Saison-Vorschau 2021: #13 Oakland Athletics

Die Fans der Oakland Athletics sind in gewisser Hinsicht beneidenswert. Zwar haben sie regelmäßig eine schwere Zeit in der Offseason, weil ihr sparwütiger Klub Leistungsträger ziehen lässt, kaum in Verstärkungen investiert und nebenbei den einen oder anderen scheinbar haarsträubenden Trade eingeht. Während und am Ende der Saison ist die Freude dann umso größer, wenn man merkt, dass die Moves offenbar doch nicht so schlecht waren, denn das Team ist regelmäßig konkurrenzfähig und erreicht die Playoffs – zuletzt dreimal in Folge und 2020 sogar als Divisionssieger. Als Athletics-Fan erlebte man somit in den letzten Jahren immer wieder die gegensätzliche Gefühlskurve zu jener der Fans eines Teams wie den Phillies, den Angels oder den Mets, die regelmäßig an den eigenen Erwartungen scheitern. Natürlich gibt es keine Garantie, dass die Athletics weiterhin so vom Glück (oder von weiser Vorhersehung ihres Front Offices) begünstigt bleiben. Die diesjährige Offseason lief jedenfalls erneut nach der oben skizzierten Blaupause ab: Die Leistungsträger, die man dieses Mal ziehen ließ, sind Shortstop Marcus Semien und Closer Liam Hendriks. Um beide bemühte man sich nicht mal mit einem Qualifying Offer. Neuverpflichtungen wie Mitch Moreland, Jed Lowrie und Sergio Romo sind sicher nicht die Verstärkungen, die man sich als Fan erhofft hätte. Das interessanteste Signing ist Trevor Rosenthal, aber im Vergleich mit Hendriks dürfte er als Closer auch eher ein Downgrade sein. Bleibt noch der scheinbar haarsträubende Trade: OF/DH Khris Davis und zwei Prospects wurden zu den Texas Rangers geschickt, dafür erhielten die Athletics SS Elvis Andrus, ein Prospect und 13,5 Millionen Dollar. Andrus und Davis hatten beide in ihren bisherigen Klubs zuletzt nicht allzu viel Leistung gebracht – im Endeffekt ging es bei dem Trade darum, dass die A’s für eine kurzfristige Gehaltsersparnis im Gegenzug erstens die höherwertigen Nachwuchsspieler abgeben und zweitens eine neue Gehaltsverpflichtung für 2022 übernehmen, da der Vertrag von Andrus ein Jahr länger läuft als der von Davis. Ich kann nicht behaupten, dass mir dieser Trade in irgendeiner Weise einleuchtet, aber wie gesagt: In den letzten drei Jahren waren es am Ende immer die Athletics, die sämtliche Skeptiker und Pessimisten eines Besseren belehrten. Ich bin gespannt, ob und wie ihnen das auch dieses Jahr gelingt.

Voraussichtliches Lineup
C Sean Murphy
1B Matt Olson
2B Tony Kemp
SS Elvis Andrus
3B Matt Chapman
LF Mark Canha
CF Ramon Laureano
RF Stephen Piscotty
DH Mitch Moreland

Voraussichtliche Rotation
RHP Chris Bassitt
LHP Sean Manaea
RHP Frankie Montas
LHP Jesus Luzardo
RHP Mike Fiers
Key Relievers: Trevor Rosenthal, Jake Diekman

Wichtigster Zugang
RP Trevor Rosenthal (San Diego Padres)

Wichtigster Abgang
RP Liam Hendriks (Chicago White Sox)

Bestes Prospect
C Tyler Soderstrom

Größte Stärke
Die Infield-Corners: Die beiden Matts, Olson und Chapman, bilden eines der besten First- und Third-Base-Duos der Liga, wahrscheinlich sogar das beste. Beide bringen sowohl starke Batting-Leistungen als auch exzellentes Feldspiel mit und bilden damit die Stützpfeiler eines potenten und tiefen Lineups.

Größte Schwäche
Das Middle Infield: Das Gegenstück zu den beeindruckenden Corner-Infieldern ist ein sehr viel weniger beeindruckendes Middle Infield. Als Second Baseman wird wohl wie bisher Tony Kemp starten, der es in keinem seiner fünf MLB-Jahre auch nur auf einen Win Above Replacement brachte. In Marcus Semien hatten die A’s einen starken Shortstop, den sie nicht mehr bezahlen wollten. Stattdessen nimmt Neuzugang Elvis Andrus die Position ein, der erst mal beweisen muss, dass seine unterirdische Saison 2020 ein einmaliger Ausrutscher war.

Spannendste Frage
Wie lange bleibt Billy Beane? Der Teampräsident ist seit über 20 Jahren am Ruder von Oaklands Front-Office, seit dem Buch und Film „Moneyball“ reicht seine Berühmtheit weit über die Baseballszene hinaus. Ende 2020 kamen vermehrt Gerüchte auf, dass er den Athletics den Rücken kehren wird. Er ist Mitglied der Investorengruppe RedBall, welche mit der Fenway SportsGroup fusionieren soll. Dadurch wäre Beane Mitbesitzer der Boston Red Sox und somit in einem Interessenkonflikt. Doch die Fusion ist Ende Januar vorerst geplatzt. Beane wird den A’s zumindest für dieses Jahr noch erhalten bleiben.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

März 18th, 2021 by