Das Baseblog-Powerranking im August

Einmal im Monat ignoriere ich geflissentlich, dass es die AL und die NL mit ihren verschiedenen Divisionen gibt und stelle mir die Frage, wie die Kräfteverhältnisse sich innerhalb der MLB als Ganzes darstellen. Im Juli habe ich das Powerranking urlaubsbedingt ausfallen lassen, dafür hat es jetzt wegen des großen zeitlichen Abstands zum Vorgänger-Artikel einige Bewegung gegeben, vor allem in der oberen Hälfte der Rangliste. Es gibt einen neuen Ersten und einen neuen Letzten, allerdings steckt dahinter nur der Auf- respektive Abstieg um einen einzigen Platz für die Red Sox und die Royals. Deutlich größere Sprünge haben zum Beispiel die Athletics und die Indians nach oben sowie die Mariners, die Brewers und die Nationals nach unten gemacht.

Findet ihr, dass ich euer Team unterschätze oder seid ihr sicher, dass Team X völlig überbewertet ist? Dann lasst es mich wissen, ich freue mich über jeden Kommentar.

1. (2.) Boston Red Sox (88-37) ⇒
Seit Anfang Juli haben die Red Sox gegen keinen Gegner mehr als einmal verloren. Mit ihrer Siegquote von 71% sind sie auf Kurs für eine 115-Siege-Saison. Einziger Wermutstropfen: Chris Sale muss erneut auf die DL.

2. (16.) Oakland Athletics (74-50) ⇑
Eine Wild-Card für die A’s wäre vor der Saison schon eine Riesenüberraschung gewesen, aber jetzt ist mehr möglich. Zwei von drei haben sie den Astros abgenommen und die Athletics scheinen klar auf der Überholspur.

3. (1.) Houston Astros (75-49) ⇒
Die Astros ließen sich immer wieder für die Tiefe ihres Kaders rühmen, doch ohne den verletzten Altuve scheinen sie zurzeit ein anderes Team zu sein. Zuletzt gab es nur zwei Siege aus neun Spielen gegen Seattle, Colorado und Oakland. Aber die Erlösung naht: Altuve wird wohl diese Woche zurück kehren.

4. (3.) New York Yankees (78-46) ⇒
Der August war für die Yankees bislang eher durchwachsen, aber nach dem Sweep gegen die Blue Jays scheinen sie wieder in der Spur zu sein und die anstehenden Gegner – Miami, Baltimore, Chicago White Sox und Detroit – sind nicht unbedingt die, die einem den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

5. (11.) Cleveland Indians (78-46) ⇑
Die reguläre Saison in der AL Central ist und bleibt für die Indians ein Spaziergang, erst recht nach der bisherigen 13-4-Bilanz im August. Daran ändern auch die anstehende Serie gegen die Red Sox und der Ausfall von Trevor Bauer nichts. Ein Problem wäre allerdings, wenn man Bauer nicht bis zu den Playoffs wieder fit bekommt.

6. (10.) Chicago Cubs (71-52) ⇒
Erst auf dem sechsten Platz schafft es bei mir das erste Team aus der National Leaue ins Ranking und obwohl die Cubs die beste Bilanz der NL haben, bin ich nicht restlos überzeugt von ihnen. Zuletzt gelang ihnen in vier Spielen hintereinander jeweils nur ein Run, immer per Solo-Homerun. Zweimal reichte das zum Sieg, zweimal nicht.

7. (6.) Atlanta Braves (68-55) ⇒
Ich bin gespannt, wie die jungen Wilden auf den bitteren Vier-Spiele-Sweep gegen die Rockies reagieren – und noch gespannter, wie Ende der Woche das Wiedersehen mit den Marlins und Jose Urena nach dessen unfairem Pitch gegen Ronald Acuna Jr. verläuft.

8. (9.) Arizona Diamondbacks (69-56) ⇒
Die Dodgers haben sich toll verstärkt, die Rockies haben einen fantastischen Lauf, aber kaum jemand redet über die Diamondbacks. Das wird denen ganz recht sein, solange sie weiterhin soliden Baseball spielen und vor den beiden Genannten die Divisionsspitze behaupten.

9. (12.) St. Louis Cardinals (68-57) ⇒
Die Cardinals sind das Team der Stunde mit einer 14-4-Bilanz im August. Nachdem ihre Saison längst gelaufen schien, sind sie plötzlich mitten im Rennen um eine Wild Card und auch in der Division ist noch alles möglich. Zudem steht die Rückkehr von Top-Pitcher Carlos Martinez bevor, wenn auch vermutlich erstmal in einer reduzierten Rolle.

10. (19.) Colorado Rockies (68-56) ⇑
Vor zehn Tagen hätte ich gewettet, dass die Rockies sich nach den Serien gegen die Dodgers, in Houston und in Atlanta aus dem Kampf um die Playoffs verabschiedet haben würden. Stattdessen gewannen sie acht von diesen zehn Spielen, belegen nun einen Wild-Card-Platz und sitzen in der Division den Diamondbacks im Nacken.

11. (8.) Los Angeles Dodgers (67-58) ⇒
Drei Niederlagen gegen die Rockies und zwei gegen die Giants waren herbe Rückschläge. Zwar weisen die Dodgers das beste Run Differential der NL auf (+113), aber zurzeit würden sie in der Endabrechnung mit leeren Händen dastehen.

12. (4.) Seattle Mariners (71-54) ⇓
Apropos Run Differential: Die Mariners sind von der Bilanz her das beste Team der Liga mit einem negativen Run Differential (-42). Der Sweep gegen die Astros letzte Woche war ein Highlight, aber davon abgesehen waren die Leistungen der letzten Wochen zu wenig, um dem Höhenflug der Athletics etwas entgegenzusetzen.

13. (13.) Philadelphia Phillies (68-56) ⇒
Aus fünf Heimspiele hintereinander gegen die Mets nur 20:43 Runs und zwei Siege mitzunehmen, ist zu wenig, wenn man ernsthaft um den Divisionstitel spielen will.

14. (5.) Milwaukee Brewers (69-57) ⇓
Bis einschließlich Juli hatten die Brewers einen der besten Bullpens der Liga (3.30 ERA) und gewannen dadurch viele knappe Spiele. Irgendwas ist da kaputt gegangen, denn im August sind die Reliever bislang eine Katastrophe (7.42 ERA). Im Umfeld werden bereits Rufe nach dem Kopf von Manager Craig Counsell laut, dem einige Fans und Beatwriter vorwerfen, seine Relieve-Asse Jeremy Jeffress und Josh Hader zu selten bzw. nicht in den richtigen Situationen einzusetzen.

15. (7.) Washington Nationals (62-63) ⇓
Für die Nationals gilt es, zu retten was noch zu retten ist. Sportlich dürfte die Saison nicht mehr zu retten sein, das hat nun offenbar auch das Front Office eingesehen und einen Großteil der Mannschaft auf den Waiver gesetzt. Idealerweise holt man eine ordentliche Gegenleistung für Bryce Harper und Daniel Murphy heraus, um das anstehende Rebuilding möglichst kurz zu halten.

16. (14.) Los Angeles Angels (63-63) ⇒
Es ist recht still geworden um die Angels – in der hochkompetitiven AL West sind sie mit ihrer .500-Bilanz längst aus dem Rennen, Superstar Mike Trout und Super-Rookie Shohei Ohtani sind verletzt. Immerhin machen beide Fortschritte und die Chancen stehen gut, dass Trout Ende der Woche wieder spielen und Ohtani irgendwann in der laufenden Saison wieder pitchen kann.

17. (15.) San Francisco Giants (61-64) ⇒
Wir haben einen neuen Kandidaten für die Wahl zur dämlichsten Verletzung des Jahres, die ich am Ende der Saison durchführen werde: Rookie-Pitcher Dereck Rodriguez – übrigens der Sohn von Hall of Famer Ivan „Pudge“ Rodriguez – musste auf die DL gesetzt werden, weil er sich bei einem Brawl mit den Dodgers den Oberschenkel gezerrt hat…

18. (17.) Pittsburgh Pirates (63-62) ⇒
Für Chris Archer haben die Pirates zur Trade Deadline einen hohen Preis an die Rays bezahlt: Tyler Glasnow sowie die Prospects Austin Meadows und Shane Baz wurden abgegeben und bisher sieht es aus, als hätte man sich schwer verzockt. Archer hat den Pirates bislang 3 Starts, 14.1 IP und einen ERA von 5.65 gegeben; allein Glasnow hatte für die Rays in der Zeit 4 Starts mit 18.2 IP und einem ERA von 3.38.

19. (18.) Tampa Bay Rays (63-61) ⇒
Nach drei Vierteln der Saison zwei Spiele über .500 zu stehen ist eine reife Leistung für ein Small-Market-Team in einer Division mit lauter Big-Market-Teams. Aber wenn man damit 32,5 Spiele hinter der Divisionsspitze und 11 Spiele hinter einem Wild-Card-Platz steht, fragt man sich schon, wofür man sich die ganze Zeit abmüht.

20. (21.) Minnesota Twins (59-64) ⇒
Neigt Ervin Santanas Karriere sich dem Ende zu? Der Pitcher hatte 2016 und 2017 starke Saisons in Minnesota, doch nach einer Finger-OP in der Offseason kam er dieses Jahr nur zu fünf Einsätzen, die mit 24.2 Innings und einem ERA von 8.03 absolut enttäuschend verliefen. Santana wurde nun wieder auf die DL gesetzt und wird einen Handspezialisten zu Rate ziehen.

21. (25.) New York Mets (54-69) ⇒
An dieser Stelle kommt normalerweise der Running Gag mit dem fehlenden Run Support für das Pitching der Mets. Dieser entfällt, nachdem die Mets in den letzten sechs Spielen sage und schreibe 59 Runs erzielt haben. Jacob deGrom bekam zwar mal wieder nur drei davon ab, aber die reichten dem Cy-Coung-Kandidaten in seinem Complete Game mit 0 earned Runs locker zum Sieg über die Phillies.

22. (26.) Texas Rangers (56-70) ⇒
Wer ist wohl das Team mit den meisten erzielten Runs in der AL West? Die Astros oder die Athletics? Beides falsch, es sind die fünftplatzierten Texas Rangers mit 611. Natürlich haben sie auch die meisten Runs erlaubt (666), sonst stünden sie nicht da wo sie stehen.

23. (24.) Chicago White Sox (46-77) ⇒
Auch für die White Sox ist die Saison längst gelaufen, aber die aktuell gezeigten Ansätze sind vielversprechend: Im August stehen sie bislang bei 9-8 und morgen wird Top-Prospect Michael Kopech seinen lange ersehnten ersten MLB-Start absolvieren.

24. (22.) Toronto Blue Jays (55-69) ⇒
Die Blue Jays haben ein Jahr zum Vergessen mit einem Run Differential von -91 und zuletzt mal wieder vier Niederlagen am Stück. In die anstehende Serie gegen die Orioles können sie trotzdem ganz entspannt gehen, denn vor diesen haben sie immer noch 18 Spiele Vorsprung.

25. (23.) Detroit Tigers (51-74) ⇒
Ich habe erfolglos versucht herauszufinden, welche Bilanz der Rekord für das schlechteste Team ist, das je auf Platz drei einer MLB-Division gelandet ist. Die Tigers – oder auch die White Sox, falls sie sich von denen noch abfangen lassen – dürften dafür ein heißer Kandidat sein.

26. (27.) Cincinnati Reds (55-69) ⇒
Was macht ein schwaches Team wie die Cincinnati Reds, wenn zu allem bereits erlittenen und vorhandenen Übel auch noch sein bester Spieler Joey Votto auf die DL muss? Klar, erstmal übers Wochenende in drei Spielen die Giants sweepen. Und dann schauen, wem man sonst noch in die Suppe spucken kann. Die nächsten Gegner sind die Brewers und die Cubs.

27. (20.) San Diego Padres (49-78) ⇓
Die Padres haben vor der Saison 1B Eric Hosmer einen großen Vertrag gegeben und kurz vor der Trade Deadline darüber spekuliert, einen Move für ein Ass wie Jacob deGrom oder Noah Syndergaard einzufädeln – alles vor dem Hintergrund, dass man das Team kurz vor dem Durchbruch zur Konkurrenzfähigkeit sieht. Wovon träumen die eigentlich nachts?

28. (28.) Miami Marlins (50-76) ⇒
Die Marlins hatten ein Zwischenhoch, in dem sie einige ambitionierte Gegner ärgern konnten, doch von den letzten 15 Spielen wurden 19 verloren. Zuletzt gab es immerhin zwei Siege, die sämtliche Playoff-Träume der Nationals zunichte machten. Als nächstes kommen die Yankees – der ambitonierte Gegner, den jeder in der MLB am liebsten ärgert.

29. (30.) Baltimore Orioles (37-87) ⇒
Mit Niederlage Nummer 87 gestern Abend in Cleveland haben die Orioles bereits genauso viele Spiele verloren wie in der gesamten Saison 2017 (in der sie ebenfalls Letzter der AL East waren). Es sind allerdings noch 38 weitere Partien zu spielen.

30. (29.) Kansas City Royals (38-86) ⇒
Die Royals sind im Vergleich mit den Orioles schon einen Schritt weiter: Sie haben bereits vier Niederlagen mehr auf dem Konto als letztes Jahr. Das Schneckenrennen um den ersten Draftpick bleibt spannend, aber die Royals sind mit den MLB-weit sowohl wenigsten gescorten (459) als auch meisten zugelassenen (676) Runs Favorit.

Zahl in Klammern = Rang im letzten Powerranking
⇑ = 5 oder mehr Plätze höher als im letzten Powerranking
⇓ = 5 oder mehr Plätze niedriger als im letzten Powerranking
⇒ = weniger als 5 Plätze Abweichung zum letzten Powerranking

August 20th, 2018 by