Rivalitäten in der MLB: Giants vs. Dodgers

Im zweiten Teil der letzte Woche mit der Rivalität zwischen den Yankees und den Red Sox begonnenen Serie geht es heute um ein noch älteres Konkurrenzverhältnis, nämlich das der San Francisco Giants und der Los Angeles Dodgers.

Man könnte meinen, diese Rivalität sei die natürliche Konsequenz daraus, dass die Teams in den beiden wichtigsten und in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlichen Städten der amerikanischen Westküste zu Hause sind. Aber weit gefehlt, denn beide Mannschaften sind erst 1958 an ihren heutigen Standort umgezogen. Die Rivalität besteht hingegen schon seit 1889 und nahm ihren Anfang an der Ostküste, genauer gesagt in New York. Die Brooklyn Bridegrooms (die mehrfach ihren Namen änderten bis sie 1932 zu den Dodgers wurden) aus der American Association trafen damals in einem Vorläufer der World Series auf die New York Giants aus der National League. Die Giants gewannen die Serie mit 6:3 Siegen. Zur Saison 1890 wechselte Brooklyn in die National League, in welcher die Teams seit nunmehr 127 Jahren ihre Rivalität pflegen.

Von Anfang an trugen nicht nur die große geographische Nähe sondern auch ausgeprägte Unterschiede im Selbst- und Fremdverständnis der Teams und ihrer Herkunft zum Entstehen einer intensiven Feindschaft bei. Auf der einen Seite standen die Giants als Vertreter des elitären Manhattan, auf der anderen Seite das Team aus Brooklyn mit ausgeprägter Arbeiterklassenmentalität und hohem Immigrantenanteil. Hinzu kam im frühen 20. Jahrhundert eine persönliche Fehde zwischen Dodgers-Owner Charles Ebbets und Giants-Manager John McGraw, welche Fans und Spieler so massiv gegeneinander aufhetzten, dass es auf dem Platz und jenseits davon mehrfach zu brutalen gewalttätigen Auseinandersetzungen kam.

Die späteren Owner Walter O’Malley (Dodgers) und Horace Stoneham (GIants) verstanden sich offenbar deutlich besser und begriffen die vorhandene Rivalität als finanziellen Vorteil für beide Seiten. Anders dürfte es kaum zu erklären sein, dass die beiden 1958 gemeinsam an den Bürgermeister von San Francisco herantraten, um ihn für die Aufnahme der Giants zu gewinnen, nachdem der Umzug der Dodgers nach Los Angeles bereits beschlossene Sache war. Der Plan ging auf. Trotz massiver Proteste der New Yorker Fans verließen beide Teams im gleichen Jahr die Metropole gen Westen und die traditionelle Rivalität übertrug sich nahtlos auf die neuen Standorte, wo sie bis heute intensiv gepflegt und gelebt wird.

Verblüffenderweise trafen die Dodgers und die Giants in all der Zeit seit 1889 nie wieder in den Playoffs aufeinander und bis 2014 schafften sie es sogar niemals im gleichen Jahr in die Postseason. Was es allerdings gab, waren zwei Tiebreak-Serien, nachdem die Dodgers und die Giants 1951 und 1962 am Ende der regulären Saison gleichauf an der Tabellenspitze gestanden hatten. In beiden Jahren waren es die Giants, die zunächst in der Endphase der Saison einen Vorsprung der Dodgers aufholten und dann eine Best-of-Three-Entscheidung mit 2:1 für sich erreichten.

Obwohl in den besonders wichtigen Zusammentreffen 1889, 1951 und 1962 die Giants die Oberhand behielten, ist die Rivalität insgesamt betrachtet immer sehr ausgeglichen gewesen. Seit 1890 sind die beiden Teams 2449-mal aufeinander getroffen und damit öfter als jedes andere Paar von Major-League-Mannschaften. Dabei gewannen 1232-mal die Giants und 1200-mal die Dodgers, 17 Spiele fanden keine Entscheidung. Die Giants scorten in diesen Spielen 10548 Runs, die Dodgers 10456, was gerundet jeweils 4,3 Runs pro Spiel entspricht. Die punktereichste Partie und zugleich der höchste Sieg ging am 30. April 1944 mit 26:8 an die Giants. Betrachtet man nur die Zeit seit dem Umzug beider Teams an die Westküste, so führen die Dodgers mit 529 zu 510 Siegen.

November 22nd, 2016 by