Pitcharten: Knuckleball

Heute geht es um den Knuckleball. Dieser besondere Pitch wird von den meisten Pitchern fast nie, von wenigen Spezialisten hingegen fast ausschließlich geworfen.

Im Gegensatz zu allen bisher vorgestellten Pitches, die sich im Fluge rückwärts (Fastball), vorwärts (Curveball) oder seitwärts (Slider) drehen, weist ein korrekt geworfener Knuckleball minimale bis gar keine Rotation auf. Das macht ihn zum einen recht langsam, sogar langsamer als alle anderen Pitches: Ein durchschnittlicher Knuckleball in der MLB-Saison 2016 wies eine Geschwindigkeit von 74,5 mph (120 km/h) auf; das waren 18 mph weniger als ein Fastball und immer noch gut 3 mph weniger als ein Curveball. Zum anderen setzt die Abwesenheit von Rotation den Ball einer kaum vorhersagbaren Luftströmung aus; es entsteht das, was man auf Deutsch (zum Beispiel im Fußball) als „Flatterball“ bezeichnet. Der Ball bewegt sich nicht unbedingt mehr als ein „normaler“ Pitch, aber eben in unberechenbarer Art und Richtung. Das macht ihn zu einer schwierigen Angelegenheit für alle Beteiligten: natürlich für den Batter, aber auch für den Pitcher beim Treffen der Strikezone, den Catcher beim Fangen und den Umpire bei der Beurteilung von Balls und Strikes.

Der Griff des Knuckleballs mag für den einen oder anderen etwas überraschend sein, denn anders als der Name nahelegt, wird der Ball meistens nicht mit dem Knöchel (knuckle) gehalten sondern mit den Fingerspitzen. Tatsächlich war es früher üblich, den Knuckleball tatsächlich mit den Knöcheln zu werfen, doch der Fingerspitzengriff hat sich schon lange durchgesetzt. Die häufigste Form des Knuckleballs wird mit den Spitzen von Zeige- und Mittelfinger oben auf der Naht und dem stabilisierenden Daumen von unten gegriffen (two-knuckle grip). Eine Alternative ist der three-knuckle grip, bei dem zusätzlich die Spitze des Ringfingers verwendet wird. Die Armbewegung ist vergleichbar mit der beim Werfen eines Fastballs, aber beim Release bleibt das Handgelenk oben und der Ball wird mit den Fingerspitzen nach vorne geschnippt.

Hall of Famer Hoyt Wilhelm demonstriert seinen Knuckleball-Griff1

Wie eingangs erwähnt ist der Knuckleball ein sehr seltener Pitch. Nur 0,6% aller 2016 in der MLB geworfenen Pitches waren Knuckleballs und die verteilten sich auf lediglich acht von 742 in der Saison eingesetzten Pitchern. Selbst diese Zahl ist noch eine Übertreibung, denn fünf dieser acht waren Positionsspieler, die nur einmalig als Notnagel auf den Mound stiegen. Bleiben nur drei: Karriere-Minor-Leaguer Eddie Gamboa, der für die Rays 13.1 Innings lang MLB-Luft schnuppern durfte, sowie die beiden momentan einzigen etablierten Knuckleballer der Liga, R. A. Dickey (Toronto Blue Jays, jetzt Atlanta Braves) und Steven Wright (Boston Red Sox).

Knuckleballer waren im modernen Baseball immer eine Ausnahmeerscheinung. Das liegt zum einen daran, dass der Knuckleball sehr schwer zu kontrollieren ist und es nur wenige Pitcher schaffen, ihn so sehr zu meistern, dass sie nicht ständig Walks und Hit-by-Pitches provozieren. Zum anderen benötigt ein Knuckleballer auch das richtige Umfeld, um seine Kunst zeigen und weiterentwickeln zu können – die meisten Coaches, Scouts und Catcher sind schlichtweg nicht eingestellt auf diesen Pitch, der so ganz anders ist als alle anderen. Knuckleballer, die es in die Hall of Fame geschafft haben, waren Jesse Haines, Phil Niekro sowie der oben abgebildete Hoyt Wilhelm.

Dies war der vorerst letzte Teil der Serie über Pitcharten. Wenn sie euch gefallen hat, sagt es weiter; wenn euch etwas gestört hat oder ihr etwas vermisst habt, sagt es mir. Ich für meinen Teil habe durch die Recherche eine Menge gelernt und mir ist schon bei den ersten Partien des Spring Trainings aufgefallen, dass das erweiterte Wissen über die verschiedenen Pitches meine Wahrnehmung des Spiels verändert hat.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: unbekannt

Februar 28th, 2017 by