Die Bälle der MLB: same same, but different

Über die enorme Zunahme der Zahl von Homeruns innerhalb der letzten drei Jahre wurde schon viel geschrieben und spekuliert. Zahlreiche Ursachen dafür wurden ins Spiel gebracht, vom Wetter über veränderte Offensivphilosophien der Teams bis hin zu einer neuen Dopingwelle. Als prominenteste unter den zahlreichen Theorien hat sich diejenige herauskristallisiert, die die Entwicklung auf eine veränderte Beschaffenheit der Bälle zurückführt. Die Bälle seien „juiced“, also „gedopt“, um weiter zu fliegen und für mehr aufsehenerregende Szenen zu sorgen, so wurde von vielen behauptet. Allerdings haben sowohl die Ligaleitung als auch die Firma Rawlings als Hersteller der Bälle stets verneint, dass es bewusste Änderungen gegeben habe.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, setzte MLB-Commissioner Rob Manfred eine zehnköpfige Forschungsgruppe aus Physikern, Mathematikern und Statistikern ein. Die Gruppe wertete Daten der MLB und von Rawlings sowie die Ergebnisse vorhandener Studien aus und führte zudem eigene Tests unter Laborbedingungen an benutzten und unbenutzte Bällen durch. Die Resultate der Untersuchung wurden nun vorgelegt und siehe da: Es spricht vieles dafür, dass die steigenden Homerunzahlen tatsächlich auf die Bälle zurückzuführen sind.

Entlarvt: Die Schuldigen an der erhöhten Homerun-Rate1

Konkret stellten die Wissenschaftler fest, dass die in den letzten zwei, drei Jahren hergestellten Bälle weniger Luftwiderstand erfahren und dadurch weiter fliegen. Dieser Effekt macht rund 6 Fuß (1,83m) an zusätzlicher Flugdistanz bei einem durchschnittlichen Homerun aus – genug, um den Anstieg der Zahlen zu erklären.

Durch die Erkenntnisse der Untersuchung sind diverse andere Erklärungsansätze als widerlegt anzusehen. Wettereffekte spielen demnach kaum eine Rolle und auch eine veränderte Herangehensweise der Spieler, die auf mehr Fly-Balls abzielt, ist nicht der Grund für vermehrte Homeruns – vielmehr hat sich der durchschnittliche Winkel, in dem die Bälle geschlagen werden, in den betrachteten Jahren kaum verändert.

Was die Untersuchung nicht erklärt, ist was genau an den Bällen anders ist als früher. Rawlings und die MLB beteuern nach wie vor, dass es keine gezielten Veränderungen am Material oder am Produktionsprozess gab und angesichts des gezeigten Aufklärungswillens sehe ich wenig Grund, dies anzuzweifeln. Alan Nathan, der Leiter der Studie, dazu: „Die Ursache ist offenbar etwas sehr, sehr Subtiles im Produktionsprozess, aber es muss wirklich ziemlich subtil sein, denn ansonsten hätten wir es gefunden.“ Nathans Kollege Leonard Mlodinow spekuliert ein Stück weiter mit der Vermutung: „Fortschritte bei der Produktion, durch die der Ball runder und symmetrischer wurde, könnten die Nebenwirkung gehabt haben, dass der Ball sich weniger bewegt.“

Die Rundheit und der Schwerpunkt der Bälle sind eines von drei Hauptfeldern, auf die weitere Untersuchungen sich konzentrieren werden. Ein weiteres stellt die Oberfläche der Bälle dar. Die Bälle werden in einem bislang weitgehend unkontrollierten Prozess mit „Lena Blackburne Original Baseball Rubbing Mud“ eingerieben, damit sie weniger leicht aus der Hand rutschen. Eine Veränderung, die zu einer leicht glatteren oder rauheren Oberfläche führt, kann sich ebenfalls auf das Flugverhalten auswirken. Das dritte Hauptfeld, dessen man sich annimmt, ist die Lagerung der Bälle. In Coors Field in Denver erfolgt diese schon seit 2002 in einer temperatur- und feuchtigkeitsregulierten Umgebung, in Chase Field in Phoenix seit diesem Jahr auch. Die MLB und die Forschungsgruppe wollen sich die Bedingungen in den anderen 28 Ballparks näher anschauen und dann entscheiden, ob es ab 2019 verbindliche Vorgaben zur Lagerung in Feuchtigkeitskammern geben soll.

1 Quelle: Flickr, Urheber: Keith Allison (CC BY SA 2.0)

Mai 27th, 2018 by