International Signing Day

Jedes Jahr am 2. Juli ist der International Signing Day der MLB. Das bedeutet, dass ab diesem Tag Spieler von außerhalb USA, Kanada und Puerto Rico von MLB-Teams verpflichtet werden dürfen, sofern sie mindestens 17 Jahre alt sind oder es in Kürze werden. Wie üblich wurde auch dieses Jahr gleich zu Beginn der noch bis 15. Juni 2017 andauernden Periode ein Großteil der interessantesten Talente unter Vertrag genommen. Die Spieler, um die es geht, haben in aller Regel noch einen weiten Weg durch die diversen Minor Leagues vor sich, bis sie es vielleicht irgendwann in die MLB schaffen. Deshalb spare ich mir die Mühe, hier auf eine große Anzahl von Spielern einzugehen, von denen wir vielleicht in fünf Jahren und vielleicht auch nie wieder etwas hören werden.

Erwähnen sollte man auf jeden Fall das Top-Prospect der auf mlb.com gepflegten Liste der besten in dieser Signing-Periode verfügbaren Talente: Der 16-Jährige Shortstop Kevin Maitan hat überschwängliche Scouting Reports erhalten, die ihn mit Größen wie Miguel Cabrera und Chipper Jones vergleichen und ihn zum höchstbewerteten Prospect seit Miguel Sano (2009 von den Twins verpflichtet) küren. Er ist ein Switch-Hitter mit Power, der an der Plate bereits sehr reif für sein Alter wirkt. Auch seine Defense wird gelobt, allerdings sieht die Mehrzahl der Scouts ihn langfristig eher auf 3B als auf SS. Maitan wurde von den Atlanta Braves mit einem Vertrag über 4,25 Millionen Dollar ausgestattet.

In der Liste nur auf Platz sechs, aber finanziell bislang der größte Abräumer ist der 22-jährige SS Alfredo Rodriguez, der von den Cincinnati Reds einen 7-Millionen-Dollar-Vertrag erhalten hat. Dieser Deal stand schon seit einigen Monaten fest, wurde aber in die neue Signing-Periode verschoben. Dafür, dass Rodriguez zwar defensiv als Spitzentalent eingestuft wird, sich offensiv aber noch sehr viel weiterentwickeln muss, erscheint der gezahlte Preis für ihn sehr hoch, vor allem wegen der fälligen Strafe gegen die Reds (dazu später mehr). In seiner letzten Saison in Kuba schlug Rodriguez gerade mal .265/.301/.284 mit nur vier Extra-Basehits und keinem Homerun in 304 Plate Appearances.

Die Braves haben sich nicht nur die Nummer eins der Liste gesichert sondern waren auch darüber hinaus eines der aktivsten Teams zu Beginn der Signing-Periode: Laut mlb.com haben sie bereits 13 internationale Talente unter Vertrag genommen, darunter fünf aus der erwähnten Top-30-Liste. Ebenfalls sehr rührig waren die San Diego Padres, die sechs Top-30-Talente an sich banden. Andere Teams mit mehreren hochkarätigen Vertragsabschlüssen sind die Astros, die Athletics, die Cardinals, die Nationals und die Phillies.

Welche Teams mehr oder weniger aktiv auf dem internationalen Markt sind, hängt übrigens nicht nur von den Vorlieben des Front Offices ab. Zum einen bestimmt das Abschneiden der Teams im Vorjahr darüber, wie hoch das erlaubte Budget für internationale Verträge sein darf. Weil die Phillies 2015 den schlechtesten Record hatten, dürfen sie 2016 etwas mehr ausgeben als die anderen Teams, die Cardinals mit dem besten Record 2015 haben dementsprechend das geringste Budget. Zum anderen können die Teams, um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, mit den zugewiesenen Budgets untereinander Handel treiben und sie zudem in gewissem Rahmen überziehen. Allerdings zieht das Überziehen Strafen nach sich: erstens eine finanzielle Strafe in Höhe von 100% des überzogenen Budgets und zweitens Auflagen für die folgenden Signing-Perioden. Wer sein Budget um 5-10 Prozent überzieht, darf ein Jahr lang keine internationalen Spieler für mehr als 500.000 Dollar verpflichten, bei 10-15 Prozent vermindert sich dies auf 300.000 Dollar pro Spieler und bei über 15 Prozent gilt die gleiche Auflage für zwei Jahre. Erst im Lichte dieser Regeln wird deutlich, wie teuer beispielsweise die Reds für Eduardo Rodriguez bezahlt haben, denn er kostet sie nicht nur die 7 Millionen Dollar für den Vertrag sondern auch die Strafzahlung und vor allem die Handlungsfähigkeit auf dem Markt internationaler Talente für voraussichtlich die nächsten zwei Jahre (durch Trades lässt sich die Strafe eventuell noch drücken).

Hier ein Artikel, in dem die Regeln noch mal übersichtlich erläutert und die Bonuspools der einzelnen Teams für die aktuelle Signing-Periode dargestellt sind. 2016 gilt für die Cubs, die Dodgers, die Giants, die Royals, die Angels, die Diamondbacks, die Rays, die Yankees und die Blue Jays, dass sie keine Spieler aus dem internationalen Talentepool für mehr als 300.000 Dollar verpflichten dürfen. Noch härter trifft es die Red Sox: Weil Boston letztes Jahr versucht hat, die Regeln zu umgehen, wurde ihnen für dieses Jahr die Verpflichtung internationaler Prospects komplett verboten und fünf Verträge aus dem letzten Jahr wurden aufgelöst (wobei die betreffenden Spieler die erhaltenen Bonuszahlungen behalten dürfen, damit sie nicht die Leidtragenden der Schummelei des Vereins sind).

Die internationale Signing-Periode hat erst begonnen und einige interessante Deals werden in den nächsten Tagen noch folgen. Es lohnt sich daher, den Tracker von Baseball America zu verfolgen. Zu beachten ist dabei, dass Baseball America eine eigene Prospect-Liste führt, die sich von der auf mlb.com unterscheidet.

Juli 4th, 2016 by