Saison-Vorschau 2019: #3 Boston Red Sox

Der sogenannte World-Series-Hangover ist ein vielbemühtes Motiv, wenn man Gründe sucht, warum ein Team, das sich gerade als das beste auf der Welt erwiesen hat, im Folgejahr vielleicht nicht mehr ganz so gut sein könnte. Tatsächlich scheint an der Sache etwas dran zu sein. Jedenfalls hat von den 18 MLB-Champions dieses Jahrhunderts kein einziger seinen Titel im Jahr darauf verteidigen können. Die Hälfte von diesen 18 hat es noch nicht mal zurück in die Playoffs geschafft. Die Boston Red Sox zum Beispiel stürzten nach ihrer Meisterschaft von 2013 im Jahr darauf auf nur noch 71 Siege und den letzten Platz in ihrer Division ab. Die Gefahr, dass es ihnen dieses Mal ähnlich ergeht, erscheint allerdings relativ gering. Die Mannschaft für dieses Jahr ist größtenteils dieselbe, die letzte Saison den Franchise-Rekord von 108 Siegen aufgestellt und anschließend elf von vierzehn Playoff-Spielen gewonnen hat. Das Lineup und die Rotation sind von Stars gespickte Mischungen aus Jugend und Erfahrung. Das Front Office um Dave Dombrowski wird weiterhin seine aggressive Win-Now-Strategie verfolgen und ohne zu Zögern Geld und Prospects investieren, wenn sich während der Saison ein Bedarf zum Nachrüsten ergibt. In der Offseason hat es jedoch darauf verzichtet, auch nur einen Hauch frischen Windes in das Team zu bringen. Nicht zuletzt deswegen fürchte ich, dass der Hangover nicht ganz ausbleiben wird – hier ein bisschen zu viel Zufriedenheit mit dem bereits Erreichten, dort ein bisschen körperliche Abnutzung nach der langen und anstrengenden Saison könnten bereits genug sein, um die Red Sox für dieses Jahr knapp hinter den anderen Top-Teams der American League einzuordnen.

Voraussichtliches Lineup
C Christian Vazquez
1B Mitch Moreland
2B Dustin Pedroia
SS Xander Bogaerts
3B Rafael Devers
LF Andrew Benintendi
CF Jackie Bradley Jr.
RF Mookie Betts
DH J. D. Martinez

Voraussichtliche Rotation
LHP Chri Sale
LHP David Price
RHP Rick Porcello
RHP Nathan Eovaldi
LHP Eduardo Rodriguez
Key Reliever: Matt Barnes

Wichtigster Zugang
RHP Colten Brewer (San Diego Padres)

Wichtigster Abgang
RHP Craig Kimbrel (noch ohne Verein)

Bestes Prospect
1B/3B Michael Chavis

Größte Stärke
Das Outfield: Mookie Betts ist zurzeit der beste MLB-Spieler, der nicht Mike Trout heißt. Im Gegensatz zu Trout ist Betts von sehr starken Mitspielern umgeben und formt gemeinsam mit Andrew Benintendi und Jackie Bradley Jr. das wohl stärkste Outfield im Baseball. Für einen der gefürchtetsten Hitter der Liga, J. D. Martinez, bleibt in dieser Gruppe auf dem Feld meist kein Platz, aber zum Glück für die Red Sox gibt es in der AL den Posten des Designated Hitters.

Größte Schwäche
Das rechte Infield: Linkshänder Mitch Moreland und Rechtshänder Steve Pearce sind jeweils für sich genommen eher unterdurchschnittliche Optionen als First Basemen. Solange sie sich als Platoon je nach Händigkeit der Pitcher abwechseln, ist die Position zumindest solide ausgefüllt. Solide wäre auch Dustin Pedroia an der zweiten Base, wenn er denn mal gesund bliebe. Das war leider schon lange nicht mehr der Fall und auch diese Saison wird er auf der Verletztenliste beginnen.

Spannendste Frage
Wie effektiv ist der Bullpen ohne Kimbrel? In Person von Craig Kimbrel hatten die Red Sox in den letzten Jahren einen Elite-Closer. Der wollte nun auch einen Elite-Vertrag, den man ihm in Boston nicht geben wollte. Ein direkter Nachfolger wurde ebenfalls nicht verpflichtet, sodass nun die internen Lösungen Matt Barnes und Ryan Brasier die Save-Gelegenheiten unter sich aufteilen sollen. Zweifel an der Tragfähigkeit des Modells sind angebracht, vor allem da Barnes im Spring Training bisher nicht überzeugte und Brasier die meiste Zeit an Verletzungen laborierte.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL East und eine Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

März 24th, 2019 by