Die größten MLB-Skandale: #8 Pete Rose wettet auf Baseball

Letzte Woche ging es hier unter anderem um Ty Cobb, einen der größten Hitter aller Zeiten. Nur ein Spieler hat in der Geschichte der MLB mehr Basehits erzielt als Cobb: Pete Rose führt mit 4.256 Hits die Karriere-Rangliste an, in der er wohl noch auf Jahrzehnte hinaus uneinholbar sein wird. Trotz dieser einzigartigen Leistung sucht man Rose in der Hall of Fame des Baseballs vergeblich. Warum eigentlich?

Im Jahr 1989 wurde bekannt, dass Rose, der 1986 seine Spielerkarriere beendet hatte und seit 1984 als Manager für die Cincinnati Reds tätig war, beschuldigt wurde, auf Baseballspiele gewettet zu haben. Er stritt dies zunächst ab, doch die Liga setzte Anwalt John Dowd als Sonderermittler ein. Dessen erdrückende Beweisführung im sogenannten Dowd-Report brachte Rose dazu, sich auf einen Deal einzulassen. Er stimmte einem lebenslangen Ausschluss durch die MLB zu, im Gegenzug verzichtete diese auf eine offizielle Anklage. Was dies in letzter Konsequenz für Rose bedeuten würde, konnte ihm zu dem Zeitpunkt nicht klar sein. Denn erst im Nachhinein beschloss die Hall of Fame 1991 eine Regel, dass niemand, der lebenslang gesperrt ist, in die Ruhmeshalle aufgenommen werden darf.  

Erst im Jahr 2002 gab Pete Rose gegenüber dem damaligen Commissioner Bud Selig erstmals zu, tatsächlich auf Spiele gewettet zu haben, während er Manager der Reds war. Er legte dabei großen Wert auf die Feststellung, dass er nie Geld gegen das eigene Team setzte, sondern stets auf dessen Erfolg wettete. Dies führte er auch in seiner 2004 erschienenen Autobiographie My Prison Without Bars aus.

Der Fall Pete Rose spaltet bis heute die Baseballwelt. Darüber, dass man grundsätzlich als Aktiver nicht auf Spiele wetten sollte, sind sich fast alle einig, zumal dies im MLB-Regelwerk schon seit 1927 klar untersagt ist. Ob man allerdings einen der überragenden Spieler der Baseballgeschichte mehr oder weniger aus selbiger tilgen muss, weil er Geld auf das eigene Team gesetzt hat, darüber lässt sich trefflich streiten. Ich persönlich halte diese Strafe für übertrieben, vor allem weil ich – anders als die geltende Regel – einen qualitativen Unterschied zwischen Wetten für und gegen das eigene Team sehe.  

Rose hat im Laufe der Jahre mehrere Anträge auf Begnadigung von der lebenslangen Sperre gestellt, die allesamt abschlägig beschieden wurden, zuletzt 2015 durch den aktuellen Commissioner Rob Manfred. Im Februar 2020 beantragte Rose erneut eine Prüfung seines Falls im Lichte des Sign-Stealing-Skandals der Astros, für den bekanntlich deutlich mildere Strafen ausgesprochen wurden. Die Chancen, dass ihm dies etwas nützt, dürften schlecht stehen.

Dezember 22nd, 2020 by