Grand Slam am Donnerstag – KW 31/2016

So langsam legt sich die Aufregung um die turbulente Trade-Deadline und spätestens jetzt befinden wir uns in der heißen Phase der regulären MLB-Saison, in der die Konzentration statt wilder Wechselgerüchte wieder ungeteilt dem Ballspiel und den Ergebnissen im Rennen um die Playoffs gilt. Hier der wöchentliche Überblick zum Stand der Dinge:

National League
In der National League East haben sich die Washington Nationals (64-44) nach einer kleinen Schwächephase wieder gefangen. Mit drei deutlichen Siegen wurden in Arizona die Diamondbacks gesweept und da sich die Miami Marlins (57-51) gleichzeitig von den Cubs haben sweepen lassen, liegt der Vorsprung der Nationals wieder bei komfortablen sieben Spielen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationals die Division gewinnen, liegt laut Fangraphs inzwischen bei 95,5%. Die New York Mets (55-52) haben sich nach sechs Niederlagen aus den letzten acht Spielen aus dem Rennen um die Division verabschiedet und nun auch schon zwei Spiele Rückstand auf den Wild-Card-Platz. Wenn sie die Saison noch retten wollen, müssen sie schleunigst damit anfangen, aber die Zeichen stehen nicht gut: Nach der heute endenden Subway-Serie gegen die Yankees wartet in den Detroit Tigers das Team mit der aktuell längsten Siegesserie und die Verletzungsmisere hat nun auch Yoenis Cespedes auf die DL-Liste gebracht.

Das erfolgreichste Team der MLB sind nach wie vor die Chicago Cubs (66-41) in der NL Central. Sieben Siege aus den letzten acht Spielen haben den Abstand zum einzigen Verfolger St. Louis Cardinals (57-50) auf neun Spiele anwachsen lassen und die Schedule der nächsten Tage meint es gut mit den Cubs: Zuerst warten mit den Oakland Athletics und den Los Angeles Angels zwei Teams, für die die Saison schon lange gelaufen ist, danach können die Cubs in einer Vier-Spiele-Heimserie gegen die Cardinals endgültig für klare Verhältnisse sorgen. Die Cardinals werden sich keine allzu großen Hoffnungen auf den Divisionssieg machen, aber immerhin haben sie sich inzwischen auf den zweiten Wild-Card-Platz vorgearbeitet, hinter den Dodgers und vor den Marlins, Mets, Pirates und Rockies. Die Pittsburgh Pirates (53-52) dümpeln derweil im Mittelfeld vor sich hin und haben das Jahr offenbar aufgegeben, denn warum sonst hätten sie SP Francisco Liriano und ihren Closer Marc Melancon wegtraden sollen?

Deutlich spannender als in den anderen beiden Divisionen geht es in der NL West zu: Die San Francisco Giants (61-46) schwächeln weiterhin und die Los Angeles Dodgers (59-48) werden sich massiv ärgern, dass sie durch zwei Niederlagen gegen die Colorado Rockies (54-53) die Gelegenheit versäumt haben, zu den Giants aufzuschließen. Die Rockies schicken sich derweil an, zum Überraschungsteam der zweiten Saisonhälfte zu werden. Seit dem All-Star-Break stehen sie bei 14-5 und sind plötzlich wieder im Rennen um die Wild-Card. In diesem Rennen sind sie zwar immer noch der krasse Außenseiter – Fangraphs beziffert die Chancen auf den WC-Platz auf 1,7% –, aber es ist beeindruckend, dass sie überhaupt dabei sind.

American League
Kommen wir zur American League East, die in den Baltimore Orioles (61-45) ausnahmsweise mal an zwei Donnerstagen hintereinander den gleichen Tabellenführer hat. Die scheinbare Stabilität täuscht jedoch, denn am Wochenende standen zeitweise die Toronto Blue Jays oben (61-47), die dann allerdings auf den dritten Rang hinter den Boston Red Sox (58-48) abrutschten, bevor sie nun wieder nach Siegen mit den Orioles gleichgezogen haben. Es wird wohl bis zum Schluss ein ganz enges Rennen in der AL East bleiben und das ist gut so. Knapp positiv stehen noch die New York Yankees (54-53) da, die aber zur Trade-Deadline bereits klar demonstriert haben, dass ihre Prioritäten auf der Weichenstellung für die Zukunft liegen und sie für dieses Jahr keine Ambitionen mehr hegen.

In der AL Central laufen die Detroit Tigers (59-48) gerade heiß, acht Spiele in Folge haben sie gewonnen und allein in den vergangenen drei Tagen den Abstand auf Tabellenführer Cleveland Indians (60-45) von fünf Spielen auf nur noch zwei verringert. Zwischen den beiden ist das Rennen nun wieder völlig offen, während sich sowohl die Chicago White Sox (51-56) als auch die Kansas City Royals (51-56) durch eine schwache Woche endgültig aus selbigem verabschiedet haben. Nie im Rennen waren die Minnesota Twins (43-64), die aber immerhin gerade vier Spiele in Folge gewonnen haben und daran war Max Kepler, der einzige Deutsche in der MLB, nicht ganz unschuldig. Sagenhafte drei Homeruns steuerte er zum 12:5-Sieg über die Indians am Montag bei, einen weiteren zum 10:6 am Dienstag und am 13:5 vom Mittwoch war er ebenfalls mit zwei RBI beteiligt. Unter den Spielern mit mehr als 100 At-Bats ist Kepler mittlerweile mit einer OPS von .907 der beste Batter seines Teams. Und weil mir gerade ein hervorragender Artikel über Max Kepler über den Weg gelaufen ist, trage ich diesen hier nach als ausdrücklichen Lesetipp

Die Aufholjagd der Houston Astros (56-51) in der AL West scheint vorerst beendet. Nach sieben Niederlagen aus den letzten zehn Spielen und Inaktivität zur Trade-Deadline ist der Elan der letzten Wochen verpufft. Die Texas Rangers (62-46) dürfen sich mit nun 5.5 Spielen Vorsprung wieder fester im Sattel fühlen und im Gegensatz zur Konkurrenz haben sie sich kurz vor Ladenschluss noch ordentlich verstärkt. Eine Vorentscheidung kann das Wochenende bringen, wenn die Astros die Rangers zu einer Drei-Spiele-Serie empfangen (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Im Übrigen frage ich mich jede Woche, was ich über die Seattle Mariners (54-52) schreiben soll. Die Mariners halten sich konstant in einem Fahrwasser, in dem man sie nicht völlig ignorieren kann, aber ein ernster Playoffkandidat sind sie für mich auch nicht. Mal sehen, wann sich hier eine klarere Tendenz herauskristallisiert.

Spielzug der Woche
Ein Triple Play ist immer eine spektakuläre Angelegenheit und das gilt ganz besonders für das der Nationals im achten Inning ihres 4:1-Sieges gegen die Giants am vergangenen Samstag. Es war nämlich das erste 3-3-5-Triple-Play in der MLB-Geschichte, also das erste, das nach folgendem Muster ablief: erstes Aus, als der First-Baseman (Ryan Zimmerman) den Ball (von Brandon Crawford) aus der Luft fängt; zweites Aus, als er auf die erste Base tritt und damit den voreilig losgelaufenen Baserunner (Buster Posey) kalt erwischt; drittes Aus, als der Third-Baseman (Anthony Rendon) an seiner Base den Ball fängt und damit auch den zweiten losgelaufenen Baserunner (Denard Span) erledigt.

Statistik der Woche
1 Inning, 9 Batters, 4 Runs, 0 Hits. Diese erstaunlichen Zahlen produzierten die Phillies am Samstag im achten Inning des Spiels gegen die Braves. Noch mal im Klartext: Die Phillies haben in diesem Inning ihr komplettes Lineup an den Schlag gebracht und vier Runs erzielt, ohne dass ihnen ein einziger Hit gelungen wäre. Es traten auf: Tyler Goeddel (Walk), Freddy Galvis (Fielder’s Choice, 1. Out), Taylor Featherston (Walk), Cesar Hernandez (Walk), Odubel Herrera (Walk, Run), Maikel Franco (Error, 2 Runs), Ryan Howard (Error), Aaron Altherr (Hit by Pitch, Run), Cameron Rupp (grounded into Double Play, 2. und 3. Out).

Spiel der Woche
Die Cubs verstehen es wirklich, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Das bewiesen sie mal wieder am Sonntag im Spiel gegen die Mariners. Nicht genug damit, dass sie einen 0:6-Rückstand überwanden, der das Spiel schon nach drei Innings scheinbar entschieden hatte. Auch nicht genug damit, dass sie den Ausgleich erst bei einem Wild Pitch mit zwei Aus im neunten Inning vollbrachten. Um wirklich die volle Aufmerksamkeit der Baseballwelt zu erlangen, mussten sie zudem noch Pitcher Travis Wood zeitweise ins Outfield beordern und ihn dort einen hervorragenden Catch machen lassen und dann im zwölften Inning Pitcher Jon Lester als Pinch-Hitter bringen und ihn den Walk-Off erzielen lassen.

Spiel der kommenden Woche
Die interessantesten Paarungen der nächsten Tage sind das Aufeinandertreffen der Rangers und der Astros, das der Dodgers und der Red Sox sowie die Rückspielserie der Giants bei den Nationals, bei der es voraussichtlich am Sonntag zum Premium-Matchup Bumgarner gegen Strasburg kommt. Letzteres wäre auf jeden Fall ein würdiges Spiel der Woche, aber da ich Nationals gegen Giants an dieser Stelle schon letzte Woche gewählt habe, entscheide ich mich dieses Mal für das Lokalderby der Rangers gegen die Astros und zwar konkret für das Spiel am Sonntag. Um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit kann man sich das prima anschauen und es wird interessant sein, wie sich Astros-Rookie Joe Musgrove bei seinem ersten MLB-Start gegen das wiedergenesene Rangers-Ass Yu Darvish schlägt.

August 4th, 2016 by