Saison-Vorschau 2019: #9 New York Mets

Die New York Mets waren mit dem Ende der Saison 2018 an einer Weggabelung angelangt. Zum zweiten Mal in Folge war eine voller Hoffnung begonnene Saison in einer massiven Enttäuschung geendet. Die Ursachen dafür waren zahlreich, angefangen mit Verletzungen über schlechte Roster-Entscheidungen zugunsten abgehalfterter Ex-Stars wie Jose Bautista und Adrian Gonzalez bis hin zu einem bisweilen überfordert wirkenden Rookie-Manager Mickey Callaway. Die Weggabelung bestand nun in der Frage: Soll man alles auf Null setzen, die vorhandenen Stars wegtraden und in den Rebuilding-Modus wechseln? Oder versucht man, die Unzulänglichkeiten kurzfristig zu überwinden und sofort einen neuen Anlauf zu starten? Die Frage personifizierte sich in der Suche nach einem neuen General Manager, denn Sandy Alderson hatte den Job aus gesundheitlichen Gründen schon während der Saison aufgeben müssen. Die Teambesitzer, Vater Fred und Sohn Jeff Wilpon, vergaben den Posten an Ex-Spielervermittler Brodie van Wagenen – und somit an den Bewerber, der in den Gesprächen am entschiedensten für die Variante „sofortiger Angriff“ eingetreten war. Man mag zu van Wagenen stehen wie man will, leeres Gerede kann man ihm jedenfalls nicht vorwerfen. Wenige Tage nach Amtsantritt hatte er seinen ersten großen Trade im Sack: Second Baseman Robinson Cano und Top-Closer Edwin Diaz kamen aus Seattle im Austausch gegen Jay Bruce und mehrere Prospects. Das Signal dieses Moves war eindeutig: Wir sind bereit, Talente abzugeben und Canos teuren Vertrag zu übernehmen, weil wir gewinnen wollen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt und in den nächsten Jahren. Zu diesem Zweck rüstete van Wagenen weiter auf: den Bullpen mit Rückkehrer Jeurys Familia und Lefty Justin Wilson, die Tiefe im Infield mit Jed Lowrie und J. D. Davis sowie im Outfield mit Keon Broxton, Gregor Blanco und Carlos Gomez, die jahrelange Problemposition mit Catcher Wilson Ramos. Die meisten der Neuverpflichtungen stärken den Kader mehr in der Breite als in der Spitze, was für die oft verletzungsgeplagten Mets vermutlich genau der richtige Weg ist. Auch das Coaching wurde aufgewertet: Callaway bleibt, bekommt aber mit Hitting Coach Chili Davis und Bench Coach Tim Riggleman zwei erfahrene Mitarbeiter an die Seite gestellt. Der einzige Bereich, der unangetastet blieb, ist die Pitching Rotation. Mit Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Zack Wheeler und Steven Matz ist man hier zwar hervorragend aufgestellt, doch wenn sich einer davon verletzt und/oder Jason Vargas als Nummer fünf weiterhin unter Leistungsschwankungen leidet, könnte es recht schnell eng werden. Trotz einer insgesamt sehr guten Offseason bleiben die Mets eine Wundertüte. Das gilt umso mehr in der sehr starken NL East, in der zwischen den Nationals, den Phillies, den Braves und eben den Mets schlichtweg alles möglich ist und beinahe nichts überraschen würde.

Voraussichtliches Lineup
C Wilson Ramos
1B Pete Alonso
2B Robinson Cano
SS Amed Rosario
3B Jed Lowrie
LF Michael Conforto
CF Juan Lagares
RF Brandon Nimmo

Voraussichtliche Rotation
RHP Jacob deGrom
RHP Noah Syndergaard
RHP Zack Wheeler
LHP Steven Matz
LHP Jason Vargas
Key Reliever: Edwin Diaz

Wichtigster Zugang
RHP Edwin Diaz (Seattle Mariners)

Wichtigster Abgang
IF Wilmer Flores (Arizona Diamondbacks)

Bestes Prospect
1B Pete Alonso

Größte Stärke
Pitching: Die Starting Rotation der Mets mit deGrom, Syndergaard und Co. ist seit Jahren eine der besten der Liga. Der Bullpen war zuletzt eher ein Schwachpunkt, doch Diaz und die anderen Neuverpflichtungen lassen mit einigem Recht darauf hoffen, dass sich das dieses Jahr ändert.

Größte Schwäche
Verletzungsanfälligkeit: „Wenn sie gesund bleiben“ ist eine Einschränkung, die bei der Prognose für jedes Team gilt. Bei den Mets ist es jedoch ein lauteres und schärferes „Wenn“ als bei allen anderen. Das Thema begleitet sie seit Jahren und die Zahlen belegen, dass es nicht nur ein Gefühl ist, dass die Mets immer wieder überdurchschnittlich häufig und lange von Verletzungen betroffen sind. Es gäbe wohl keine größere Verstärkung für das Team als wenn jemand die Ursache dafür finden und abstellen könnte.

Spannendste Frage
Wer setzt sich an der ersten Base durch? Vor wenigen Wochen noch schien die Situation klar: Top-Prospect Pete Alonso sollte noch etwas in der Minor League reifen, Ex-Prospect Dominic Smith hatte sich letztes Jahr als Flop erwiesen. Der bisherige Third Baseman Todd Frazier würde seinen Platz an Jed Lowrie abgeben und um Frazier trotzdem im Lineup zu halten, schien es auf der Hand zu liegen, dass er als First Baseman in die Saison geht. Inzwischen hat sich die Lage komplett geändert. Lowrie und Frazier laborieren beide an Verletzungen, dafür rocken Alonso und Smith das Spring Training mit starken Leistungen. Einer von beiden wird den Posten wohl bekommen. Bei der Entscheidung könnte auch die Service Time eine Rolle spielen – gemeint ist, dass die Mets ein zusätzliches Jahr Teamkontrolle über Alonso gewinnen könnten, wenn sie ihn zumindest noch ein paar Wochen aus der MLB heraushalten. Van Wagenen hat allerdings mehrfach betont, dass er auf solche Überlegungen nichts gebe und mit den „25 besten Spielern“ in die Saison gehen werde.

Prognose
Platz 2 in der NL East und eine Wild Card

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März 18th, 2019 by