Pitcharten: Slider

In der Serie über Pitcharten stelle ich heute einen weiteren Breaking Ball vor, den sogenannten Slider. Der Slider ist in mehrerlei Hinsicht zwischen dem Curveball und dem Cutter angesiedelt. Er wird von vielen Pitchern als sekundärer Pitch neben dem Fastball verwendet und dient häufig als Strikeout-Pitch.

Die Flugbahn des Sliders vereinigt die beiden Hauptmerkmale des Cutters und des Curveballs: Der Ball bricht sowohl zur Handschuhseite des Pitchers als auch nach unten hin aus, also bei einem rechtshändigen Pitcher nach unten links und bei einem linkshändigen Pitcher nach unten rechts. Während der Cutter als Unterart des Fastballs während des Fluges rückwärts rotiert (Backspin) und der Curveball vorwärts (Topspin), ist die entscheidende Drehrichtung des Sliders seitwärts (Sidespin). Ein effektiver Slider bricht spät aber deutlich aus der geraden Flugbahn aus und bringt damit den Batter dazu, daneben zu schwingen oder schlecht zu treffen. Bricht der Ball zu früh aus der Bahn, kann der Batter seinen Schlagansatz anpassen bzw. den Ball passieren lassen. Bricht er hingegen zu schwach aus und kommt in der Mitte der Strikezone an, wird der Ball zur leichten Beute des Batters.

Der Griff beim Werfen eines Sliders ist dem des Curveballs sehr ähnlich: Mittel- und Zeigefinger platzieren sich oben an einer Naht des Balles, der Daumen unten an der schräg gegenüber liegenden Naht. Der Druck sollte auf dem äußeren Drittel des Balles liegen, das heißt primär von Zeigefinger und Daumen ausgehen. Das Handgelenk wird dabei meist leicht zur Daumenseite hin gebeugt, aber nicht gedreht. Auch beim Release sollte das Handgelenk keine (seitliche) Drehung aufweisen sondern nur ein Schnappen von oben nach unten, während die Rotation des Pitches vom Druck des Zeigefingers verursacht wird.

Griff eines Sliders1

Auch hinsichtlich der Geschwindigkeit ordnet sich der Slider zwischen Curveball und Fastball bzw. Cutter ein. Im Durchschnitt war ein Slider in der MLB-Saison 2016 84,1 mph (135 km/h) schnell. Mit 15,2% war der Slider der am häufigsten verwendete Nicht-Fastball. Ein Großteil der MLB-Pitcher hat ihn im Repertoire, aber nur sehr wenige benutzen ihn als ihren Hauptpitch. Routinier Chris Young war 2016 der einzige Starter, der mehr Slider (50,6%) warf als andere Pitches. Unter den Relievern gab es ein paar mehr Slider-Spezialisten, zum Beispiel Sergio Romo (63,5%), Andrew Miller (60,6%) und Dellin Betances (56,6%).

Wann und von wem der Slider erfunden wurde ist umstritten, aber der erste Pitcher, der es mit diesem Pitch oder zumindest dessen Vorläufer (man nannte ihn damals Nickel Curve) zu Erfolg und Berühmtheit brachte, war Chief Bender in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Später wurden Steve Carlton, Larry Andersen und Randy Johnson zu Namen, die man mit erfolgreichen Slidern verbindet. Heute gelten die Slider von Jake Arrieta, Noah Syndergaard und Clayton Kershaw als besonders gefürchtet – wobei es sicher kein Zufall ist, dass es sich dabei durchweg um Pitcher handelt, die auch einen berüchtigten Fastball werfen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)

Februar 14th, 2017 by