Die Ballparks der MLB: Kauffman Stadium

Als vor zwei Wochen die Footballer der Kansas City Chiefs den Superbowl gewannen, ließen die Glückwünsche des twitterfreudigen US-Präsidenten nicht lange auf sich warten: Donald Trump gratulierte den Chiefs, dass sie den „Great State of Kansas“ hervorragend repräsentiert hätten. Das war nett gemeint, sorgte aber für reichlich Spott. Im Gegensatz zum Präsidenten ist den meisten Sportfans bekannt, dass die Chiefs nicht aus Kansas City (Kansas) kommen, sondern aus der gleichnamigen und deutlich größeren Nachbarstadt im Staat Missouri. Dort steht ihr Arrowhead Stadium als Teil des Truman Sports Complex direkt neben Kauffman Stadium, dem Ballpark der Kansas City Royals, welchem ich heute eine Folge der Baseblog-Ballparks-Serie widme. Es wird übrigens die letzte der laufenden Offseason, denn ab nächster Woche werde ich wieder vollauf beschäftigt sein mit den Vorschau-Artikeln zur neuen Saison für alle 30 Teams.

Kauffman Stadium in Kansas City (1)

Geschichte
Der 1973 eröffnete Ballpark ist heute einer der ältesten der Liga. Geplant wurde er für ein Team, das nie dort eingezogen ist: die Kansas City Athletics. Deren damaliger Owner, Charles O. Finley, entschied 1968 kurzfristig, seinen Klub nach Oakland zu verlegen. So stand Kansas City plötzlich mit einer Großbaustelle für ein Baseballstadion, aber ohne MLB-Team da. Auf politischen Druck hin entschied die Liga, der Stadt ein neues Team zuzugestehen. Die Kansas City Royals nahmen 1969 den Spielbetrieb auf, zunächst im Municipal Stadium, das sie sich – wie zuvor die Athletics – mit den Chiefs teilten.

Zur Saison 1973 war der neue Ballpark fertig und wurde eingeweiht als Royals Stadium. Erst 20 Jahre später erfolgte kurz vor dem Tod von Ewing Kauffman, dem Gründer und ersten Eigentümer der Royals, die Umbenennung des Stadions auf seinen Namen. Es handelte sich um eine reine Ehrbezeugung, nicht um einen Verkauf oder eine Vermietung der Namensrechte. Oft wird das Stadion kurz „The K“ genannt.

Schon am 15. Mai 1973, nur einen Monat nach dem Eröffnungsspiel der Royals gegen die Texas Rangers (12:1), sah der Ballpark bereits seinen ersten No-Hitter: Nolan Ryan gelang mit den California Angels beim 3:0 gegen die Royals das erste von sieben hitlosen Spielen seiner Karriere. Ebenfalls schon im ersten Jahr war das All-Star-Spiel der MLB zu Gast, welches 2012 noch ein weiteres Mal in The K stattfand.

Von 2007 bis 2009 wurde Kauffman Stadium einer umfassenden Renovierung unterzogen. Es erhielt unter anderem ein modernes Scoreboard, aufgewertete Sitzplätze und Restaurants, einen neuen Kinderbereich und ein interaktives Hall-of-Fame-Museum.

Die bisherigen sportlichen Highlights der Royals in The K waren vier World-Series-Teilnahmen. Zweimal gewannen die Royals den höchsten Titel im Baseball. 1985 feierten sie nach Spiel 7 gegen die St. Louis Cardinals den Triumph im eigenen Stadion. 2015 legten sie gegen die New York Mets zwei Heimsiege vor, bevor sie mit Auswärtssiegen in den Spiel 4 und 5 die Championship klar machten.

Außenansicht von Kauffman Stadium (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Kauffman Stadium wurde als reines Baseballstadion erbaut. Das war gerade in seiner Entstehungszeit, als Multifunktionsarenen groß in Mode waren, etwas Besonderes.

Von außen bietet das von Kivett and Myers designte und 2009 von Populous renovierte Stadion eine recht nüchterne Fassade aus Beton und Glas. Von innen macht es deutlich mehr her mit dem elegant geschwungenen Tribünenverlauf von sehr hoch hinter der Homeplate bis ganz niedrig im Outfield. Sehr auffällig thront in der Mitte zwischen den flachen Outfieldtribünen das Scoreboard von Kauffman Stadium – nicht zuletzt, weil es passend zum Teamnamen eine gewaltige Krone trägt.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal von The K ist der Springbrunnen hinter dem Rightfield. Er galt lange Zeit als größer privat betriebener Springbrunnen der Welt und dient als Anspielung darauf, dass Kansas City als die „City of Fountains“ bekannt ist. Die Fontänen sind vor und nach dem Spiel sowie zwischen den Innings im Betrieb. Während des Spiels sind sie bis auf den konstant fließenden Wasserfall ausgeschaltet.

Die Wasserspiele im Outfield (3)

Spielbezogene Eigenheiten
The K hat den Ruf, ein Pitcher’s Park zu sein, also eine vorteilhafte Umgebung für Pitcher. Das ist nicht ganz falsch, aber doch nur die halbe Wahrheit.

Das symmetrische Outfield mit Rightfield- und Leftfield-Lines von 220 Fuß (101m) und einem steilen Verlauf der Feldbegrenzung bis ins 410 Fuß (125m) tiefe Centerfield macht das Spielfeld von Kauffman Stadium zum flächenmäßigen größten der ganzen Liga. Spätestens nachdem 2004 und 2009 die Zäune jeweils ein Stück nach hinten verlegt wurden, ist das Schlagen von Homeruns in Kansas City deutlich schwerer als anderswo.

Die andere Seite der Medaille ist allerdings, dass durch das weitläufige Feld überdurchschnittlich viele Doubles sowie besondere viele Triples geschlagen werden. Somit ist Kauffman Stadium eine gute Umgebung für andere Hits als Homeruns, was sich in der Analyse von Parkfaktoren gut nachweisen lässt.

Wo sitzt man am besten?
Ein Ticket für Kauffman Stadium kostete 2019 im Durchschnitt 65 Dollar, was ungefähr dem Durchschnitt der MLB entspricht. Am Portemonnaie wird ein Stadionbesuch jedenfalls nicht scheitern, denn die günstigsten Tickets – Outfield, oberste Etage – gibt es schon für 7 bis 10 Dollar je nach Zeit und Gegner. Zu beachten ist, dass man an potenziell sonnigen Tagen besser Sitze auf der Seite des Leftfields wählen sollte.

Wenn man das Spiel aus der Premium-Perspektive hinter der Homeplate verfolgen möchte, so wird man für 80 bis 100 Dollar fündig – im Vergleich dazu, was solche Plätze in manch anderen Stadien kosten, ist das ein ziemliches Schnäppchen. Einen guten Kompromiss aus nicht allzu weit entfernt, nicht zu teuer und vor allem schattig stellen die Plätze des Loge Levels auf der Third-Base-Seite (Sections 305-311) dar.

Ein bestimmter Sitz in The K ist so speziell, dass man ihn nicht mit Geld kaufen kann. Man erkennt ihn daran, dass es der einzige rote unter lauter blauen Sitzen hinter der Homeplate ist. Das ist der Buck O’Neil Legacy Seat, der einstige Stammplatz von einem der populärsten Spieler aus der Zeit der Negro Leagues. O’Neil war von 1937 bis 1955 für die Kansas City Monarchs aktiv und besuchte später regelmäßig die Spiele der Royals. Der Platz wird zu jedem Heimspiel an eine Person vergeben, die durch soziales Engagement oder auf andere Weise dem Geist von Buck O’Neil gerecht wird.

Der Sitz von Buck O’Neil (4)

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Chris Murphy (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: mtfrazier (CC BY-NC-ND 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Jim Ellwanger (CC BY-NC 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia, Urheber: Badlydrawnjeff (CC BY-SA 3.0)

Februar 18th, 2020 by