Die Ballparks der MLB: Petco Park

Eine weitere Woche ohne MLB-Baseball bedeutet eine weitere Folge in meiner Serie über die Ballparks der MLB. Langsam gehen mir dabei die Ballparks aus, aber zum Glück sieht es seit letzter Nacht stark danach aus, dass wir bald eine Saison bekommen werden. Heute besuchen wir auf der virtuellen Reise durch Baseball-Amerika die San Diego Padres in Petco Park. Den Namen hat das Stadion von einer Handelskette für Haustierbedarf, die die Namensrechte bis 2026 erworben hat.

Petco Park, San Diego (1)

Geschichte
Die Entstehungsgeschichten von um die Jahrtausendwende errichteten Stadien sind sich oft sehr ähnlich. In den 60er- und 70er-Jahren hielt man es vielerorts für eine gute Idee, Multifunktionsarenen zu bauen, die sowohl für Baseball als auch für Football und Fußball genutzt werden können. Ab den 90er-Jahren setzte die Gegenbewegung ein – man wollte weg von den riesigen Betonklötzen und von abgestecken Spielfeldern, auf denen immer noch die Markierungen der anderen Sportarten durchschienen. So war es auch in San Diego, wo sich die Padres seit ihrer Gründung als MLB-Team im Jahr 1969 das San Diego Stadium (später Qualcomm Stadium) mit den Chargers aus der NFL sowie zeitweise anderen Teams teilten.

Der Bau von Petco Park begann im Jahr 2000 und sollte eigentlich 2002 fertig sein. Die Padres mussten dann aber doch zwei Jahre länger mit Qualcomm Stadium vorlieb nehmen, weil finanzielle und rechtliche Streitigkeiten den Bau verzögerten. Es ging dabei zum einen darum, dass über den öffentlichen Anteil an der Finanzierung des 450 Millionen teuren Stadions nach einem Gerichtsurteil ein zweites Mal abgestimmt werden musste. Die andere Verzögerung betraf den Denkmalschutz, weil dem Stadion das historische Gebäude der Western Metal Supply Co. zum Opfer fallen sollte. Man einigte sich schließlich darauf, dieses Gebäude stattdessen zu renovieren und in den Bau zu integrieren.

Im März 2004 war es dann endlich soweit, dass der neue Ballpark mit einem Turnier von College-Baseballteams eingeweiht werden konnte. Das erste MLB-Spiel fand am 8. April 2004 statt. Die Padres besiegten die San Francisco Giants in 10 Innings mit 4:3. 2005 gab es zum ersten Mal Playoff-Baseball in Petco Park, doch die Padres verloren in der National League Division Series beide Heimspiele gegen die St. Louis Cardinals und schieden aus. Im Jahr darauf ging es ihnen exakt genauso, seitdem haben sie die Playoffs bisher nicht mehr erreicht. 2016 fand das All-Star-Game der MLB in Petco Park statt.

Petco Park von außen (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Petco Park ist ein sogenannter retro-moderner Ballpark. „Retro“ ist der Grundaufbau des Parks mit seinen gestuften Tribünen und dem asymmetrischen Outfield. „Moderne“ Elemente, mit denen Petco Park sich von retro-klassischen Ballparks nach dem Vorbild von Oriole Park abhebt, sind zum Beispiel die Außenfassade und die Farbgebung der Sitze. Statt klassischen roten Ziegeln prägen Sandstein und weißer Stahl die Front, die Sitze sind in Dunkelblau gehalten statt im traditionellen Grün.

Innerhalb des Stadions besteht das auffälligste Feature im oben erwähnten Gebäude der Western Metal Supply Co. Die Architekten von Populous (damals HOK) planten den Ballpark quasi um dieses Gebäude herum. Eine Kante des Baus wurde gelb angemalt und dient als Foulpole im Leftfield. An diesem Fixpunkt wurden das Spielfeld und der gesamte Bau ausgerichtet. Eine Folge davon ist, dass in Petco Park die Blickrichtung des Batters im Gegensatz zu fast allen anderen Stadien nicht Nordosten, sondern Norden ist.

Das historische Industriegebäude wurde in die Architektur integriert (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Petco Park hatte lange den Ruf des pitcherfreundlichsten Stadions der MLB. Das wirkt überraschend angesichts der Tatsache, dass die Mitte des Centerfields mit 396 Fuß (121m) zu den kürzeren der Liga gehört. Doch zwei Faktoren führen dazu, dass es schwierig ist, in Petco Park Homeruns zu schlagen: Der erste sind die außergewöhnlich tiefen Power-Alleys, also die Outfieldbereiche zwischen Right und Center bzw. Left und Center. Nach den Saisons 2005 und 2012 gab es Umbauten im Stadion, bei denen die Power-Alleys etwas verkürzt wurden. Seitdem sind die Pitchervorteile des Ballparks weniger extrem. Gänzlich abschalten kann man die Pitcherfreundlichkeit von Petco Park aber nicht, denn der zweite Faktor besteht im Klima – genauer gesagt im „Marine Layer“, einer dichten Luftschicht, die durch das Auftreffen von warmer Luft auf den kalten Ozean entsteht und das Schlagen von weiten Bällen erschwert. Der gleiche Effekt wirkt übrigens auch in T-Mobile Park in Seattle.

Schöne Aussicht vom oberen Deck (4)

Wo sitzt man am besten?
Mit 65 bis 70 Prozent Auslastung des gut 40.000 Zuschauer fassenden Stadions waren die Padres in den wenig erfolgreichen letzten Jahren solide bedient. Je nach Gegner und Spielzeit können die Plätze gelegentlich knapp und teuer werden, meistens sind die Tickets jedoch relativ problemlos zu bekommen. Die Sicht von den Tribünen ist fast überall gut – je mehr Entfernung vom Spielfeld man in Kauf nimmt, umso schöner ist dafür der Blick auf die Skyline von San Diego.

„It never rains in southern California“ stimmt zwar nicht ganz, aber im Großen und Ganzen muss man sich beim Besuch von Petco Park häufiger um knallende Sonne sorgen als um Regen. Erfreulicherweise haben die Padres eine Schattenkarte veröffentlicht, an der man sich bei der Platzsuche orientieren kann. Hervorragende schattige Plätze auf Höhe des Infields findet man im Bereich Premier Club (Blöcke A-L) mit etwas Glück für unter 100 Dollar.

Wenn man Plätze möchte, die man in keinem anderen Stadion bekommt, bietet sich das Western-Metal-Gebäude an. Die regulären Sitze auf dem Balkon sind nicht teuer, aber es gibt nur 30 davon, sodass sie mitunter schwer zu bekommen sind. Alternativ dazu kann man ein beliebiges Stadionticket kaufen und dann das Restaurant „The Loft“ im Western-Metal-Gebäude besuchen.

Wenn man einen gemütlichen Nachmittag beim Baseball verbringen möchte, aber nicht unbedingt hautnah am Geschehen sein muss, ist der „Park at the Park“ eine Option – vor allem, wenn man kleine Kinder dabei hat, die nicht stundenlang am Platz sitzen wollen. Es handelt sich um eine große Liegewiese innerhalb des Stadiongeländes, gleich hinter dem Outfield. Das Spiel kann man von dort durch eine Öffnung zwischen den Tribünen sowie über eine Videoleinwand verfolgen. Tickets ab 15 Dollar für diesen Bereich gehen immer zwei Wochen vor dem Spieltermin in den Verkauf.

Park at the Park (5)

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Phil Konstantin (CC BY-SA 3.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Aude (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Theresa O’Connor (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: redlegsfan21 (CC BY-SA 2.0)
(5) Quelle: Flickr, Urheber: Kevin Harber (CC BY-NC-ND 2.0)

Juni 23rd, 2020 by