Manager auf dem heißen Stuhl

Für die Teams, die sich Hoffnungen auf die Playoffs machen, ist längst die heiße Phase der Saison angebrochen. Aber auch bei denen, die schon aus dem Rennen sind, geht es in mancher Hinsicht noch heiß her – unter anderem unter den Stühlen einiger Manager.

(Nur kurz zur Erklärung für alle, die mit den sprachlichen Gepflogenheiten im Baseball nicht vollständig vertraut sind: Unter dem Manager versteht man in der MLB die Person, die für Strategie und Einstellung des Teams verantwortlich ist; in anderen Sportarten nennt man diese Personen Head Coach oder Cheftrainer.)

Die Atlanta Braves haben sich bereits im Mai von Fredi Gonzalez getrennt. Die Kandidatenliste, wer der nächste gefeuerte Manager sein wird, ist lang und es ist eine beliebte Beschäftigung der Baseball-Schreiberlinge, entsprechende Tipps abzugeben. Da will ich nicht zurück stehen, hier sind meine Top 5:

1. Terry Collins, New York Mets
Es mag verwundern, dass Collins ganz oben auf dieser Liste steht, nachdem er ein jahrelang erfolgloses Team vor wenigen Monaten bis in die World Series geführt hat. Aber die aktuelle Saison der Mets ist eine massive Enttäuschung und auch wenn das sicher nicht allein Collins‘ Verschulden ist, häufen sich doch zunehmend kritikwürdige Handlungen und Entscheidungen des Managers – zum Beispiel eine nicht genutzte Challenge, die ohne Risiko die Möglichkeit geboten hätte, das letzte Out einer Niederlage gegen die Tigers anzufechten; oder die Entscheidungen, angeschlagene Spieler wie Yoenis Cespedes und Steven Matz zu oft oder zu lange aufs Feld zu schicken, bis sie schließlich auf der DL landeten; oder das Überstrapazieren von Closer Jeurys Familia in der zweiten Julihälfte, das in zwei blown Saves endete; von einigen seltsamen Lineups und Pinch-Hit-Entscheidungen in den letzten Wochen mal ganz abgesehen. Ich weiß nicht, was mit Collins los ist und es tut mir leid, weil er ein verdienter Coach und ein sehr sympathischer Mensch ist. Aber er macht momentan keinen guten Job und ich hoffe, das Front Office ist bereit, frühzeitig die Weichen für einen Neubeginn zu stellen, sobald das absehbare Aus im Playoffrennen endgültig besiegelt ist.

2. Chip Hale, Arizona Diamondbacks
Ähnlich wie Collins hatte Hale 2015 eine gute Saison mit seinem Team, konnte 2016 aber die daraus entstandenen hohen Erwartungen nicht erfüllen. Schon seit Wochen gibt es immer wieder Gerüchte um Hales Entlassung – sogar unter konkreter Nennung eines designierten Nachfolgers in Person von Phil Nevin – und das Front Office um General Manager Dave Stewart tritt diesen Gerüchten nur wachsweich entgegen. Welche Verfehlungen man Hale genau vorwirft, liegt nicht so klar auf der Hand wie bei Collins. Weder der schlechte Trade für Shelby Miller noch die Verletzungsmisere sind Hale zuzurechnen, aber Stewart kämpft selbst um seinen Job und wird über kurz oder lang ein Signal setzen wollen, dass man bereit zu radikalen Änderungen ist. Dass Hale dafür geopfert wird, ist alles andere als unwahrscheinlich.

3. Robin Ventura, Chicago White Sox
Die Achterbahnfahrt, die Collins und Hale mit ihren Teams in zwei Jahren erlebt haben, machte White-Sox-Manager Ventura innerhalb von wenigen Monaten durch: Einem 23-10-Start in die laufende Saison, der so Manchen schon von einer World Series als Stadtderby träumen ließ, folgte der Absturz auf inzwischen 59-64. Insgesamt ist es Venturas fünftes Jahr und nachdem also auch 2016 trotz des Traumstarts nicht der erhoffte Turnaround gelungen ist, könnte die Zeit gekommen sein, das Experiment mit dem damals ohne Vorerfahrung eingestellten Manager für gescheitert zu erklären.

4. Bryan Price, Cincinnati Reds
Im Gegensatz zu den drei oben genannten Managern blickt Price nicht auf Aufs und Abs in seiner Zeit mit den Reds zurück, sondern lediglich auf Abs. In den knapp drei Jahren hat er es auf eine Bilanz von 193-255 gebracht und Besserung ist nicht ernsthaft in Sicht. Natürlich hatte er es schwer, weil in Cincinnati nicht das große Geld zu Hause ist und weil viele gute Spieler weggetradet wurden, um kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit gegen die Hoffnung auf langfristigen Erfolg auf Basis einer starken Farm zu tauschen. Aber als die guten Spieler da waren, hat Price auch nicht wirklich etwas daraus gemacht. Er hatte zur gleichen Zeit Todd Frazier, Johnny Cueto, Aroldis Chapman, Jay Bruce und Joey Votto, aber auch in dieser Zeit waren die Reds nicht konkurrenzfähig. Ich kann mir vorstellen, dass man noch ein Jahr an Price als Manager festhält, aber nicht weil man von ihm überzeugt wäre sondern weil man dem Team für 2017 noch nicht den Sprung zum Contender zutraut und einen neuen Manager nicht verheizen möchte. In dem Moment, in dem die Reds sich in der Lage sehen, von der Kultur des Verlierens zur Kultur des Gewinnens zu wechseln, wird dieser angestrebte Wechsel auch durch einen Austausch des Managers manifestiert werden.

5. Mike Scioscia, Los Angeles Angels
Scioscia ist mit großem Abstand der dienstälteste Manager eines MLB-Teams. Nicht nur deswegen wäre es gewagt, seine Ablösung vorherzusagen, sondern auch weil er erst letztes Jahr einen jahrelang schwelenden teaminternen Machtkampf gewann, indem General Manager Jerry Tipoto nach Jahren der Reibung zwischen ihm und Scioscia seinen Hut nahm. Seit Übernahme seines Postens im Jahr 1999 hatte Scioscia viele erfolgreiche Jahre mit den Angels, doch momentan gehören diese zum Bodensatz der Liga – trotz Superstar Mike Trout und trotz einer Payroll im oberen Fünftel der Liga. So ziemlich jeder andere Manager würde in dieser Situation mit dem Rücken zur Wand stehen, aber Scioscia wird wohl auch diese Widrigkeiten überstehen. Denn ihn zu feuern würde die Entscheidung der Teamführung im letzten Jahr, ihm gegenüber Tipoto den Vorzug zu geben, nachträglich in Frage stellen. Diese Blöße wird man sich nicht geben wollen.

August 23rd, 2016 by