließ, somit eine 4:1-Führung seines Teams verspielte. Der Save war für ihn somit verloren, das Spiel aber gewonnen, weil anschließend Adam Eaton und Melky Cabrera den erneuten Walk-Off besorgten. So viel für heute zu meinem Lieblingsthema Pitcher-Wins.

Spiel der Woche
Wenn mit den Washington Nationals und den Cleveland Indians zwei der Top-Teams der Liga aufeinander trefffen, lohnt es sich auf jeden Fall, hinzuschauen. Umso mehr gilt das, wenn das Spiel ein so turbulentes Ende nimmt wie die Partie vom Dienstag: Dank Homeruns von Anthony Rendon und Wilson Ramos sowie eines starken Starts von Gio Gonzalez hatten die Nationals das Spiel über weite Strecken dominiert und gingen mit einer 6:4-Führung in die untere Hälfte des letzten Innings. Closer Jonathan Papelbon war somit vor eine routinemäßige Save-Situation gestellt, aber für ihn ging alles schief was schief gehen konnte: Papelbon ließ einen Leadoff-Walk von Jose Ramirez zu. Tyler Naquin doublete Ramirez zum 5:6 nach Hause. Chris Gimenez buntete und Nats-1B Ryan Zimmerman warf den Ball ins Nirgendwo, sodass Naquin zum 6:6 durch und Gimenez auf die zweite Base kam. Einen Intentional Walk für Lonnie Chisenhall und einen weiteren nicht unter Kontrolle zu bringenden Bunt von Rajai Davis später waren die Bases geladen und Papelbon musste gehen, ohne dass ihm ein einziges Aus gelungen wäre. Oliver Perez übernahm den Mound, konnte aber den Walk-Off durch einen Single von Francisco Lindor nicht mehr verhindern.

Spiel der kommenden Woche
Für mich als Mets-Fan wird nächste Woche ganz klar die Subway Series zwischen den beiden New Yorker Teams im Mittelpunkt stehen, aber das aus neutraler Sicht interessanteste Duell wird die Serie zwischen den San Francisco Giants und den Washington Nationals. Beide führen mit exakt gleicher Bilanz (59-42) ihre Division an, beide haben sich zuletzt zu viele Niederlagen erlaubt und brauchen daher dringend Erfolgserlebnisse. Das sind beste Voraussetzungen für vier verbissene Duelle, in denen keiner dem anderen etwas schenken wird. Zu einem Aufeinandertreffen von Bumgarner gegen Strasburg wird es leider nicht kommen, da beide erst gestern Abend im Einsatz waren. Als Spiel der Woche wähle ich das ebenfalls attraktive Matchup von Tanner Roark (3.05 ERA, 3.39 FIP) gegen Johnny Cueto (2.53 ERA, 2.79 FIP) in der kommenden Nacht. Zur Freude aller Frühaufsteher ist Spielbeginn um 4:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Ich werden dann wohl beim Zähneputzen mal in die späten Innings reinschauen.

Juli 28th, 2016 by