Die größten MLB-Skandale: #6 Owner verschwören sich gegen die Spieler

Im Profisport lässt sich viel Geld verdienen – zum einen, weil die Klubs durch Tickets, Merchandising, TV-Rechte und Werbung hohe Einnahmen erzielen, zum anderen weil die Sportler Fähigkeiten haben, durch die sie heiß umworben und schwer ersetzbar sind. Aber was passiert, wenn die Teambesitzer der größten und reichsten Baseballliga der Welt sich absprechen, auf das Abwerben und Wettbieten zu verzichten? Dann haben die Spieler ein Problem, denn die Klubs können plötzlich die Gehälter willkürlich diktieren, weil sie keine Konkurrenz zu fürchten haben. Das klingt nach Stoff für eine Verschwörungstheorie, ist aber Mitte der 1980er-Jahre nachweislich mehrere Jahre hintereinander genau so passiert. 

Als Drahtzieher der Absprachen gilt Peter Ueberroth, der im Oktober 1984 das Amt des MLB-Commissioners übernommen hatte. Auf dem ersten Meeting, das er leitete, hielt er den Ownern vor, sie seien „damned dumb“, wenn sie bereit seien, finanziell draufzuzahlen, um eine World Series zu gewinnen. Später erläuterte er den General Managern, warum es „not smart“ sei, sich auf langfristige Verträge mit den Spielern einzulassen. Ueberroth gelang es schließlich, sämtliche Vereine davon zu überzeugen, 1985, 1986 und 1987 auf die Verpflichtung neuer Spieler weitgehend zu verzichten und so die Gehälter zu drücken. 

In der Offseason 1985/86 wechselten lediglich vier Spieler den Verein, an denen ihre alten Klubs nicht mehr interessiert waren. Alle anderen Free Agents, darunter Stars wie Kirk Gibson, Tommy John und Phil Niekro, waren gezwungen, bei ihren bisherigen Vereinen zu Konditionen zu unterschreiben, die diese diktierten. Das Manöver der Owner war für die Spieler und ihre Agenten so durchsichtig, dass schon im Februar 1986 die Spielergewerkschaft MLBPA eine erste Klage wegen illegaler Absprachen einreichte. 

Dessen ungeachtet führten die Klubs ihr Modell in der Offseason 1986/87 fort. Auf diese Weise gelang es ihnen, die Durchschnittsgehälter der Free Agents um 16% zu senken, während ihre eigenen Einnahmen um 15% stiegen. Im Februar 1987 reichte die MLBPA eine weitere Klage ein. 

Kurz vor Beginn der nächsten Offseason, im September 1987, urteilte ein Schiedsgericht über die erste Klage aus 1985/86. Das Gericht stellte fest, dass die Owner sich verschworen hatten, um Spielerwechsel zu verhindern, und dass dadurch die Verträge zwischen MLB und MLBPA verletzt wurden. Trotz des eindeutigen Urteils ließen sich Ueberroth und die Owner nicht davon abhalten, die illegalen Absprachen in leicht modifizierter Form auch 1987/88 fortzusetzen. Die MLBPA reichte daraufhin die dritte Klage ein. 

Der Spuk fand sein Ende, als die Owner ab Januar 1988 in mehreren Prozessen zu Strafzahlungen verurteilt wurden. Insgesamt mussten die Klubs 280 Millionen Dollar berappen, die über die MLBPA an die geschädigten Spieler verteilt wurden. Zudem erhielten die betroffenen Spieler die Möglichkeit, die auf Grundlage der Owner-Absprachen geschlossenen Verträge einseitig zu kündigen und woanders zu unterschreiben. Auf diese Art kam zum Beispiel Kirk Gibson zu einem Dreijahresvertrag bei den Los Angeles Dodgers. 

Peter Ueberroth musste infolge der aufgedeckten Vorgänge seinen Hut nehmen, doch das Vertrauensverhältnis zwischen Spielern und Ownern war noch jahrelang gestört. Der massiv geführte Arbeitskampf 1994/95, dem unter anderem die World Series 1994 zum Opfer fiel, wird häufig als eine Spätfolge der hier geschilderten Vorgänge aus den 1980er-Jahren angesehen. 

Januar 5th, 2021 by