Die größten MLB-Skandale: #7 Die Pittsburgh Drug Trials

Dass der professionelle Baseball spätestens ab den 1990er-Jahren ein Problem mit der Nutzung leistungsfördernder Substanzen hatte, ist allgemein bekannt und wird natürlich auch in dieser Serie noch Thema sein. Doch schon zehn Jahre vor der sogenannten Steroid-Ära erschütterte ein anderer Drogenskandal die Liga. In den Pittsburgh Drug Trials, einer Reihe von Gerichtsprozessen, kamen 1985 erschütternde Details über offenbar weit verbreiteten Kokainmissbrauch in der MLB ans Licht.

Im Fokus der Ermittlungen standen die Pittsburgh Pirates. Sieben ihrer Spieler – Dale Berra, Lee Lacy, Lee Mazzilli, John Milner, Dave Parker und Rod Scurry – sowie eine Reihe weiterer MLB-Spieler – Willie Aikens, Vida Blue, Enos Cabell, Keith Hernandez, Jeffrey Leonard, Tim Raines, Lonnie Smith und Alan Wiggins – wurden vor dem Gericht als Zeugen gehört. Im Gegenzug für ihre Aussage wurde ihnen Straffreiheit im Hinblick auf den eigenen Drogenbesitz und -konsum gewährt.

Durch die Aussagen wurde deutlich, dass es sich bei den untersuchten Vorgängen wohl nur um die Spitze des Eisberges handelte. Unter anderem kam zutage, dass man in Pittsburgh während des Spiels Kokain von Dealern kaufen und es sich vom Pirate Parrot, dem Team-Maskottchen, liefern lassen konnte. Tim Raines offenbarte, dass er in der Tasche seiner Uniformhose ein Gramm Kokain aufbewahrte, um während des Spiels schnupfen zu können, und dass er beim Baserunning extra mit dem Kopf statt den Füßen voran slidete, um den Behälter nicht zu zerbrechen. John Milner berichtete, dass er in New York und Pittsburgh von den späteren Hall of Famern Willie Mays und Willie Stargell mit Amphetaminen versorgt worden sei. Die Anschuldigungen gegen Mays und Stargell konnten allerdings nie bewiesen werden. Keith Hernandez, der vor Gericht zugab, selbst drei Jahre lang massiv Kokain konsumiert zu haben, schätzte später, in den frühen 1980ern hätten rund 40% der MLB-Spieler die Droge genommen. 

Die Drug Trials endeten mit Urteilen gegen die Dealer Curtis Strong und Dale Shiffman, die Gefängnisstrafen von je zwölf Jahren erhielten (von denen sie nur vier bzw. zwei tatsächlich absitzen mussten) sowie der Verurteilung einer Reihe kleiner Dealer zu jeweils eineinhalb bis zweieinhalb Jahren Haft. 

Gegen die involvierten Spieler gab es vor Gericht aufgrund des erwähnten Deals keine Anklage. Seitens der MLB wurden zunächst Sperren von 60 Spielen bis zu einer ganzen Saison gegen elf Spieler ausgesprochen. Die Sperren wurden jedoch allesamt ausgesetzt unter den Auflagen, dass die Spieler einen Teil ihres Einkommens für Programme gegen Drogenmissbrauch spendeten, 50 bis 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisteten und sich mit regelmäßigen Drogentests einverstanden erklärten.

Vielen der genannten Spieler gelang es, ihre Baseballkarrieren erfolgreich und – soweit man das weiß – drogenfrei fortzusetzen, allen voran Dave Parker und Keith Hernandez. Andere wie Willie Aikens und Lary Sorenson brachten ihre fortgesetzten Suchtprobleme letztlich doch noch in den Knast oder kosteten sie gar das Leben: Alan Wiggins starb 1991 im Alter von 32 Jahren an AIDS, nachdem er sich beim Spritzen von Drogen mit HIV infiziert hatte. Rod Scurry erlag 1992 mit 36 einer durch Kokain verursachten Herzattacke. 

Dezember 29th, 2020 by