Saison-Vorschau 2019: #6 Washington Nationals

Die Ära Bryce Harper ist für die Washington Nationals offiziell beendet. Sie mussten das langjährige Gesicht ihrer Franchise ziehen lassen, da sie beim Wettbieten mit den Philadelphia Phillies schlichtweg nicht mithalten konnten. Ein Zehnjahresvertrag über 300 Millionen Dollar, von denen ein Drittel auf langfristige „Rentenzahlungen“ verlegt worden wäre, war das Äußerste, was man bieten konnte und wollte – zu wenig, wie inzwischen bekannt ist. Blickt man auf die sieben Jahre mit Harper zurück, so fällt auf dass die Nationals erstaunlich wenig gemacht haben aus ihrem weit offenen Gelegenheitsfenster. Sie hatten in der Zeit zwar in jeder Saison eine positive Bilanz von Siegen und Niederlagen und viermal haben sie damit die NL East gewonnen, doch über die erste Playoffrunde sind sie nie hinaus gekommen. Nachdem der größte Star das Team verlassen hat, mussten die Nationals sich in der Offseason der Frage stellen, ob man nun den großen Ausverkauf und Neuaufbau startet. Aber spätestens mit der Verpflichtung von Patrick Corbin, dem begehrtesten Free-Agent-Pitcher des Jahres, war klar, dass die Entscheidung anders lautet. Die Nationals sehen sich weiterhin als Contender und mit dem Team, das sie ins Rennen schicken, kann man das kaum in Abrede stellen. Das herausragende Starter-Duo um Max Scherzer und Stephen Strasburg wird durch Corbin zum Triumvirat, im Outfield teilen zwei elektrisierende Youngster sich die Fußstapfen von Harper, und mit Brian Dozier und dem Catcher-Platoon aus Yan Gomes und Kurt Suzuki wurde ein bereits gut aufgestelltes Lineup sinnvoll ergänzt. Als Mets-Fan sage ich es nicht gern, aber in meinen Augen sind die Nationals in Jahr eins nach Harper nicht schlechter geworden. Wenn ich mich in der sicher heiß umkämpften NL East auf einen Favoriten festlegen und dabei objektiv sein soll, geht meine Stimme hauchdünn und schweren Herzens an Washington.

Voraussichtliches Lineup
C Yan Gomes
1B Ryan Zimmerman
2B Brian Dozier
SS Trea Turner
3B Anthony Rendon
LF Juan Soto
CF Victor Robles
RF Adam Eaton

Voraussichtliche Rotation
RHP Max Scherzer
RHP Stephen Strasburg
LHP Patrick Corbin
LHP Anibal Sanchez
LHP Jeremy Hellickson
Key Reliever: Sean Doolittle

Wichtigster Zugang
LHP Patrick Corbin (Arizona Diamondbacks)

Wichtigster Abgang
OF Bryce Harper (Philadelphia Phillies)

Bestes Prospect
OF Victor Robles

Größte Stärke
Die Rotation: Scherzer und Strasburg sind seit Jahren einer der herausragenden One-Two-Punches der Liga. Dass die Saison 2018 der Nationals nicht nach Wunsch verlief, lag auch daran, dass es hinter den beiden recht schnell dünn wurde. Die Neuverpflichtungen Corbin und Anibal Sanchez stellen hier ein klares Upgrade dar. Übrigens: Die Matchups der Eröffnungsserie zwischen den Nationals und den Mets lauten deGrom vs. Scherzer, Syndergaard vs. Strasburg und Wheeler vs. Corbin. Wer jetzt nicht glühend heiß auf das Opening Weekend ist, dem kann ich auch nicht helfen.

Größte Schwäche
Der Bullpen: Hier liegt seit Jahren die Achillesferse der Nationals und auch dieses Jahr ist die Reliever-Riege eine Ansammlung von Fragezeichen. Seit Juli 2017 hat man mit Sean Doolittle immerhin einen exzellenten Closer, der allerdings in den letzten sechs Jahren keine Saison ohne Aufenthalt auf der Verletztenliste überstanden hat. Koda Glover hatte ebenfalls noch nie ein Jahr ohne größere Verletzungen. Trevor Rosenthal kommt von einer Tommy-John-Surgery. Kyle Barraclough hatte 2018 eine starke erste Saisonhälfte und sah in der zweiten aus, als hätte er sein Handwerk komplett verlernt (13.5 ERA, 3.38 HR/9). Letzte Woche wurde Linkshänder Tony Sipp dazugeholt, der aus einer guten Saion für die Astros kommt, davor aber zwei Jahre zum Abhaken hatte und in Kürze 36 wird.

Spannendste Frage
Erfüllen Robles und Soto die Erwartungen? Gemeinsam sollen die beiden Talente dafür sorgen, dass der Schatten von Bryce Harper nicht allzu lange über dem Outfield der Nationals liegt. Juan Soto hatte 2018 mit nur 19 Jahren bereits eine spektakuläre Rookie-Saison (.292/.406/.517, 22 HRs), aber das zweite Jahr ist bekanntlich meistens das schwerste. Der eineinhalb Jahre ältere Victor Robles gilt als ebenso großes Talent und soll dieses Jahr seinen Durchbruch haben, nachdem er 2018 von einer Ellenbogenverletzung ausgebremst wurde. Robles bringt im Vergleich zu Soto etwas weniger Schlagkraft, aber dafür noch bessere Feldspielqualitäten mit.

Prognose
Platz 1 in der NL East

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März 21st, 2019 by