Die Ballparks der MLB: Oriole Park at Camden Yards

In Baltimore sind die Orioles, das momentan wohl uninteressanteste Team der MLB, zu Hause. Weder der mitleiderregende Zustand der Franchise, die dieses Jahr 115 Spiele verloren hat, noch der etwas sperrige Name „Oriole Park at Camden Yards“ können aber verbergen, dass die Heimstätte der Orioles eines der schönsten Stadien der Liga ist. Tatsächlich hat der 1992 eröffnete Ballpark so viel Zuspruch und Begeisterung ausgelöst, dass er fast allen seitdem eröffneten MLB-Stadien mehr oder weniger stark als Vorbild in Struktur und Design diente.

Geschichte
Die Orioles hatten seit ihrer Ansiedlung in Baltimore im Jahr 1954 im Memorial Stadium gespielt. Es handelte sich um ein Multisport-Stadion, das sie sich mit dem NFL-Team Baltimore Colts teilten. Die Colts zogen 1984 nach Indianapolis um, unter anderem weil die Stadt nicht bereit war, Geld für ein neues Stadion auszugeben. Das Risiko, auch die Orioles – und damit den Status als Profisport-Stadt – zu verlieren, bewirkte ein Umdenken der politisch Verantwortlichen. Die Finanzierung eines neuen Ballparks wurde genehmigt und das Architektenbüro HOK Sport (heute Populous) erhielt den Auftrag zur Planung.

1989 begann die 33-monatige Bauphase. Währenddessen wurde über den Namen des neuen Stadions diskutiert. Der damalige Teambesitzer Eli Jacobs sprach sich für „Oriole Park“ aus. Diesen Namen hatten schon fünf frühere Ballparks getragen, von denen der letzte 1944 abgebrannt war. Der Gouverneur des Staates Maryland bevorzugte „Camden Yards“ und nach langer Diskussion einigte man sich auf den zusammengesetzten Namen, den der Ballpark bis heute trägt.

Panorama aus Sicht der Third-Base-Seite (1)

Mit Baukosten von 110 Millionen Dollar war das in der Innenstadt gelegene Stadion vergleichsweise günstig. Oriole Park at Camden Yards wurde am 6. April 1992 mit dem Spiel der Orioles gegen die Cleveland Indians eröffnet. Den zeremoniellen ersten Pitch warf der damalige US-Präsident George Bush. Rick Sutcliffe pitchte einen Complete Game Shutout und die Orioles gewannenen 2:0. 1993 war Oriole Park Gastgeber des All-Star-Spiels der MLB.

2008 und 2009 wurden neue Sound- und Videoanlagen nachgerüstet. 2011 bis 2012 erfolgte eine größere Renovierung, bei der vor allem Premium-Sitze und Logen sowie das gastronomische Angebot aufgewertet wurden.

Eine unschöne Premiere erlebte Oriole Park am 29. April 2015 mit der Partie der Orioles gegen die Chicago White Sox: Zum ersten Mal in der Geschichte der MLB fand ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Grund waren Sicherheitsbedenken angesichts von gewaltsamen Unruhen in der Stadt, die auf den Tod des dunkelhäutigen Freddie Gray in Polizeigewahrsam zurück gingen.

Architektonische Auffälligkeiten
Oriole Park at Camden Yards war das erste Objekt, das von Populous in dem inzwischen sehr verbreiteten Retro-Stil umgesetzt wurde. Es setzte einen Trend, der weg ging von futuristischen Multifunktionsarenen, hin zu reinen Baseballstadien mit klassisch übereinander gestuften Tribünen, von Ziegelsteinen dominierten Außenfronten und bewusst asymmetrischen Außenfeldmaßen.

Frontansicht von Oriole Park (2)

Das Vorbild aus Baltimore war so einflussreich, dass 20 Jahre später (und bis heute) nur noch zwei Teams – Oakland und Toronto – übrig blieben, die nicht in einem reinen Baseballstadion spielen. Seit der Eröffnung von Oriole Park wurden 22 MLB-Stadien entweder neu gebaut oder umfassend renoviert. 21 davon werden den von Oriole Park geprägten Kategorien „retro-klassisch“ oder „retro-modern“ zugerechnet, mit Marlins Park in Miami als einzige Ausnahme.

Eine Besonderheit stellen zwei orangefarbene inmitten der ansonsten allesamt grünen Sitze dar. Einer befindet sich auf der Tribüne im rechten Außenfeld und markiert die Stelle, an die Orioles-Legende Eddie Murray 1996 seinen 500. Homerun schlug. Der andere im linken Außenfeld erinnert an den 278. Homerun von Cal Ripken Jr. als Shortstop, der damit 1993 einen Rekord aufstellte.

Spielbezogene Eigenheiten
Oriole Park at Camden Yards ist ein relativ vorteilhafter Ballpark für Power-Hitter, das heißt es gibt dort mehr Homeruns als im Durchschnitt. Das gilt für Batter mit beiden Händigkeiten, für linkshändige allerdings etwas mehr. Das liegt vor allem am kurzen Rightfield mit der nur 318 Fuß (97 Meter) langen Foullinie, woran auch der 25 Fuß (7,62 Meter) hohe Zaun nichts ändert. Das 400 Fuß (122 Meter) tiefe Centerfield gehört ebenfalls zu den kleineren der Liga. Das Leftfield mit 333 Fuß (101,5 Meter) Tiefe am Foulpole ist nicht ganz so klein, dafür ist der Zaun dort nur 7 Fuß (2,14 Meter) hoch.

Die Ballpark-Faktoren von ESPN zeigen, dass im Gegensatz zu Homeruns sonstige Extra-Base-Hits, also Doubles und Triples, in Baltimore seltener vorkommen als in anderen Stadien. Das ist eine häufige – und logische – Beobachtung in eher kleinen Ballparks mit entsprechend kürzeren Wegen im Feldspiel.

Wo sitzt man am besten?
Die aktuelle Erfolglosigkeit der Orioles führt dazu, dass der Ballpark oft nur zur Hälfte gefüllt ist. Das ist einerseits schade wegen der Stimmung, andererseits gibt es dadurch keine Probleme, an bezahlbare Tickets zu kommen.

In der Kategorie „Club Box“ (Blöcke 216 bis 254) bekommt man für 40 bis 80 Dollar gute Plätze auf mittlerer Höhe um das Infield herum. Wenn man etwas günstiger fahren möchte, findet man für weniger als die Hälfte des Preises Plätze genau eine Etage darüber in den Blöcken 312 bis 348.

Wer im Ballpark regelmäßig von großem Hunger und Durst heimgesucht wird, dürfte sich über das All-Inclusive-Angebot für die Picknickplätze hinter dem Bullpen im Leftfield freuen. Vom Hauptgeschehen auf dem Feld ist man zwar relativ weit weg, aber die Bistrotische füllen sich bis zum Abwinken (bzw. bis zum siebten Inning) mit Hot Dogs, Nachos, Softdrinks etc. und ab und zu kann man dort auch einen Homerunball fangen. Die Preise für diese Plätze liegen ebenfalls bei rund 40 bis 80 Dollar je nach Attraktivität der Spielpaarung und -zeit.

Homeplate-Perspektive bei Nacht (3)

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Keith Allison (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Jkinsocal (CC BY SA 3.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Brian Moran (CC BY NC 2.0)

Dezember 11th, 2018 by