Super Two – ist es soweit und was heißt das überhaupt?

Gestern wurden mit Catcher Wilson Contreras (Cubs) und Lefty-Pitcher Cody Reed (Reds) gleich zwei vielversprechende Prospects aus den Minors in die MLB gerufen. Die Gleichzeitigkeit kann Zufall sein, aber es wird bereits gemunkelt, dass es mit der Super-Two-Deadline zu tun haben kann. In dem Fall wäre in den nächsten Tagen und Wochen mit einigen weiteren Callups zu rechnen.

Ich muss zugeben, ich habe von dieser ominösen Super-Two-Deadline (auch Super-Two-Cutoff genannt) schon häufig gehört, hatte bisher aber nur eine ungefähre Vorstellung, was es damit auf sich hat. Nun habe ich mich schlauer gemacht und möchte gern teilen, was ich mir (u. a. hier und hier) angelesen habe.

Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Nach dem Collective Bargaining Agreement (CBA), einer Art Rahmenvertrag zwischen der MLB und der Spielergewerkschaft, ist ein Spieler in der Regel sechs Spielzeiten lang seinem ersten Team verpflichtet; erst danach kann er sich als Free Agent aussuchen, wo es ihm am besten gefällt oder wo er den lukrativsten Vertrag bekommt. In den ersten drei dieser sechs Jahre muss er für den festgelegten Mindestlohn der Liga (zurzeit etwas mehr als 500.000$) spielen. In den Jahren vier, fünf und sechs steht ihm eine Gehaltsverhandlung unter Aufsicht eines Schlichters zu. In diesem Verfahren, der Arbitration, legen der Spieler sowie der Verein jeweils ein Angebot vor und der Schlichter trifft die Entscheidung, welches davon fairer ist. In rund 90% der Fälle einigen sich Club und Spieler aber ohne Schlichter.

Die Regel ist also, dass ein Spieler drei (volle) Spielzeiten lang kein Recht auf Gehaltsverhandlungen hat. Das könnte die Teams dazu verführen, die Spieler grundsätzlich erst ein paar Tage nach Saisonbeginn in die MLB zu berufen, sodass es fast ein Jahr länger dauert, bis sie die drei vollen Spielzeiten vorweisen können und über ihr Gehalt verhandeln dürfen. An dieser Stelle kommt die Super-Two-Regel ins Spiel. Sie legt fest, dass ein Teil (genauer gesagt 22%) der Spieler, deren MLB-Zeit zwischen zwei und drei Jahren liegt, schon nach 2,x Spielzeiten das Recht auf Arbitration haben. Es handelt sich um jene 22% dieser Spieler, die die längste MLB-Zeit vorzuweisen haben.

Es kostet die Teams nicht selten ein paar Millionen, wenn sie ein Prospect in den MLB-Kader berufen, das in diese 22% fällt, denn der Spieler hat in vier von seinen sechs Jahren Anspruch auf ein verhandeltes Gehalt statt nur in drei. Aus diesem Grund versuchen die Teams, in jeder Saison abzuschätzen – die offizielle Berechnung ist erst im Nachhinein möglich –, wann der Zeitpunkt erreicht ist, ab dem die 22% überschritten sind und das Berufen eines Prospects für sie billiger wird.

Der Super-Two-Cutoff liegt normalerweise ungefähr im Juni und sobald sich die Teams einigermaßen sicher sind, dass es soweit ist, machen sie sich die Entscheidung, ihre Talente in den MLB-Kader zu berufen, deutlich leichter. Das könnte wie oben schon erwähnt der Hintergrund für die Callups von Contreras und Reed und zugleich der Startschuss für eine Reihe weiterer Berufungen in den kommenden Tagen und Wochen sein.

Juni 17th, 2016 by