Saison-Vorschau 2017: #10 Texas Rangers

Die vergangene Saison der Rangers ist ein interessanter Fall: Die Texaner brachten es auf ein höchst mittelmäßiges Run-Differential von +8, sie haben also acht Runs mehr erzielt als sie kassiert haben. Die auf dieser Basis zu erwartende Bilanz wären 82 Siege und 80 Niederlagen, womit sie in ihrer Division Dritter geworden wären. In dieses Bild passen auch die Statistiken der einzelnen Mannschaftsteile: Die Rotation (4.38 ERA, 4.67 FIP) war ebenso mittelmäßig wie die Offense (98 wRC+), der Bullpen (4.40 ERA, 4.38 FIP) war sogar der zweitschlechteste der AL. Dennoch schlossen die Rangers die reguläre Saison mit stolzen 95 Siegen ab und führten damit nicht nur ihre Division sondern die gesamte AL an. Die Frage ist nun, ob die Rangers eine besonders effiziente Spielweise entwickelt bzw. besonders effiziente Spieler beisammen haben, mit deren Hilfe sie den verblüffenden Erfolg wiederholen können oder ob sie 2016 schlichtweg Glück hatten. Meine Ansichten sind in der Hinsicht eher konservativ: Siege und Niederlagen leiten sich von erzielten und zugelassenen Runs ab und wenn sich das in der Bilanz eines Teams mal nicht niederschlägt, dann gehe ich erstmal von einem statistischen Ausreißer aus. Ich erwarte, dass die Rangers es dieses Jahr deutlich schwerer haben als im letzten und dass das Erreichen der Playoffs für sie zu einer knappen Angelegenheit wird.

Voraussichtliches Lineup
C Jonathan Lucroy
1B Mike Napoli
2B Rougned Odor
SS Elvis Andrus
3B Adrian Beltre
LF Ryan Ruar
CF Carlos Gomez
RF Nomar Mazara
DH Jurickson Profar

Voraussichtliche Rotation
SP Cole Hamels
SP Yu Darvish
SP Martin Perez
SP A. J. Griffin
SP Dillon Gee
Closer Sam Dyson

Wichtigster Zugang
1B/DH Mike Napoli (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
IF/OF Ian Desmond (St. Louis Cardinals)

Bestes Prospect
SP Yohander Mendez

Größte Stärke
Knappe Spiele: Die Rangers haben 2016 einen neuen MLB-Rekord aufgestellt, indem sie eine 36-11-Bilanz in Spielen erreichten, die mit nur einem Run Abstand entschieden wurden. Ich gehe wie bereits angedeutet davon aus, dass ein großer Teil dieser Errungenschaft reines Glück war. Aber es dürfte durchaus auch eine Rolle gespielt haben, dass man über Hitter und Reliever verfügt, die das Selbstvertrauen und die Konzentration mitbringen, in solch knappen Situationen Höchstleistungen abzurufen.

Größte Schwäche
Die Rotation hinter Darvish und Hamels: Zwei hervorragende Starter führen die Rotation an, doch dann wird es ganz schnell sehr dünn. Martin Perez erfüllt seit drei Jahren nicht die Erwartungen, die er mit seiner starken Rookie-Saison 2013 geweckt hat, die Neuzugänge Tyson Ross und Andrew Cashner sind noch verletzt und haben 2016 entweder so gut wie gar nicht (Ross) oder miserabel (Cashner) gespielt und Leute wie A. J. Griffin und Dillon Gee mögen eine ordentliche Besetzung für einen Spot Start oder als Middle Reliever sein, aber nicht für einen Posten in der Starting Rotation eines Teams mit Playoff-Amibitionen.

Spannendste Frage
Wer ist der wahre Carlos Gomez? Die bisherige Karriere des Outfielders ist ein beeindruckendes Muster der Inkonstanz. In der ersten Hälfte seiner 20er Jahre produzierte er offensiv auf weit unterdurchschnittlichem Niveau (2007-2011: wRC+ von 52 bis 82). Dann mauserte er sich plötzlich zum Allstar (2013-2014: wRC+ von 128 und 132), nur um genauso schnell wieder nachzulassen (2015-2016 in Houston: wRC+ von 83 und 60) und schließlich seinen Job zu verlieren. Für die letzten 33 Spiele heuerte Gomez bei den Rangers an und spielte plötzlich wieder auf All-Star-Niveau (wRC+ von 139). Ich bin gespannt, ob das nur ein Strohfeuer war oder ob er mit 31 seinen zweiten Karrierefrühling erlebt.

Prognose
Platz 2 in der AL West, Aus im Wild-Card-Spiel

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März 22nd, 2017 by