Saison-Vorschau 2021: #12 Philadelphia Phillies

870 Millionen Dollar haben die Philadelphia Phillies von 2018 bis 2021 für Free Agents ausgegeben. Der viel zitierten Ankündigung ihres Haupteigentümers John Middleton aus dem Jahr 2018, Geld für Verstärkungen in die Hand zu nehmen und dabei auch „a little bit stupid“ zu sein, sind sie damit in mehrerlei Hinsicht gerecht geworden: Keine andere Franchise hat in dem Zeitraum auch nur annähernd so viel investiert wie die Phillies; der ausgabefreudigste Klub nach ihnen waren die Yankees mit gerade mal 590 Millionen. A little bit stupid ist allerdings, dass die Phillies trotzdem seit zehn Jahren keine Winning Season und keine Playoff-Teilnahme erreicht haben. Nachdem weder teure Neuverpflichtungen noch der letztjährige Trainerwechsel zu Joe Girardi bislang den erstrebten Erfolg brachten, soll es nun ein erfahrener Front-Office-Funktionär richten: Dave Dombrowski leitet seit diesem Jahr die sportlichen Geschicke der Phillies als President of Baseball Operations. Auf dem neu geschaffenen Posten tritt Dombrowski im Wesentlichen die Nachfolge des zurückgetretenen General Managers Matt Klentak an. Dombrowski hat als einziger General Manager in der MLB-Historie drei verschiedene Klubs – die Marlins, die Red Sox und zweimal die Tigers – in die World Series geführt. Das sind beeindruckende Referenzen, zu denen allerdings auch gehört, dass die Red Sox ihn 2019 feuerten, nachdem seine Arbeitsweise und seine Entscheidungen als altmodisch und wenig nachhaltig kritisiert wurden. Den Schwerpunkt seiner ersten Offseason bei den Phillies legte Dombrowski darauf, den bisherigen Kader weitgehend zusammenzuhalten. Die großen Free-Agent-Kontrakte dieses Jahres waren Anschlussverträge für Catcher J. T. Realmuto (5 Jahre, 115,5 Millionen) und Shortstop Didi Gregorius (2 Jahre, 28 Millionen). Größere Umwälzungen gab es im Bullpen (siehe „spannendste Frage“), ansonsten ist die Startformation quasi identisch mit der des Vorjahres.

Voraussichtliches Lineup
C J. T. Realmuto
1B Rhys Hoskins
2B Jean Segura
SS Didi Gregorius
3B Alec Bohm
LF Andrew McCutchen
CF Odubel Herrera
RF Bryce Harper

Voraussichtliche Rotation
RHP Aaron Nola
RHP Zack Wheeler
RHP Zach Eflin
RHP Vince Velasquez
RHP Spencer Howard
Key Relievers: Archie Bradley, Hector Neris

Wichtigster Zugang
RP Archie Bradley (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
SP Jake Arrieta (Chicago Cubs)

Bestes Prospect
SP Spencer Howard

Größte Stärke
Bryce Harper: Wenn die Phillies den Weg zum Erfolg finden, dann wird ein guter Teil der Verantwortung dafür auf dem Rücken des 330-Millionen-Dollar-Manns lasten. Harpers Leistungen am Schlagmal in der Kurzsaison 2020 lassen einen deutlichen Reifungsprozess erkennen: Seine Strikeout-Rate lag mit 17,1% so niedrig wie noch nie in seiner Karriere, gleichzeitig stieg seine Walk-Rate auf 20,1% und damit auf den zweitbesten Wert der Liga, übertroffen nur von Juan Soto.

Größte Schwäche
Tiefe: Die Phillies sind sehr „top-heavy“ in dem Sinne, dass sowohl im Lineup als auch in der Starting Rotation zwei, drei herausragende Spieler den Ton angeben, es dahinter aber zu schnell zu dünn wird. Hier könnte einer der Gründe liegen, warum dem Team seit Jahren auf der Zielgeraden der Saison die Luft ausgeht. Die Bilanz der Phillies in den letzten drei Septembern lautet 33-53.

Spannendste Frage
Was taugt der neu aufgestellte Bullpen? Die Leistung, die die Phillies letztes Jahr von ihren Relievern erhalten haben, war schlichtweg katastrophal (7.06 ERA, -0.8 WAR, 12 blown Saves). Dementsprechend wurde hier in der Offseason ein Schwerpunkt gesetzt. Archie Bradley, Jose Alvarado, Brandon Kintzler, Tony Watson und Sam Coonrod wurden verpflichtet, auch Chase Anderson könnte eine Rolle spielen, sofern er sich nicht als Starter durchsetzt. Mehr als ein durchschnittlicher Bullpen wird dabei nicht herauskommen, doch das wäre bereits ein großer Fortschritt.

Meine Prognose
Platz 3 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

März 19th, 2021 by