Rivalitäten in der MLB: White Sox vs. Cubs

Im dritten Teil der Serie über die interessantesten Rivalitäten in der MLB schaue ich mir heute eine der naheliegendsten Feindschaften an, nämlich die zwischen den Chicago White Sox und den Chicago Cubs. Das Wort „naheliegend“ darf man dabei ruhig wörtlich nehmen, denn die Ballparks der beiden Teams trennen gerade mal 13 Kilometer Luftlinie, welche sich in weniger als einer halben Stunde ohne Umsteigen mit der Red Line der Chicago Transit Authority überbücken lassen.

In Chicago hängt es ganz stark von der Wohngegend ab, welchem Team man anhängt: Die Trennlinie zwischen den Ballungsgebieten der Cubs und denen der White Sox verläuft horizontal durch die Stadt, ungefähr auf Höhe der Interstate 290. Im südlichen Teil der Stadt sowie in den südlichen Vororten dominieren deutlich die White Sox, während nördlich der Linie – im weiteren Einzugsgebiet allerdings auch rings um Chicago herum – ebenso deutlich die Cubs dominieren, wie eine auf Facebook basierende Karte der New York Times veranschaulicht. Dementsprechend bezeichnen sich auch die Fans landläufig als „North Siders“ oder „South Siders“.

Entstanden ist die Rivalität bereits mit der Gründung der White Sox im Jahr 1900, welche die Vereinsführung der Cubs erfolglos zu verhindern versuchte. Die White Sox waren Grüdungsmitglied der American League, die sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts als Konkurrenzorganisation zur National League etablierte, bevor sie mit dieser 1903 zur Major League Baseball verschmolz. Bis 1997 bestand die Verschmelzung allerdings spielplantechnisch nur in der World Series. Während der regulären Saison trafen die Teams der National League und der American League, also auch die Cubs und die White Sox, bis dahin nie aufeinander. So kam es, dass sich die beiden Chicagoer Teams in den ersten 97 Jahren einer geliebten und gelebten Rivalität nur in einer einzigen Serie direkt gegenüber standen. Das war die World Series 1906, welche die als Außenseiter angetretenen White Sox mit 4:2 Spielen für sich entschieden.

Nach jener World Series sahen sich die Cubs und die White Sox 90 Jahre lang ausschließlich in Freundschaftsspielen – bis die MLB 1997 die Interleague-Serien einführte. Seitdem stehen jährlich drei bis sechs Lokalderbys auf dem Plan und die Konkurrenz kann endlich regelmäßig auf dem Platz ausgetragen werden und nicht mehr nur im Fernduell, welches jahrzehntelang in erster Linie aus Schadenfreude über die jeweils reichlich vorhandenen Misserfolge des Gegners bestand.

Von 1997 bis 2016 wurden zwischen Chicago Nord und Chicago Süd 108 Partien absolviert, von denen die White Sox 57 gewannen und die Cubs 51. Dabei erzielten die White Sox 484 Runs (4,5 pro Spiel) und die Cubs 477 (4,4). Der höchste Sieg ging am 24. Juni 2005 mit 12:2 an die White Sox. Die aufsehenerregendste Partie fand am 20. Mai 2006 statt, als White-Sox-Catcher A. J. Pierzynski bei einem Sacrifice-Fly-Score mit Cubs-Catcher Michael Barrett kollidierte, der dabei den Ball fallen ließ und anschließend seinem Gegenüber vor lauter Zorn einen Kinnhaken verpasste. Das Resultat war eine Schlägerei zwischen beiden Teams, die mit mehreren Spielausschlüssen und Sperren endete.

November 29th, 2016 by