Die Ballparks der MLB: T-Mobile Park

Nach dem Besuch in Detroit geht in meiner Ballparks-Serie die Reise noch ein Stück weiter nach Norden. Genauer gesagt ist Seattle der nördlichste und der zweitwestlichste Standort der MLB. Rund 70.000 Kilometer legen die Spieler der Mariners jährlich auf ihren Auswärtsreisen zurück, weit mehr als die jedes anderen Teams. Heute aber geht es um ihre Heimstätte: T-Mobile Park.

Geschichte
Die Seattle Mariners nahmen den Spielbetrieb als Erweiterungsteam 1977 im ein Jahr zuvor erbauten Kingdome auf. Die Mehrzweckarena teilten sie sich mit den Seahawks (Football), den Sounders (Fußball) und den SuperSonics (Basketball). Der Kingdome galt zu seiner Eröffnung als hoch entwickeltes, topmodernes Stadion, doch er war ganz offensichtlich nicht für die Ewigkeit geschaffen. Das Dach machte immer wieder Probleme, unter anderem fielen 1994 kurz vor einem Spiel der Mariners mehrere Teile auf die Zuschauerränge herab – zum Glück wurde niemand verletzt. Zudem gab es mehrere kritische Gutachten im Hinblick auf mangelnde Erdbebensicherheit. Sowohl die Mariners als auch die Seahawks drohten letztlich der Stadt mit Wegzug, falls sie kein neues Stadion bekommen.

Nach drei Jahren mit einigem politischen Hin und Her wegen der Finanzierung begannen 1997 die Bauarbeiten für den neuen Mariners-Ballpark gleich gegenüber vom alten Dome. Letzterer wurde übrigens im Jahr 2000 abgerissen und durch ein neues Footballstadion ersetzt.

Mit Kosten von 517 Millionen Dollar war der Bau des Ballparks zum damaligen Zeitpunkt der teuerste der US-Geschichte. Gleichzeitig war es mit 27 Monaten Bauzeit auch der schnellste Bau eines Stadions mit verschließbarem Dach. Die Mariners hatten es so eilig, aus dem Kingdome heraus zu kommen, dass der Umzug mitten in der Saison stattfand: Am 15. Juli 1999 stieg das Eröffnungsspiel, welches mit 2:3 gegen die San Diego Padres verloren ging.

T-Mobile Park, dahinter das Stadion der Seahawks und die Skyline (1)

Der Ballpark hieß bei seiner Eröffnung und für die folgenden 20 Jahre übrigens Safeco Field, benannt nach einem Versicherungsunternehmen. Seit 2019 ist Mobilfunkanbieter T-Mobile neuer Inhaber der Namensrechte.

Safeco Field war 2000 und 2001 Austragungsort von Playoff-Spielen. In beiden Jahren unterlagen die Mariners in der American League Championship Series den New York Yankees. Seitdem mühen sich die Mariners bislang vergeblich um eine erneute Postseason-Qualifikation – länger als jedes andere Profi-Sportteam der USA. 2001 fand auch das All-Star-Spiel der MLB in Safeco Field statt.

Eine Besonderheit für Freunde dominanten Pitchings war das Jahr 2012: Am 21. April pitchte Philip Humber für die Chicago White Sox ein perfektes Spiel gegen die Mariners, am 15. August gelang Mariners-Pitcher Felix Hernandez gegen die Tampa Bay Rays ebenfalls ein Perfect Game. Das war bisher das einzige Mal in der Geschichte, dass es zwei perfekte Spiele in einem Jahr im selben Ballpark gab. Obendrein warfen am 8. Juni desselben Jahres sechs Pitcher der Mariners einen gemeinsamen No-Hitter gegen die Los Angeles Dodgers.

T-Mobile Park von außen mit Mount Rainier im Hintergrund (2)

Architektonische Auffälligkeiten
T-Mobile Park reiht sich ein in den retro-modernen Stil, dem viele seit den 1990er Jahren erbaute Ballparks folgen: Außen Klinker und Stahl, innen mehrstufige Tribünen, ein asymmetrisches Outfield und eine schöne Aussicht auf die Skyline von Seattle. Das größte unverwechselbare Feature von T-Mobile Park ist die Dachkonstruktion. Es handelt sich um ein verschließbares Dach, welches im Gegensatz zu anderen verschließbaren Dächern der MLB – z. B. in Houston oder Milwaukee – nur gegen Sonne und Regen schützt, aber keine Vollklimatisierung des Stadions erlaubt. Die ist in der Regel auch nicht nötig, da Seattle ein recht mildes Klima hat, aber eben viel Niederschlag. Das Dach kann und darf auch während des laufenden Spiels geöffnet oder geschlossen werden. Wenn man mit dem Flugzeug über den Ballpark fliegt, fällt der große magentafarbene Schriftzug „Welcome to T-Mobile Park, Seattle“ ins Auge, der sowohl bei offenem als auch bei geschlossenem Dach sichtbar ist.

Ein Hingucker im Inneren des Stadions ist die riesige Video-Anzeigetafel über dem Centerfield. Mit 1.070 m² ist es die zweitgrößte in der MLB, übertroffen nur von der in Cleveland.

In das Stadion integriert, hinter den Blöcken 135-141, ist das „Baseball Museum of the Pacific Northwest“. Wenn man genug Zeit mitbringt, kann man sich hier vor dem Spiel über die Baseball-Teams informieren, die es im Nordwesten der USA vor der Gründung der Mariners 1977 gab. Außerdem befindet sich dort die „Mariners Hall of Fame“ mit Informationen und Ausstellungsstücken über die Größen des Klubs wie Edgar Martinez oder Ken Griffey Jr.

T-Mobile Park (damals noch Safeco Field) mit geschlossenem Dach (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Felddimensionen von 401 Fuß (122m) im Centerfield, 331 Fuß (101m) an der Leftfield- und 326 Fuß (99m) an der Rightfieldlinie liegt T-Mobile Park ziemlich im Durchschnitt der MLB. Trotzdem gilt der Park als eine der pitcherfreundlichsten Umgebungen der Liga. Die Parkfaktoren zeigen regelmäßig unterdurchschnittliche Bedingungen für Runs, Homeruns und Extrabase-Hits, dafür erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Strikeouts. Zu erklären ist dies durch den „Marine Layer“, eine für die Gegend typische, dichte Luftschicht die durch das Auftreffen von warmer Luft auf den kalten Ozean entsteht. Der Marine Layer verursacht in Seattle den gegenteiligen Effekt der dünnen Luft, die Coors Field in Denver zum Paradies für Hitter macht.

Das Dach von T-Mobile Park ist so hoch, dass es sehr selten von geschlagenen Bällen getroffen wird. Falls es doch vorkommt, bestimmen die Ground Rules, dass
– ein Ball nach dem Berühren des Daches weiterhin zum Flyout gefangen werden kann;
– ein Ball, der das Dach im Foul Territory berührt, in jedem Fall als Foulball gewertet wird;
– ein Ball, der das Dach im Fair Territory berührt, je nach Ort seiner Landung als fair oder foul gewertet wird.

Wo sitzt man am besten?
Die durchschnittliche Auslastung des knapp 48.000 Zuschauer fassenden T-Mobile Park lag in den letzten Jahren regelmäßig unter 60 Prozent. Es ist daher normalerweise kein Problem, auch kurzfristig noch an Tickets heranzukommen. Die Preise liegen im Mittelfeld der MLB.

Wie in jedem Ballpark bieten die beste Sicht die Plätze hinter der Homeplate für ein paar hundert Dollar. Für 60 bis 70 Dollar bekommt man aber auch schon sehr gute Plätze um das Infield herum in den Terrace Club Sections 220-240. Auf den Outfield-Tribünen kommt man für unter 20 Dollar unter. Man ist dort natürlich sehr weit weg und sieht vor allem im Centerfield die Anzeigetafel nur, wenn man den Kopf dreht.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Sean O’Neill (CC BY-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Tiffany Von Arnim (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: albedo20 (CC BY-NC-ND 2.0)

Mai 12th, 2020 by