Die größten MLB-Skandale: #5 Biogenesis

Wir schreiben das Jahr 2013. Die Steroid-Ära der MLB von den 1990er-Jahren bis Mitte der 2000er-Jahre ist Geschichte, ihre prominentesten Vertreter wie Barry Bonds, Marc McGwire und Roger Clemens haben ihre Karrieren beendet, es finden regelmäßige Dopingtests statt. So langsam kann der professionelle Baseball von sich behaupten, den Glauben an seine Integrität wieder hergestellt zu haben. Doch am 22. Januar kommt die Miami New Times mit einem Bericht heraus, der das mühsam aufgebaute Vertrauen erneut nachhaltig erschüttert.

Im Fokus der Recherchen des Blattes standen Dokumente, die ein ehemaliger Mitarbeiter der Schönheitsklinik „Biogenesis of America“ geleakt hatte. Die Dokumente wiesen drei MLB-Spieler, die bereits 2012 positiv auf leistungsfördernde Mittel getestet worden waren – Yasmani Grandal, Melky Cabrera und Bartolo Colon –,  als Patienten der Klinik aus. Diverse weitere, bislang nicht positiv getestete Baseballstars wie Alex Rodriguez, Ryan Braun und Nelson Cruz standen ebenfalls in Verbindung mit Biogenesis und gerieten mit unter Verdacht, in der Klinik weniger eine Schönheitsbehandlung erhalten zu haben als vielmehr systematisches Doping.

Anders als in früheren Fällen zeigte die MLB von Anfang an den Willen zur schnellen und vollständigen Aufklärung. Sowohl die Ligaleitung als auch die Strafverfolgungsbehörden führten Untersuchungen durch und strengten Klagen gegen den Eigentümer der Klinik, Anthony Bosch, und mehrere seiner Geschäftspartner an. Diese führten letztlich dazu, dass Bosch zu vier Jahren Haft verurteilt wurde wegen „Verschwörung zur Verbreitung von Testosteron“. Die Strafe wurde später um ein Drittel reduziert, weil Bosch kooperativ war und die strafrechtliche Verfolgung diverser Komplizen ermöglichte.

14 MLB-Spieler wurden im Zuge der Ermittlungen des Dopings mit Wachstumshormonen überführt. Gegen sie wurde keine gerichtliche Anzeige gestellt, aber die MLB sprach teils empfindliche Strafen aus. Das härteste Urteil erging gegen Alex Rodriguez. Er wurde am 5. August 2013 bis zum Ende der Saison 2014 gesperrt, das wären 211 Spiele gewesen. Da er gegen die Entscheidung Einspruch einlegte, durfte er die Saison 2013 doch noch zu Ende spielen, bevor ein Schlichter die Sperre für das gesamte Jahr 2014 – also 162 Spiele – bestätigte. Rodriguez‘ Strafe fiel höher aus als es für einen Ersttäter üblich wäre, weil die MLB in seinem Fall als erwiesen ansah, dass seine Verstöße über mehrere Jahre hinweg erfolgt waren und er obendrein versucht hatte, die Ermittlungen zu behindern.

Ryan Braun war bereits 2011 positiv getestet worden und damals um eine Sperre herumgekommen wegen eines Formfehlers beim Umgang mit der Probe. Nach den Biogenesis-Enthüllungen einigte er sich mit der Ligaleitung, eine Sperre von 65 Spielen zu akzeptieren. Nelson Cruz, Everth Cabrera, Jhonny Peralta, Antonio Bastardo, Francisco Cervelli, Jordany Valdespin, Jesus Montero, Cesar Puello, Sergio Escalona, Fernando Martinez, Fautino de los Santos und Jordan Norberto wurden für jeweils 50 Spiele gesperrt.

Wenn man Grandal, Colon und Melky Cabrera dazu zählt, die schon 2012 für ebenfalls je 50 Spiele gesperrt waren, sind insgesamt 17 MLB-Spieler über den Biogenesis-Skandal gestolpert. Von den ausgesprochenen individuellen Strafen her war es der größte Skandal der MLB-Geschichte.

Für einige der betroffenen Spieler war die Beteiligung an den Vorgängen der Todesstoß ihrer Karriere. Braun und Rodriguez setzten ihre auf hohem Niveau fort und wären eigentlich Kandidaten für eine Aufnahme in die Hall of Fame. Aufgrund der Dopinggeschichten wird diese ihnen wahrscheinlich verwehrt bleiben. Anderen, zum Beispiel Colon, Cervelli, Cruz und Grandal, gelang es irgendwie, dass man sie heute kaum noch mit den geschilderten Vorgängen in Verbindung bringt.

Januar 12th, 2021 by