Pitcharten: Splitter und Forkball

Heute geht es zum letzten Mal in dieser Serie um einen Pitch, der zumindest dem Namen nach als Fastball gilt. Ähnlich wie der letzte Woche vorgestellte Cutter unterscheidet sich auch der Split-Finger-Fastball – kurz Splitter – wegen der geringeren Geschwindigkeit und der gebogeneren Flugbahn deutlich von einem „echten“ Fastball und stellt eher eine Zwischenform zwischen Fastball und Breaking Ball dar.

Ein durchschnittlicher Splitter hatte in der MLB-Saison 2016 eine Geschwindigkeit von 84,5 mph (136 km/h) – rund 8 mph weniger als 4-Seamer und immer noch 3,5 mph weniger als Cutter. Der Splitter ist eine Weiterentwicklung des Forkballs. Beide werden sehr ähnlich gegriffen und geworfen, aber der Forkball fliegt noch etwas langsamer als der Splitter und ist somit eindeutig nicht mehr zu den Fastballs zu zählen. Der Splitter ist heute weitaus verbreiteter als der Forkball.

Die Flugbahn eines gut geworfenen Splitters ist zu Beginn kaum zu unterscheiden von der eines normalen Fastballs oder eines Cutters, fällt aber kurz vor Erreichen der Schlagzone scharf nach unten ab. Mit diesen Eigenschaften ist der Splitter in erster Linie ein Groundball-Pitch, der besonders in Double-Play-Situationen seine volle Wirksamkeit entfalten kann. Durch das späte Absacken des Balls trifft ihn der Schläger oft in der oberen Hälfte und produziert einen Kullerball, der sich von der Defense für ein einfaches Aus oder auch zwei nutzen lässt.

Beim Griff eines Splitters legt man Zeige- und Mittelfinger an die Außenseite der Nähte und hält den Ball fest in der Hand. Aus dieser Haltung heraus wird der Splitter wie ein 2-Seamer mit gestrecktem, von oben schwingendem Arm geworfen. Der Forkball wird im Prinzip genauso gegriffen, nur dass man den Ball noch etwas mehr zwischen Zeige- und Mittelfinger rutschen lässt, sodass diese nicht mehr außen an den Nähten sondern an der Mitte des Balls platziert sind. Durch den „tieferen“ Griff und ein zusätzliches Schnappen des Handgelenks beim Loslassen ist der Forkball etwas langsamer als der Splitter, weist dafür aber mehr Bewegung auf.

Griff eines Splitters1

Griff eines Forkballs2

Der Forkball ist ein eher historischer Pitch, der ab den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts an Popularität gewann und von der zunehmenden Verbreitung des Splitters in den 80ern mehr oder weniger abgelöst wurde. Durch die sparsamere Handgelenksbewegung ist der Splitter für den Arm des Pitchers nicht ganz so anstrengend wie der Forkball. Dennoch steht auch der Splitter in der Kritik, auf Dauer zu Schulter- und Ellbogenproblemen zu führen und bei übermäßiger Verwendung der Fastball-Geschwindigkeit des Pitchers zu schaden. Aus diesem Grund sind die Trainer mehr und mehr davon abgekommen, jungen Pitchern den Splitter beizubringen. Dementsprechend ist auch in der MLB die Nutzung des Splitters rückläufig: Nur 1,4% aller Pitches der Saison 2016 waren Splitter. Bekannte Pitcher, die häufig den Splitter verwendeten, waren Bruce Sutter, Roger Clemens und David Cone. Unter den aktiven Pitchern, die den Splitter im Repertoire haben, sind vor allem Koji Uehara und Masahiro Tanaka zu erwähnen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)

Januar 31st, 2017 by