Baseball wird olympisch

Übermorgen werden die Olympischen Spiele in Rio eröffnet. Für viele Sportler ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung das Highlight ihrer Karriere. Für andere ist es zumindest eine Gelegenheit, ihrer Sportart und/oder der eigenen Person die Aufmerksamkeit eines Publikums zu verschaffen, von dem sie in den vier Jahren dazwischen weitgehend ignoriert werden. Die Baseballer hingegen dürfen bei Olympia zum zweiten Mal in Folge nur zuschauen und sich einstweilen damit trösten, dass heute ihre Wiederaufnahme als olympische Sportart für 2020 beschlossen wurde.

Das Bestreben, Baseball zu einer olympischen Sportart zu machen, ist fast so alt wie die Olympischen Spiele der Neuzeit selbst: Schon 1904 fand während der Spiele in St. Louis ein inoffizielles Baseballturnier statt. 1912 in Stockholm war Baseball erstmals als offizielle Demonstrationssportart vertreten, was sich 1936, 1956, 1964, 1984 und 1988 wiederholte. Ab 1992 war Baseball dann fünfmal vollwertige Medaillensportart. Dabei durften zunächst nur Amateuerspieler antreten, ab 2000 dann auch Profis. Dennoch musste sich das Turnier mit Spielern aus der dritten Reihe oder bestenfalls Prospects zufrieden geben, denn die Olympischen Sommerspiele fielen zeitlich immer mitten in die MLB-Saison und die Prioritäten der Teams und der Liga waren eindeutig: Spieler aus den aktuellen 25-Mann-Kadern wurden nicht freigestellt. Schaut man auf die Kader des bislang letzten olympische Baseballturniers im Jahr 2008 zurück, so stößt man dennoch auf einige aus heutiger Sicht illustre Namen: Zum Beispiel traten Jake Arrieta, Stephen Strasburg und Dexter Fowler für die USA an, Masahiro Tanaka und Yu Darvish für Japan, Hyun-Jin Ryu und Dae-Ho Leee für Südkorea und Yuliesky Gourriel für Kuba.

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Baseball ab 2012 wieder aus dem Programm zu nehmen, hing mit Sicherheit stark damit zusammen, dass es ihm nicht gelang, die Verantwortlichen der MLB zu überzeugen, die besten Spieler zu Olympia zu schicken – anders als beispielsweise die NBA seit 1992 und die NHL seit 1998. Seither gab es drei Abstimmungen über eine Wiederaufnahme, von denen die ersten beiden verloren gingen. Stattdessen wurden für 2016 Golf und Rugby neu aufgenommen und für 2020 das ursprünglich schon als Streichkandidat festgelegte Ringen doch als olympische Sportart erhalten (Letzteres finde ich auch richtig so). In der dritten Abstimmung, die heute stattfand, wurde auf Vorschlag des japanischen Organisationskomitees beschlossen, Baseball (männliche Athleten) und Softball (weibliche Athleten) für Tokio 2020 aufzunehmen. Die Entscheidung dürfte insofern leicht gefallen sein, als diese Sportarten in Japan sehr populär und zahlreiche geeignete Wettkampfstätten vorhanden sind. Allerdings gilt der Beschluss nur für dieses eine olympische Turnier. Für 2024 wird neu entschieden und auch dann haben die Gastgeber ein Vorschlagsrecht – finden die Spiele in Los Angeles statt, bedeutet das sicher bessere Aussichten für Baseball als wenn Paris oder Budapest den Zuschlag erhalten.

Die Bereitschaft der MLB, die Top-Spieler für Olympia freizustellen, wäre sicher ein gutes Argument, Baseball wieder dauerhaft bei den Spielen zu etablieren. Allerdings wäre das ein gravierender Eingriff in den Spielplan, dessen einzige längere Unterbrechung bislang der All-Star-Break von vier bis fünf Tagen darstellt. Eine Olympia-Pause würde rund 14 Tage Ende Juli / Anfang August in Anspruch nehmen und müsste von den Teambesitzern sowie von der Spielergewerkschaft abgesegnet werden. MLB-Commissioner Manfred zeigt sich zwiegespalten: Laut seinen Äußerungen findet er den olympischen Status für Baseball sehr wünschenswert, andererseits hält er es für einen Fehler, einen so tiefen Eingriff in die MLB-Saison zu beschließen, solange der IOC sich nicht langfristig zum Baseball bekennt. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz.

August 3rd, 2016 by